Zweite Liga

Union Berlin verpasst gegen RB Leipzig ersten Saisonsieg

Gegen den Aufstiegsfavoriten Leipzig musste sich Union mit einem Unentschieden begnügen.

 Unions Sören Brandy (M.) köpft den Ball ins Tor zum 1:0

Unions Sören Brandy (M.) köpft den Ball ins Tor zum 1:0

Foto: Annegret Hilse / dpa

Das konnte nicht gut ankommen. Es fühlte sich ja fast wie eine Provokation an. Vor Heimspielen des 1. FC Union wird der Mittelkreis im Stadion an der Alten Försterei kurz vor Beginn mit einer Plane abgedeckt. Einer Sponsorenplane zwar, Geld muss ja auch reinkommen, aber vor allem mit dem Union-Logo drauf. Doch ein Spieler von RB Leipzig, dem Kommerzklub der Zweiten Fußballliga schlechthin, wehrte den Versuch ab, die Plane niederzulegen, da RB sich dort noch warmmachen wollte. Wilder Protest von den Rängen. „Hier regiert der FCU“, hallte es über den Rasen, als ein Ordner die Sache endlich geregelt hatte und die Plane dort landete, wo sie hingehört.

Es war gefühlt der erste Sieg des Tages, ein moralischer Erfolg. Der zweite, der sportliche, blieb den Berlinern allerdings versagt. Auch auf dieser Ebene griff höchstens die Moral. „Wir haben lange geführt in einem Spiel, in dem Leipzig einen richtig guten Tag hatte“, sagte Union-Trainer Norbert Düwel zum 1:1 (1:0). Sieben Minuten vor dem Ende mussten die Berliner den Ausgleich hinnehmen. „Doppelt tragisch“, so Düwel, denn den Ball lenkte mit Michael Parensen ein Innenverteidiger in das eigene Tor. Er egalisierte damit vor 21.283 Zuschauern den Treffer von Sören Brandy (25.). Union blieb damit auch nach fünf Ligaspielen ohne Sieg.

Zu Beginn Viertelstunde schweigen gegen Red Bull

Stimmlich überließen die Berliner Anhänger das Feld zunächst den Gästefans. Der Protest gehört zum Programm gegen die Leipziger. Der Klub gehört dem Getränkekonzern Red Bull, der mit seiner finanziellen Macht aus den Leipzigern in kurzer Zeit einen Spitzenklub formen will. Hauptsächlich als Marketinginstrument dienen die Fußballer dabei. Mit dieser Art Verein können viele Union-Fans nichts anfangen, zu Spielbeginn eine Viertelstunde zu schweigen, war stiller Ausdruck dessen. Plakate mit Schlagworten wie Mitbestimmung, Transparenz und Tradition begleiteten die Ruhe.

Vergangene Saison taten die Fans ihren Standpunkt unter anderem mit schwarzen Plastiksäcken über den Schultern kund. Diesmal trugen sie Rot in jeder Form. Das ist zwar ohnehin die Vereinsfarbe, doch auf den Rängen sah es nun noch etwas roter aus als sonst. Sogar Trainer Norbert Düwel, der zuletzt bei Spielen eher neutrale Farben bevorzugte, stand in roter Trainingsjacke an der Seitenlinie. Auf dem Feld hatte er ebenfalls eine Änderung vorgenommen: Für Benjamin Kessel, der beim 0:0 in München in der Vorwoche vom Platz gestellt worden war, kam Toni Leistner in die Innenverteidigung.

RB mit mehr Ballbesitz

Konzeptionell wurde bei den Berlinern schnell sichtbar, dass sie RB an den bekannten Schwächen angreifen wollren. Also zog sich Union zurück, überließ den Sachsen einiges an Raum und versuchte, nach Ballgewinnen aus der eigenen Hälfte schnell mit langen Bällen in die Spitze zu kommen. RB hatte deutlich mehr Ballbesitz. „Das war so gewollt. Damit konnten sie aber nichts anfangen“, so Düwel. Die Berliner gingen mit dem wenigen Ballbesitz dafür optimal um, Brandy traf nach dem Schweigen per Flugkopfball zur Führung (25.). Fabian Schönheim hatte zuvor einen Freistoß getreten, den Parensen mit dem Kopf weiterleitete.

Mit der Zeit aber bahnte sich die Qualität der Sachsen ihren Weg, sie drängten die Berliner immer mehr in die Defensive. Erst kurz vor Schluss genügte die leidenschaftliche Abwehrarbeit der Berliner dann nicht mehr. „Ich will ihn mit aller Macht verteidigen, der Ball geht gegen das Knie und ins Tor. Ich glaube, das kann passieren“, sagte Parensen. Und Trainer Düwel sagte: „Ein ausgesprochen gutes Heimspiel. Wir hätten einen Dreier verdient gehabt. Macht aber nix, dann halt beim nächsten Mal.“