Zweite Liga

1. FC Union entscheidet sich für Lewandowski

Unions Trainer Norbert Düwel muss gehen. Über den Nachfolger ist man sich An der alten Försterei schon einig.

Norbert Düwel und der 1. FC Union trennen sich

Norbert Düwel und der 1. FC Union trennen sich

Foto: dpa

Manche Dinge lassen sich nicht so einfach glauben. Die müssen mit eigenen Augen verifiziert werden. Also schwang er sich auf sein Fahrrad, schaute sich am Montagvormittag das Training des 1. FC Union an. „Ich wollte sehen, ob er wirklich weg ist“, sagte der Fan des Berliner Zweitliga-Klubs. Norbert Düwel mochte er eh nie, insofern war er froh, dass dieser tatsächlich nicht mehr die Einheit leitete. Der Verein entließ den Fußballlehrer am Morgen. So überraschend, dass viele es zunächst nicht recht wahrhaben wollten.

Zu befürchten stand es schließlich nicht unbedingt. Nach fünf Spieltagen in der 2. Fußball-Liga rangieren die sieglosen Berliner mit nur vier Punkten im unteren Mittelfeld, sie verloren aber auch erst einmal, wenn man vom Pokal-Aus in der ersten Runde absieht. Und das bietet sich an, denn im Pokal tat sich Union schon seit Jahren nicht so hervor, als dass dies zu einem Maßstab gereichen könnte. Beim 1:1 am Freitag gegen Leipzig zeigte sich die Mannschaft vor der Länderspielpause zudem in einer guten Verfassung.

In den beiden freien Tagen passierte dennoch mehr als anzunehmen war. Nach eingehender Analyse, hieß es bei Union, habe der Verein sich entschlossen, die Zusammenarbeit mit Düwel zu beenden. Schon früh am Montagmorgen kam der Präsident Dirk Zingler in die Geschäftsstelle, gegen acht Uhr teilte er Düwel mit, dass seine Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird. Als die Spieler zum für 10 Uhr angesetzten Training eintrudelten, erklärte Zingler vor versammelter Runde die Situation. „Wir waren ein bisschen aufgeregt“, sagte Kapitän Damir Kreilach. Auch das Team hatte offenbar nicht mit der Demission gerechnet.

Düwel ist der erste Trainer, der in dieser Saison in Liga eins und zwei gehen muss. Zu den konkreten Gründen äußert sich Union nicht. „Wir sind jedoch überzeugt davon, dass ein Wechsel auf der Trainerposition notwendig ist, um unsere Ziele zu erreichen“, heißt es von Zingler in einer Vereinsmitteilung. Erst einmal werden die Co-Trainer André Hofschneider und Sebastian Bönig das Team übernehmen.

Am Montagmorgen beschäftigten sie die Profis mit kleinen Spielformen, nachdem zu Beginn der Einheit alle im Kreis für eine dreiminütige Ansprache zusammengekommen waren. Spätestens nach den Testspielen am Dienstag gegen Lichtenberg 47 (18 Uhr, Hans-Zoschke-Arena) und in Babelsberg am Mittwoch (19 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion) dürfte ein neuer Trainer da sein. Zumindest implizieren das die Umstände. Offenbar wurde schon länger über eine Neuausrichtung auf der Trainerposition nachgedacht. Das jüngste Resultat jedenfalls habe nicht die Reaktion ausgelöst, heißt es. Dem Vernehmen nach sind sich die Köpenicker mit Sascha Lewandowski, 43, einig, der bereits Bayer Leverkusen in der Bundesliga trainierte.

Schwere Aufgabe zu Beginn

Zweifellos hatte sich die Klubführung mehr von Norbert Düwel versprochen. Wobei ihm sportlich keine schwerwiegenden Verfehlungen anzulasten sind. Platz sieben in der Vorsaison war unter den gegebenen Bedingungen in Ordnung für einen Neuling auf dem Chefposten. Bis dahin hatte Düwel, 47, kein Profiteam alleinverantwortlich trainiert. Und er musste gleich dicke Bretter bohren, den Klub von der Identifikationsfigur Torsten Mattuschka emanzipieren. Düwel verjüngte wie gewünscht die Mannschaft, was in eine Ergebniskrise führte. Das rückte den Trainer stark in den Mittelpunkt. Ohne die Abfederung nach außen, die sonst ein Manager bietet, auf den die Köpenicker aber verzichten.

Eine glückliche Figur gab Düwel, der bis 2017 unter Vertrag genommen worden war, dabei nicht immer ab. Doch sein Umbau funktionierte zunächst. „Norbert Düwel hat mit Mut und Konsequenz vieles von dem umgesetzt, was wir uns von seiner Verpflichtung versprochen haben und ist dabei auch nicht vor schwierigen Entscheidungen zurückgeschreckt“, so Zingler. Die nächste Stufe allerdings, die jetzt folgen sollte, wurde trotz neun Zugängen noch nicht erreicht. Unions Ansprüche aber sind gewachsen. Im Mai sprach Zingler davon, den Verein unter die besten 20 in Deutschland bringen zu wollen. Nie wieder Zweitliga-Niemandsland. Dies war aus Klubsicht mit der Person Düwel nicht mehr kompatibel. Seine Ausstrahlung spielte dabei wohl eine wesentliche Rolle.

Dieses Problem ergab sich nicht erst kürzlich, aber seine Aufgabe hatte Düwel erfüllt. Nun jedoch sorgte das nicht mehr passende Profil zusammen mit den fehlenden Siegen dafür, dass bei Union die Geduld, die den Klub über Jahre auszeichnete, nicht mehr vorhanden ist. „Wir als Spieler akzeptieren eine Vereinsentscheidung. Wir müssen uns jetzt auf die kommenden Aufgaben fokussieren und mit dem neuen Trainer in Karlsruhe den ersten Dreier holen“, sagte Kapitän Kreilach. Von der neuen Personalie wusste er da noch nichts. Im Trainingslager in Kienbaum nächste Woche kann sich Sascha Lewandowski, der zuletzt als Nachwuchs-Cheftrainer bei Bayer Leverkusen tätig war, ein genaues Bild von seiner neuen Mannschaft machen. Mit eigenen Augen.