Österreicher sind beliebt im deutschen Fußball. Fast alle Klubs haben einen, in der ersten Liga ist das so, in der zweiten auch. Bei den Profis aus Köpenick, Berlins Vertreter in Liga zwei, übernimmt Christopher Trimmel diese Rolle. Als Rechtsverteidiger des 1. FC Union läuft er die Außenlinie hoch und runter. Das hat er früher auch in Österreich schon getan. Oft hieß da der Gegner Red Bull Salzburg. Das macht Trimmel quasi zum Experten.

Natürlich spielt Red Bull Salzburg nicht in Deutschlands Zweiter Liga, doch mit RB Leipzig unterhält der Getränkehersteller auch hierzulande eine Filiale. Und wie das so ist mit Filialen: Vieles läuft nach gleichen, konzerneigenen Mustern ab. Das schlägt sich auf dem Rasen in einem typischen RB-Spielstil nieder. Und mit dem hatte Trimmel, 28, schon viel Kontakt.

Dieser Stil sorgt dafür, dass Verteidiger Trimmel und sein Trainer Norbert Düwel in ihren Ansichten etwas auseinander liegen. Wenn die Leipziger am Freitag (18.30 Uhr) in das Stadion an der Alten Försterei kommen, betrachtet es der Coach als ein „ganz normales Zweitligaspiel“. Eines zwar mit einer pikanten Ebene – denn die Österreicher von Red Bull sind nicht beliebt.

Beim Pressing die Ruhe bewahren

Sie streben mit ihrem Geld schnell an die Spitze, aus Sicht einiger Fans ohne Tradition, ohne Kultur. Deshalb ist auch Leipzig unbeliebt. Auch diesmal wird es wieder Protestaktionen geben. Damit aber hat Düwel nichts am Hut, auf dem Rasen gelten dieselben Regeln wie immer. Insofern bleibt es ein normales Spiel für den Trainer.

Man kann es aber auch anders sehen. „Für uns Spieler ist es eine Mega-Herausforderung. Jeder ist gegen RB noch mehr motiviert“, erzählt Trimmel. Warum? „Diese Spielweise, die die auch schon in Salzburg entwickelt haben, die will man besiegen“, sagt der Abwehrspieler.

Vielleicht ist es gar nicht nur der Stil. Leipzig bewegt sich in anderen Sphären bei den Transfers, gab über 20 Millionen Euro aus – viel mehr als der Rest der Liga zusammen. „Der Gegner hat enorme Qualität auf dem Platz“, sagt Düwel. Vor allem im Angriff. Da will jeder gern zeigen, dass er nicht so viel schlechter ist.

Lange Bälle als Patentrezept

Vergangene Saison funktionierte das bestens. Die bis dahin sieglosen Berliner setzten sich am sechsten Spieltag daheim gegen RB mit 2:1 durch. Jetzt sind sie nach vier Spieltagen wieder sieglos. „Warum sollen wir Leipzig nicht noch mal schlagen?“, fragt der Trainer. Damals entpuppte sich der Sieg als „ein entscheidender Schritt nach vorn, das ist schon in den Hinterköpfen“, sagt Düwel.

Trimmels Erfahrungswerte sind trotzdem wertvoll. Der RB-Stil besteht darin, die Gegenspieler früh zu attackieren. Die ganze Mannschaft rückt weit vor, ist überaus dynamisch, verlegt ihr Spiel in die Offensive. „Für den Kopf ist das anstrengend, wenn viele Leute auf dich zulaufen“, sagt Trimmel.

Aber ganz so, wie es viele andere empfinden, dass nämlich dieser Spielweise nur schwer beizukommen sei, betrachtet Trimmel es nicht. Man muss nur ruhig bleiben.

„Klar pressen die wie die Verrückten, aber wenn man trotzdem einen richtig guten Ball nach vorn spielt, hat man fünf Spieler ausgespielt, weil fast die ganze Mannschaft in der Vorwärtsbewegung ist“, sagt der Verteidiger.

Düwel erwartet Schlagabtausch

Leipzig ist demnach anfällig. „Ein guter Lauf und ein guter Pass, und du stehst schon fast vor dem Tor. Das ist der Schwachpunkt ihres Spiels, den muss man nutzen.“ Klingt nach einem guten Plan.

Einfach umzusetzen dürfte der sicher nicht sein. „Da wird eine Menge Arbeit auf uns zukommen“, sagt Düwel. Seine Spieler müssen wach bleiben, die ganze Partie über. „Man muss ihnen die Lust nehmen“, sagt Trimmel. Kämpfen lautet das Motto.

In dieser Kategorie sollte Union mehr Punkte sammeln als die spielfreudigen Gäste. Grundsätzlich, findet der Trainer, bieten die Anlagen beider Mannschaft alle Zutaten für ein interessantes Match: „Ich erwarte, dass es ein richtiger Schlagabtausch wird. In solchen Spielen haben wir immer gut ausgesehen.“

Fans kündigen stillen Protest an

Wegen vieler neuer Akteure ist RB noch nicht besonders gut aufeinander abgestimmt. Union wiederum besaß in jedem Saisonspiel – vielleicht mit Ausnahme des vorangegangenen in München – die Chance, zu gewinnen. Der große Unterschied in den Finanzmitteln muss auf dem Platz also nicht zwangsläufig auffallen.

Deshalb schert sich Trainer Düwel auch gar nicht um die Möglichkeiten der anderen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem, was wir hier haben. Wir machen das mit anderen Dingen wett“, sagt er.

Sollte das passieren, und die Berliner treffen dabei in der ersten Viertelstunde, würde Trimmel es nicht wie die Fans halten. Die wollen nämlich aus Protest gegen RB Leipzig erst mal ganz ruhig bleiben. Doch den Torjubel würde sich der Österreicher nicht nehmen lassen wollen. Hoffentlich macht er sich da nicht unbeliebt.