Heimdebüt

Union-Trainer Lewandowski steht vor besonderer Premiere

Für Union beginnt die englische Woche mit einem Heimspiel gegen Greuther Fürth. Warum die drei Spiele in sechs Tagen so wichtig sind.

Union-Trainer Sascha Lewandowski steht vor seinem ersten Spiel in der Alten Försterei

Union-Trainer Sascha Lewandowski steht vor seinem ersten Spiel in der Alten Försterei

Foto: Uli Deck / dpa

Berlin.  Da musste der Trainer verblüfft nachhaken. „Erst wird mir mitgeteilt, dass wir in Karlsruhe noch nie gewonnen haben, jetzt wird mir mitgeteilt, dass wir auch gegen Fürth noch nicht gewonnen haben. Wie seid ihr denn die ganzen Jahre in der Liga geblieben?“ fragte Sascha Lewandowski mit einem Augenzwinkern. Die Heimspiele gegen die SpVgg Greuther Fürth trugen beim 1. FC Union seit dem Aufstieg 2009 jedenfalls nicht dazu bei, alle fünf Duelle in der Alten Försterei gingen verloren.

Dass Lewandowski als Coach des Fußball-Zweitligisten angetreten ist, um schwarze Serien zu beenden, ist sicher eine logische Begleiterscheinung eines jeden Trainerengagements – wer verliert schon gern. Nach dem ersten Sieg in Karlsruhe überhaupt (3:0) erhofft man sich in Köpenick nun auch gegen Fürth (Sonntag, 13.30 Uhr) endlich einen Sieg.

Es sind zwei Dinge, die den Kick des Zwölften gegen den Zehnten besonders machen. Zum einen ist da das Heimdebüt des neuen Trainers. Erstmals wird Lewandowski die Atmosphäre im größten, reinen Fußballstadion Berlins zu spüren bekommen. Zum anderen ist es der Start in eine englische Woche, in der mit drei Partien in sechs Tagen vieles wieder gerade gerückt werden kann, was in den ersten Wochen schiefgelaufen ist.

Nur drei Punkte Rückstand auf den sechsten Platz

Der Trainer gerät dabei unweigerlich in eine Zwickmühle. „Natürlich passiert bei drei Spielen in sechs Tagen viel in der Tabelle“, sagte Lewandowski. Diesen in Trainerkreisen gern Momentaufnahmen genannten Situationen kann und darf er sich aber nicht entziehen. Unions Rückstand auf die als Saisonziel ausgegebenen Plätze eins bis sechs beträgt derzeit nur drei Punkte. Ein Abstand, der sicherlich jetzt noch leichter wettzumachen ist als später in der Saison in einer großen Aufholjagd.

Doch Lewandowski machte auch wiederholt deutlich: „Ich darf mich nicht nur von der Tabelle abhängig machen. Wir sind immer noch am Anfang eines Weges. Es muss einfach darum gehen, die Mannschaft nach und nach so zu verbessern, dass automatisch die Chance auf Erfolg viel größer ist.“ Bis dahin werden Punktverluste in stärkerem Maße einkalkuliert werden müssen.

Schon für das Spiel gegen Fürth machte der Coach deutlich: „Spielerisch dominieren werden wir die Mannschaften noch nicht, das ist Fakt.“ Zumal die Fürther „uns einiges voraus haben. Was sie am Ball zeigen und immer wieder für Lösungen haben, das ist schon bemerkenswert. Wir werden defensiv enorm gefordert sein“.

Sorgen um den Kräfteverschleiß sind unbegründet

Andererseits kann er sich auf den Einsatzwillen seiner Spieler – das hat die Partie in Karlsruhe gezeigt – verlassen. Die Sorge um den möglichen Kräfteverschleiß sieht Lewandowski völlig unbegründet: „Durch die Anstoßzeiten am Nachmittag können wir früh in die Regeneration gehen, das ist gut. Deshalb gibt es keine Ausrede, nicht in allen drei Spielen Gas zu geben.“

Es ist auch nur eine englische Woche, „Kindergeburtstag, hätte ich fast gesagt“, so der Trainer. Und darunter sind zwei Heimspiele, „zweimal eine Atmosphäre, die wir für uns nutzen können“, erklärte der Coach. Nach der Fürth-Partie geht es am Mittwoch zum FSV Frankfurt, ehe am Sonnabend Aufsteiger MSV Duisburg in Berlin gastiert.

Ob Lewandowski bei seinem Heimdebüt diese Atmosphäre überhaupt genießen kann angesichts der sportlichen Herausforderungen? Es darf gezweifelt werden. „Ich lebe ja schon davon, dass ich eine hohe Identifikation mit dem Verein habe, bei dem ich arbeite. Ich lasse mich auch emotionalisieren.“

Der Versuch, die Atmosphäre zu genießen

Derzeit überwiegen bei dem 43-Jährigen allerdings die Trainingsplanungen und -umsetzungen unter der Woche, die eher rationalen Überlegungen beim Fußball, anstatt die Vorfreude auf irgendein Spektakel. Mittelfristig sei es jedoch Lewandowskis Ziel, solche Spiele, vor allem aber das Drumherum, genießen zu können.

Lewandowski wird dabei fast schon philosophisch. „Man lebt ja nur einmal.“ Deshalb suche man sich den Arbeitsplatz auch nicht nur aus rationalen Gründen aus. Selbst wenn die Emotionen oft zu kurz kommen, so wie im Jahr 2012. Der Union-Trainer erinnert sich: „Mit Leverkusen hatten wir damals in Liverpool den letzten Test vor dem Ligastart. Und für uns Kinder der 70er- und frühen 80er-Jahre gibt es fast nichts Schöneres als die Anfield Road. Also habe ich mir gesagt: Genieße es, hier wirst du nicht mehr oft hinkommen.“ Das Vorhaben scheiterte nach bereits wenigen Minuten.

In die Alte Försterei wird Lewandowski nun häufiger kommen. Und sollte seine Mannschaft gleich gegen Fürth an den Sieg in Karlsruhe anknüpfen und erfolgreich in die englische Woche starten können, kann er zumindest das Geschehen nach dem Abpfiff genießen.