Saisonbilanz

Nächster Halt für Union ist – die Bundesliga

Zweitligist 1. FC Union beendet die Umbruchsaison 2014/15 auf dem siebten Platz, besser als von vielen erwartet. Für den nächsten Schritt stehen Kader und Verein allerdings erneut auf dem Prüfstand.

Foto: Annegret Hilse / dpa

Der Schlusspfiff der Saison 2014/15 war noch nicht lange verhallt, da gab es bereits die ersten Positionierungen für die neue Spielzeit. „Ich würde mich freuen, wenn wir im nächsten Jahr hier beim Aufstiegsfavoriten gewinnen und am Ende auch wieder vor ihm stehen könnten.“ Gesagt hat dies Torsten Lieberknecht, der Trainer von Eintracht Braunschweig. Adressat dieses Ansinnens: der 1. FC Union.

Innerhalb eines Dreivierteljahres vom Abstiegskandidaten Nummer eins zum Bundesliga-Aspiranten? „Das geht dann vielleicht doch ein wenig schnell“, sagte Norbert Düwel, der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten. Doch der Weg der Köpenicker ist vorgezeichnet, zumindest in der Theorie.

Klubchef Dirk Zingler erklärte noch vor dem 2:0 (0:0) zum Abschluss gegen Braunschweig: „Wir wollen zu den Top 20 in Deutschland gehören.“ Nächster Halt also: Bundesliga. Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen bis zum Trainingsstart am 21. Juni.

Was hat der Umbruch im vergangenen Sommer gebracht?

Dass man das Jahr eins nach Trainer Uwe Neuhaus als Siebter mit 47 Punkten beendet, zwei Ränge und drei Zähler besser als im Vorjahr, war nicht von jedem erwartet worden. Vielen erschien es nach dem Startdesaster und dem Sturz ans Tabellenende im Herbst 2014 als sicher, dass Norbert Düwel die Winterpause bei Union nicht erleben werde.

Doch allein die Rückrunde hat gezeigt, dass der Klub mit Düwel auf dem richtigen Weg ist. „Es ist nicht alltäglich, vom 18. Platz noch auf Rang sieben zu klettern“, sagte Düwel mit Genugtuung und Erleichterung nach einer Saison, „die schwer begann und zwischendurch richtig kribblig war“.

Düwel hat den Kader verjüngt, die Trainingsintensität und -steuerung grundlegend verändert (Düwel: „Das muss ein Spieler auch erst mal umsetzen“) und der Mannschaft eine neue Spielweise verpasst, die vor allem in den vergangenen Liga-Wochen immer deutlicher wurde: weg vom reinen Ballbesitz und hin zum schnellen, gradlinigen Konterspiel verbunden mit großer taktischer Flexibilität. In den letzten neun Saisonspielen gab es nur eine Niederlage. „Wir haben eine klar positive Tendenz“, zeigte sich auch Klubchef Dirk Zingler insgesamt zufrieden.

Vier neue Spieler wurden verpflichtet – gibt es weitere Verstärkungen?

Mit den Braunschweigern Benjamin Kessel und Raffael Korte, dem Fürther Stephan Fürstner und Dennis Daube aus St. Pauli hat Union bereits vier Profis verpflichtet, die wissen, wie Bundesliga-Aufstieg geht. „Union hat die nächste Saison schon gut vorbereitet“, lobte auch Braunschweig-Coach Lieberknecht.

Und Union-Trainer Düwel machte deutlich: „Es werden noch ein paar neue Spieler kommen. Und wir werden die Spieler, die noch einen Vertrag haben, auf den Prüfstand stellen.“

Was wird aus dem an Krebs erkrankten Benjamin Köhler?

Der Schock durch die Nachricht von der Krebserkrankung Benjamin Köhlers ist trotzigem Kampf gewichen. Allen voran bei Köhler selbst. Die Chemotherapie, mit der der Lymphdrüsenkrebs behandelt wird, schlägt an. Köhler, ließ sich immer öfter zu Spielen im Stadion blicken, sagt von sich selbst: „Mir geht es gut.“

Sein Vertrag wurde gleich nach Bekanntwerden der Krankheit im Februar bis 2016 verlängert. Er strahlt Zuversicht aus, genießt die Augenblicke im Kreis der Mannschaft, so wie beim Saisonabschluss am Pfingstsonntag. Das gibt Kraft für die nächsten Schritte zur völligen Genesung.

Saisonrekord eingestellt – doch bleibt Sebastian Polter bei Union?

Wenn es um einen Spieler keine zwei Meinungen gibt, was den Nutzen für das Team angeht, dann ist es Sebastian Polter. Auf dem Platz egalisierte der Stürmer mit seinem Treffer gegen Braunschweig gerade den Uralt-Saisonrekord von Sreto Ristic (2001/02). 14 Tore, dazu sechs Vorlagen und unbändiger Ehrgeiz (Polter: „Ich wollte eigentlich 15 Tore schaffen, weil ich um Ristics Rekord wusste“) belegen den sportlichen Wert. Dem 24-Jährigen gelang es, als Führungsspieler das Vakuum im Kader zu füllen, das Klub-Legende Torsten Mattuschka mit seinem Abgang nach Cottbus hinterlassen hatte.

Die Fakten besagen jedoch: Polter muss nach einem Jahr Ausleihe wieder zurück zum Bundesligisten Mainz (Vertrag bis 2017) – obwohl er gar nicht zurück will. „Mir fehlt immer noch das Sechsaugen-Gespräch mit Manager Christian Heidel und Trainer Martin Schmidt. Ich will eine ehrliche Meinung bekommen, um mehr über meine sportliche Zukunft in Mainz zu wissen“, sagte er.

Trainer Düwel hat bereits angekündigt: „Wir werden um Polter kämpfen. Sicher wird es irgendwann einen Zeitpunkt geben, dass wir woanders schauen müssen. Aber wir haben für jeden Fall eine Lösung parat.“ Der Ball liegt nun bei Mainz 05.

Ausgliederung, Investoren – wie wird sich der Klub aufstellen?

Union-Präsident Zingler unterstrich erneut, „dass es keine Planung zur Ausgliederung der Profimannschaft gibt“. Das freut die Fans. Gleichwohl machte er deutlich, dass die Wettbewerbsfähigkeit und der nächste Schritt in der Entwicklung nicht zu schaffen sind, „so wie wir unseren Weg bis jetzt gegangen sind. Wir müssen uns überlegen, auf welche Weise wir künftig mit Partnern zusammenarbeiten.“

Eine Beteiligung eines Investors an der Profiabteilung soll es dennoch nicht geben. „Aber wir denken darüber nach, wo Beteiligungen ringsherum Sinn machen“, so Zingler. Mögliche Ergebnisse sollen offen mit den Mitgliedern diskutiert werden.

Mit der Sportberatungsfirma Match IQ wurde gerade eine Zusammenarbeit bis 2018 beschlossen, um die Marke 1. FC Union Berlin zu schärfen. Dabei geht es vor allem um finanzielle Optimierung der Auswärtsfahrten und Trainingslager. Aber auch um „neue Impulse im Bereich der internationalen Kontakte“, sagte Nico Schäfer, Unions kaufmännisch-organisatorischer Leiter. Der Fanblock kommentierte die neue Partnerschaft mit einem Plakat: „Match IQ: Union ist keine Marke, Union ist ein Verein.“

Zudem soll es neben dem bisherigen Geschäftsführer Oskar Kosche drei neue Geschäftsführer geben. Damit sollen die Abläufe innerhalb des Vereins verbessert werden.