Zweite Liga

Union wird auch in diesem Jahr zum 1. FC Umbruch

Union schließt die Neuordnung des Trainerteams mit der Verpflichtung von Dennis Rudel für Holger Bahra als Torwarttrainer zwar ab. Der Mannschaft stehen allerdings noch weitere Veränderungen bevor.

Foto: Herbert Rudel / pa/Herbert Rudel

Die erste Trainingseinheit unter dem neuen Torwarttrainer ließ nicht lange auf sich warten. Nur einen Tag nach dem Rauswurf von Holger Bahra, 56, präsentierte der 1. FC Union mit Dennis Rudel schon dessen Nachfolger. Und der 38-Jährige stand auch gleich am Mittwochvormittag auf dem Trainingsplatz an der Alten Försterei. Dem Sohn eines Sportfotografen aus Stuttgart obliegt es nun, das Leistungsvermögen der drei Torhüter Daniel Haas, Mohamed Amsif und Steve Kroll zu steigern. Eine Aufgabe, die Bahra, wegen seiner Paraden zu seiner aktiven Zeit beim 1. FC Magdeburg oder Stahl Brandenburg auch „Katze“ genannt, nicht mehr zugetraut wurde.

Die Entscheidung, sich nach zehn Jahren von Bahra zu trennen, ist ein weiteres Puzzleteil jenes Bildes, das der Zweitligist spätestens in der nächsten Spielzeit abgeben möchte. Eines, das sich angebahnt hatte, Bahras im Sommer auslaufender Vertrag sollte ohnehin nicht mehr verlängert werden. Der Zeitpunkt überrascht dennoch.

„Vielleicht hätten wir mit Bahra noch bis zum Sommer durchziehen können“, erklärte Unions Trainer Norbert Düwel: „Wir haben es uns aber sehr, sehr gut überlegt, was für den weiteren Verlauf der Saison sinnvoll ist. Und wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, es so zu handhaben. Schließlich sind ja noch zehn Spieltage zu absolvieren.“

Rudel war zuletzt in Johannesburg tätig

Es ist eine Entscheidung, die Düwel vor allem langfristig verstanden wissen will. Bahra, so der Coach, habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Zumal ein Wechsel auf dieser Position im Trainerstab schon länger im Raum gestanden habe. Düwel: „Als ich bei Union angetreten bin, hätte ich jede Position im Trainerteam sofort auswechseln können. Deshalb habe ich mich schon lange mit Leuten beschäftigt, die die entsprechenden Positionen bekleiden können“, ist die Verpflichtung von Rudel keine Spontanentscheidung.

„Ich habe jedoch allen die Chance gegeben, sich unter meiner Regie zu zeigen“, so Düwel weiter. Über die vergangenen Monate ist dann offensichtlich die Erkenntnis gereift, dass Holger Bahra den Qualitätsansprüchen nicht mehr genügt. Dennis Rudel, der Neue, habe den Trainer hingegen „in den Gesprächen, die wir geführt haben, absolut überzeugt. Ich hatte auch aus Wolfsburg und Südafrika nur beste Dinge von ihm gehört.“

Profi-Torwart bei den Stuttgarter Kickers bis 2008, danach Torwarttrainer beim VfL Wolfsburg und zuletzt bei den Kaizer Chiefs in Johannesburg – eine durchaus illustre Vita. Nun also Union. „Die Anforderungen, die mich hier erwarten, decken sich mit meinen eigenen Ansprüchen an die Arbeit mit Torhütern“, ließ Rudel, der einen Vertrag bis 30. Juni 2017 erhielt, wissen.

Gesucht wird eine dauerhafte Nummer 1

Dass Rudel bis zum Spiel in Darmstadt am Freitag (18.30 Uhr, Sky) überhaupt schon etwas bewirken kann, ist sicher unwahrscheinlich. Doch die restlichen Wochen dieser Saison sollen nun intensiv zur Überprüfung genutzt werden, ob das vorhandene Personal seine Qualität steigern kann – oder ob Union im Sommer eine neue Nummer 1 benötigt.

Eine Maßnahme, die wohl auch wegen der Tabellenlage der Köpenicker möglich ist; Union, das nur dreimal zu Null spielte, liegt als Zwölfter im Niemandsland der Zweiten Liga.

Der 1. FC Union bleibt damit in dieser Saison der 1. FC Umbruch. Torsten Mattuschka, Baris Özbek, Adam Nemec und Martin Dausch gingen während der Saison, Jan Glinker, Patrick Kohlmann, Simon Terodde und Christian Stuff (inzwischen zur U23 zurückgekehrt) verließen Union schon im Sommer. Und ein Ende der Neuausrichtung ist noch nicht abzusehen.

Acht Spielerverträge laufen im Sommer aus

Denn gleich weitere acht Spielerverträge enden im Sommer. Und ob Christopher Quiring, Björn Kopplin, Mario Eggimann, Björn Jopek, Michael Parensen, Steven Skrzybski sowie die ausgeliehenen Maximilian Thiel und Sebastian Polter alle auch im nächsten Jahr noch das Union-Trikot tragen werden, darf bezweifelt werden. Gespräche habe es zwar schon gegeben, endgültige Entscheidungen gefallen sind jedoch noch nicht.

„Union hat alle Karten in der Hand, das ist ja bekannt. Ich kann nicht mehr tun, als mich anbieten“, sagte zum Beispiel Jopek, der aufgrund zahlreicher verletzter und gesperrter Teamkollegen in den vergangenen drei Partien in der Startelf stand. Auch in Darmstadt wird der Mittelfeldspieler aller Voraussicht nach wieder von Beginn an dabei sein dürfen.

Seinen Platz sicher hat am Böllenfalltor nur Mohamed Amsif. Coach Düwel hatte dem Torwart nach dem 0:0 gegen Kaiserslautern bereits eine Einsatzgarantie ausgestellt. „Wenn Dennis Rudel es schafft, dass Mo wieder zu Null hält, dann hat er schon alles richtig gemacht“, sagte Düwel mit einem Augenzwinkern. Klar ist hingegen, dass anders als in der Mannschaft die Veränderungen im Trainerteam definitiv abgeschlossen sind.