Zweite Liga

Unions Skrzybski und der Abschied vom Trainingsweltmeister

Unions Stürmer Steven Skrzybski galt lange Zeit als ein Talent, das zu versauern drohte. Doch weil Trainer Düwel ihm vertraut, ist er endlich auf dem besten Weg zu einem gestandenen Zweitliga-Profi.

Foto: Oliver Mehlis / pa/dpa

Mühe allein genügt nicht. Das müssen die Stadionsprecher landauf, landab immer wieder feststellen, wenn sie vor einem Fußballspiel die Spielernamen der beiden Mannschaften verlesen. Nicht wegen Müller, Meier oder Schulze, die Herausforderungen lauern in Namen, deren Schreibweise oft wenig mit der Aussprache zu tun hat. Da ist schon mal von „Skribisi“ zu hören, oder von „Zibksi“, wenn die Nummer 24 des 1. FC Union aufgerufen wird. Dabei ist der Name Skrzybski – sprich Skribski – durchaus einer, den man sich merken sollte.

Am Sonntag, wenn der Berliner Fußball-Zweitligist den 1. FC Kaiserslautern in der Alten Försterei empfängt (13.30 Uhr), wird man den Namen aller Voraussicht nach erneut hören, wenn die Startformationen verlesen werden. Aus Tausenden Kehlen, wenige Augenblicke, bevor Nina Hagens Union-Hymne aus den Lautsprechern dröhnt. Steven Skrzybski, Stürmer bei Union, ist auf dem besten Weg vom Trainingsweltmeister zum Unverzichtbaren.

Wer den 22-Jährigen in diesen Wochen beobachtet, wird feststellen, wie befreit er im Vergleich zu den vergangenen Jahren auftritt. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, das alles sei nur ein Traum, den Skrzybski derzeit erlebt. Zumindest lassen seine Äußerungen diesen Schluss zu. „Damit hätte ich vor der Saison nicht gerechnet“, sagt der Profi. Und lacht.

Als Achtjähriger kam er 2001 zu Union

Daran war auch nicht zu denken, als Union im vergangenen Sommer den großen Umbruch eingeläutet hat. Ein neuer Trainer bringt bekanntlich neue Spieler mit. Spieler, die in sein Konzept passen und sofort die Philosophie umsetzen können, die nun verlangt wird. Steven Skrzybski wiederum zählte zu jener Gattung Fußballer, die als ewiges Talent im eigenen Verein zu versauern drohen.

Seit Januar 2001, als der Berliner im Alter von acht Jahren von Stern Kaulsdorf zu Union ging, schnürt er die Fußballschuhe für die Köpenicker. Und es ging immer bergauf, bis in die U23, wo er mit seiner Schnelligkeit und seinen Toren einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hatte. Doch mit Anfang 20 schien eine Sackgasse erreicht zu sein. Unter Trainer Uwe Neuhaus, dem Vorgänger von Norbert Düwel, durfte er zwar seine ersten Schritte im Profifußball machen und am 13. November 2010 im Spiel beim FSV Frankfurt (1:2) als Einwechselspieler debütieren.

Wirklich angekommen im Profikader ist er jedoch nie. Steven Skrzybski, ja, der hat alle Anlagen, aber wenn es Ernst wird in den 90 Minuten, dann kann er seine Qualitäten vor dem Tor nicht abrufen, hieß es immer. Als Trainingsweltmeister war der 1,73-Meter-Mann von Neuhaus tituliert worden, weil er in den Übungseinheiten ins Tor traf, wie er wollte. Ein Titel, den er nicht mehr los zu werden schien.

Ergebnis einer kontinuierlichen Entwicklung

„Jetzt“, sagt Skrzybski, „spüre ich das Vertrauen.“ Er genießt die Art und Weise, „wie ich unterstützt werde“. Anerkennung, die nicht von ungefähr kommt. Dass das Union-Eigengewächs bereits zwölf Einsätze hat, neun davon von Beginn an, kommt nicht von ungefähr. „Das ist das Ergebnis einer kontinuierlichen Entwicklung“, sagte Trainer Düwel. Dazu brauche es aber auch Spieler, „die zuhören und bereit sind, das Gesagte aufzunehmen“, so Düwel. Skrzybski war bereit, weil er durch den Trainerwechsel einen Ausweg aus der sportlichen Sackgasse gesehen hat, in die er geraten war.

Als Beleg für den Aufschwung mag da sein Treffer am vergangenen Sonntag bei RB Leipzig (2:3) dienen. Endlich zeigte Skrzybski jene Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor auch im Spiel und nicht nur – wie so oft – auf dem Trainingsplatz. Er selbst spricht von „Abläufen, die ein Stürmer braucht und die trainiert werden müssen“. Sein Coach lobt ihn derweil, weil er sich der Herausforderung stellt „und das annimmt, was es heißt, in der Zweiten Liga zu bestehen“. Dass es auch der langwierigen Schulterverletzung von Maximilian Thiel geschuldet ist, dass Skrzybski in den vier Partien dieses Jahres in der Startelf stand, soll nicht unerwähnt bleiben.

Wenn es noch eines Beweises bedarf, um zu dokumentieren, wie wertvoll der Stürmer momentan für Union ist, dann reicht schon ein kurzer Blick zurück. Trotz einer Knöchelverletzung stand Skrzybski in den vergangenen beiden Partien in der Anfangsformation. Nicht der hochgelobte Zugang Martin Kobylanski, nicht Bajram Nebihi, ebenfalls im vergangenen Sommer von Düwel geholt.

Sein Vertrag läuft im Sommer aus

Der Trainer setzte gegen Heidenheim und in Leipzig lieber auf einen Profi, der sich fitspritzen lassen musste. Seine Schnelligkeit, seine flexible Einsetzbarkeit (Flügel oder hängende Spitze) machen ihn derzeit so kostbar. Der so Gelobte gibt hingegen die Anerkennung brav an Unions medizinische Abteilung zurück, „die wirklich einen Riesenjob gemacht hat“.

Inzwischen ist Skrzybski wieder fit und tatendurstig, seinen bislang zwei Saisontoren weitere hinzuzufügen. Am liebsten schon am Sonntag gegen Aufstiegsaspirant Kaiserslautern. Denn jeder Treffer ist auch ein Argument, warum Union seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag verlängern sollte.

In jedem Fall ist er gerade dabei, sich aus der Masse der längst in der Versenkung verschwundenen Talente abzuheben. Insofern ist Steven Skrzybski jemand, den man sich durchaus merken sollte.