Zweite Liga

Union verlässt gegen Fürth der Mut

Zweitligist Union verliert trotz eigener Führung gegen die SpVgg Greuther Fürth. Eine Szene erhitzte dabei die Gemüter ganz besonders.

Unions Profis konnten trotz einer Halbzeit-Führung gegen Fürth wieder nicht gewinnen

Unions Profis konnten trotz einer Halbzeit-Führung gegen Fürth wieder nicht gewinnen

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Für die Fans des 1. FC Union unter den 19.107 Zuschauern, die am Sonntagnachmittag den Weg in die Alte Försterei fanden, war der Schuldige schnell ausgemacht: Schiedsrichter Sven Jablonski. Mit gellenden Pfiffen verabschiedeten sie den Unparteiischen nach dem Ende der Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth in die Kabine.

War der Mann aus Bremen tatsächlich der Grund dafür, dass der Berliner Fußball-Zweitligist gegen seinen Angstgegner erneut verlor und die Heimpremiere von Trainer Sascha Lewandowski mit 1:2 (1:0) missglückte? Steven Skrzybski gab die passende Antwort. „Auf keinen Fall“, sagte der Stürmer, „wir haben es verpasst, das 2:0 zu machen.“

Ausgangspunkt für die teils heftigen Reaktionen von den Rängen war die 81. Minute. Nach einer Ecke hatte Damir Kreilach den Ball im Strafraum in Richtung linker Pfosten geköpft, wo Benjamin Kessel lauerte und den Ball zum umjubelten 2:2 über die Linie drückte – dachten alle. Doch Schiedsrichter Jablonski gab den Treffer nicht, nachdem er ein Zeichen seines Assistenten bekommen hatte: Kreilach soll bei seiner Aktion Fürths Verteidiger Niko Gießelmann umgestoßen haben. Unions Kapitän sprach von einer „Situation, wie es sie 100 Mal im Spiel gibt“. Nur würden die nicht immer gepfiffen werden. Dennoch war auch Kreilach weit davon entfernt, die Schuld woanders zu suchen als bei der eigenen Mannschaft. „Wir müssen das Spiel in der ersten Halbzeit entscheiden, dann wird es ein 4:0“, sagte der Kroate.

Fürth wurde eine Halbzeit lang mit Ballbesitz dominiert

Die erste Halbzeit – wenn die Köpenicker für den Rest der englischen Woche mit den Partien beim FSV Frankfurt am Mittwoch (17.30 Uhr, Sky) und am Sonnabend gegen Aufsteiger MSV Duisburg (13 Uhr, Alte Försterei) etwas Positives mitnehmen wollen, dann sollten es jene 45 Minuten sein. Hellwach präsentierten sich die Berliner, von der ersten Sekunde an. Und mutig, in nahezu jeder Situation.

Sein Team würde noch nicht so weit sein, um den Gegner spielerisch dominieren zu können, hatte der Coach vor der Partie gegen die Franken festgestellt. Seine Spieler belehrten ihn eines Besseren. So musste auch Lewandowski lobend anerkennen: „Dass es uns gelingt, über Ballbesitz zu agieren, ist ein Fortschritt im Vergleich zu den vergangenen Wochen.“

Union agierte mit Benjamin Kessel rechts in der Viererkette und Christopher Trimmel davor, mit Eroll Zejnullahu als alleinigem defensiven Mittelfeldspieler sowie der Doppelspitze Sören Brandy und Bobby Wood. Heraus kamen viele Offensivaktionen gegen doch sehr defensiv eingestellte Fürther, mit weiten Pässen (Toni Leistner) oder klugem Spiel über die Flügel (Skrzybski, Trimmel).

Führung nach Spiel über die Flügel

Einem solchen Flügelspiel entsprang auch das 1:0. Brandy leitete den Ball auf die rechte Seite zu Kessel, der das Spielgerät in den Rücken der Fürther Abwehr passte. Am hinteren Pfosten vollendete Skrzybski die Hereingabe zur Führung (17.). Union war Herr im eigenen Haus. Ein Kopfball von Michael Parensen konnte Gästetorwart Sebastian Mielitz gerade noch klären, den Abpraller setzte Brandy an den Pfosten (22.). Kreilach schoss aus acht Metern drüber (28.) und scheiterte zwei Minuten später auch an Mielitz. Der erste Heimsieg gegen Fürth seit dem Aufstieg 2009 schien Konturen anzunehmen.

Fußballspiele haben es jedoch so an sich, dass sie aus zwei Halbzeiten bestehen. Und in eben diesen zweiten 45 Minuten fielen die Köpenicker in jene Verhaltensmuster zurück, die stark an die Zeiten unter Lewandowski-Vorgänger Norbert Düwel erinnerten. Keine zwei Minuten waren nach Wiederanpfiff vorbei, als Jürgen Gjasula einen Freistoß von der Strafraumgrenze zum 1:1 einschoss (47.) – und Union der Mut verließ.

„Warum es zu diesem Leistungsabfall kam, kann ich mir nicht erklären“, rätselte Skrzybski. Sein Trainer sieht jedenfalls Redebedarf. „Ich werde viel mit den Spielern sprechen, weil ich wissen will, was in dieser Situation in ihren Köpfen vorging. Es kann nicht sein, dass wir mit nur einer Aktion aus dem Spiel zu nehmen sind. Das zeigt, wie instabil wir noch sind“, sagte Lewandowski.

Kapitän Kreilach trifft nur die Latte

Fürth witterte seine Chance in einer Partie, die zunehmend ruppiger wurde. Insgesamt neun Gelbe Karten verteilte Jablonski, fünf für Union, vier für die Fürther, die ihre Chance auch nutzten. Nachdem Brandy im Strafraum Robert Zulj zu Fall gebracht hatte, verwandelte Gjasula den Strafstoß (70.). Unions Torhüter Daniel Haas war zwar in der richtigen Ecke, der Schuss war jedoch zu scharf und zu platziert.

Es folgte eine Schlussphase, in der Union viel Willen, aber wenig Fußball zeigte. Kreilach traf aus 20 Metern nur die Latte (76.), Skrzybski zielte zu ungenau (86.). Dazwischen lag jene 81. Minute, die die Gemüter so erhitzte. „Ich sehe, wie Damir köpft und Benny einschiebt, gehe zum Schiedsrichter und frage, ob er das Tor gibt. Er sagte ja, und da bin ich zum Jubeln abgedreht“, erzählte Skrzybski.

Er gab den Treffer nicht. Dass die Spieler die Schuld für die vermeidbare Niederlage nicht beim Schiedsrichter suchten, darf ihnen hoch angerechnet werden. Ungeachtet der Reaktion der zahlreichen Fans von den Rängen.