Zweite Liga

Unions letzte Chance für ein Ausrufezeichen

Der 1. FC Union empfängt mit dem FC Ingolstadt den designierten Zweitliga-Meister und Bundesliga-Aufsteiger. Gegen den Klassenprimus setzen die Köpenicker dabei auf Fortschritte der besonderen Art.

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Man kann zum Spielplan-Computer der Deutschen Fußball Liga (DFL) stehen, wie man will – der Algorithmus, der die Spieltage in Bundesliga und Zweiter Liga bestimmt, ist klug ausgetüftelt. Während Hertha BSC am Sonnabend in der Bundesliga Spitzenreiter Bayern München die 25. Meisterfeier am Wochenende madig machen will, hofft der 1. FC Union in Liga zwei, Klassenprimus FC Ingolstadt im Aufstiegsrennen am Sonntag (13.30 Uhr, Alte Försterei) ein Bein zu stellen. Mehr wird es wohl nicht werden, die Donaustädter sind ebenso wie die Münchner der Konkurrenz bereits weit enteilt.

„Ob sie praktisch durch sind oder nicht, ist mir ziemlich egal“, sagte Norbert Düwel, „wichtig ist nur, dass sie es bei uns nicht schaffen.“ Auch wenn Union den Ingolstädter Aufstieg im höchsten Falle nur verzögern kann, für die Köpenicker ist dieses drittletzte Heimspiel der Saison noch einmal eine ausgezeichnete Gelegenheit zu zeigen, dass doch mehr in der Mannschaft steckt, als es der bisherige Verlauf gezeigt hat.

Trotz des Ostderbys gegen Aue (9.5.) und des Prestigeduells gegen Eintracht Braunschweig am letzten Spieltag (24.5.) – das Duell am Sonntag ist der letzte Moment der Saison 2014/15, in dem Union noch einmal ein echtes Ausrufezeichen setzen kann.

Weder Hurra-Stil noch Mauertaktik

„Wir werden deshalb nicht mit Hurra anrennen, sonst gibt es ein böses Erwachen“, erklärte Düwel. Einmauern wollen sich die Berliner aber auch nicht. „Wir werden schon ein bisschen Rücksicht darauf nehmen, dass wir zuhause spielen, ohne dabei die Qualität des Gegners aus den Augen zu verlieren“, so der Coach. Bis auf die Langzeitverletzten kann Düwel auch aus dem Vollen schöpfen. Verteidiger Roberto Puncec (Beckenprellung) und Stürmer Steven Skrzybski (muskuläre Probleme) sind wieder einsatzbereit.

Für Union geht es aber noch um mehr als nur darum, einen Favoriten ins Wanken zu bringen. Spieler wie Maximilian Thiel, der gerade erst einen neuen Vertrag bei Union bis 2017 unterzeichnet hat, aber auch die etablierten Profis wie zum Beispiel Schönheim, Christopher Quiring oder Damir Kreilach werden in den 90 Minuten noch einmal hautnah erfahren, was es braucht, um im Aufstiegskampf dabei zu sein.

Die Berliner erwartet folglich eine Lehrstunde der besonderen Art. Diese Partie „ist auf jeden Fall förderlich für unseren Lernprozess, vor allem bei unseren jüngeren Spielern“, unterstrich auch der Coach, dass es gegen Ingolstadt um mehr geht als nur um drei Punkte.

Alle vier Zugänge haben Aufstiegserfahrung

Erst recht mit Blick auf die bereits getätigten Neuverpflichtungen, die den angedachten Weg der Köpenicker in der Saison 2015/16 bereits skizzieren. Ob Sebastian Fürstner (Fürth), die Braunschweiger Benjamin Kessel und Raffael Korte, selbst Dennis Daube vom FC St. Pauli – das Quartett hat die Erfahrung einer Aufstiegssaison bereits hinter sich. Eine Erfahrung, die Union in der kommenden Spielzeit, spätestens aber im Jahr 2017 ebenfalls gern machen möchte.

Dass Union in einem Spiel in der Lage ist, einen Großkopferten – und Ingolstadt ist diese Saison unbedingt so einzuordnen – schlagen zu können, bewies das Team erst im Hinspiel. Zweimal hatten die Berliner geführt, 2:0 und 3:2. Nach dem Last-Minute-Ausgleich durch den Ex-Herthaner Andre Mijativoc blieb ihnen der Erfolg jedoch verwehrt.

Das soll nun im Rückspiel nachgeholt werden. In einer Lehrstunde, in der es um einen Lernerfolg geht. Und nicht um eine Lehre für den Rest der Saison.