Fußball-Zweitligist Union Berlin hat sich mit sofortiger Wirkung von Torwarttrainer Holger Bahra getrennt. „Aufgrund vieler Veränderungen in den letzten Monaten war die Basis für eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr gegeben“, sagte Nico Schäfer, Leiter der Lizenzspielabteilung der Eisernen, ohne näher auf die Gründe einzugehen. Bahras Vertrag wäre am Saisonende ausgelaufen.

Zuletzt hatte es mit dem Wechsel zu Mohamed Amsif bereits den dritten Keeper-Tausch in der laufenden Saison gegeben. Und der war froh gelaunt, als er am Montagmittag den Kabinentrakt im Stadion an der Alten Försterei in Richtung Mittagessen verließ. Der Torhüter des 1. FC Union hatte ja auch allen Grund dazu, schließlich war er es, dem Trainer Norbert Düwel gegen Kaiserslautern (0:0) das Vertrauen schenkte.

Darüber reden, dass der 26-Jährige nach fast exakt vier Monaten mal wieder in einem Pflichtspiel für seinen Arbeitgeber zwischen den Pfosten hatte stehen dürfen, wollte er jedoch nicht. Vielmehr ließ er wissen, dass es ihm gut tue, nicht zu reden. Noch in der Winterpause hatte er von einem stets offenen Rennen um die Nummer 1 gesprochen.

Daniel Haas wiederum, der sich gegen die Pfälzer überraschend auf der Bank wiedergefunden hatte, machte schon vor der Nullnummer deutlich, dass er danach nicht über die Situation sprechen wollte. Das kann man damit begründen, dass gemeinhin Torhüter und Linksaußen im Verdacht stehen, etwas sonderbar zu sein. So will es zumindest eine Fußballweisheit. Viel eher wird jedoch deutlich, wie tief der Stachel sitzt beim 31-Jährigen.

Amsif steht auch in Darmstadt zwischen den Pfosten

Es wäre durchaus nachvollziehbar, sollte Haas sich zum Sündenbock für die desaströsen 20 Anfangsminuten in Leipzig gestempelt sehen. Zumal andere eine viel größere Schuld an den Gegentoren trugen als ausgerechnet der Torwart, der mit seinen Paraden dazu beitrug, dass es in Sachsen kein Debakel gab. Sei es drum, Haas wird auch am Freitag in Darmstadt (18.30 Uhr, Sky) auf die Bank müssen. „Amsif hat zu Null gespielt, also gehe ich auch davon aus, dass er in Darmstadt im Tor stehen wird“, legte sich Coach Düwel bereits fest: „Weil das Vertrauen da ist.“

Das wirft Fragen auf. Wo hat Haas das Vertrauen verspielt, das er in der Winterpause noch praktisch ohne Einschränkung besessen hatte? Warum ist Amsif plötzlich der Bessere, obwohl sein Konkurrent in allen Spielen dieses Jahres zu jenen gehörte, die ihre Leistung gebracht haben? Sicher, Union hat unter Haas nur zweimal zu Null gespielt. Dass er jedoch zu oft von seinen Vorderleuten im Stich gelassen wurde, ist auch nicht von der Hand zu weisen.

Der Trainer versucht in solchen Momenten, die sich anbahnende Diskussion klein zu halten. „Das ist eine leistungsbezogene Geschichte, die normal ist. Es war eine Reaktion auf die gesamte Situation. Komischerweise ist das nur in Deutschland immer so ein Thema.“

Der Kampf um die neue Nummer 1 hat begonnen

In diesem Duktus sprach Düwel auch schon im Oktober vergangenen Jahres, als er den ersten Torwartwechsel vollzog – für vier Spiele, dann kehrte Haas zurück. Weil er eine Schippe drauf gelegt hatte. Und nun?

Union-Verteidiger Fabian Schönheim, der mit Haas bei Auswärtsreisen ein Zimmer teilt, erklärte dazu: „Beide Torhüter sind sich schon sehr ähnlich. Einige sehen in Mo den technisch etwas versierteren Spieler, andere in Daniel. Er wird sich aber sicher wieder anbieten und nicht aufgeben, weil es seiner Mentalität entspricht.“

Offensichtlich scheint jedoch, dass die Verantwortlichen weder in Haas noch in Amsif jenen Torwart sehen, mit dem man vielleicht schon in der nächsten Saison im Aufstiegsrennen ein Wörtchen mitreden kann. Anders lässt sich der dritte Torwarttausch in dieser Spielzeit – noch dazu ohne große Not – kaum deuten. Das heißt im Umkehrschluss allerdings nichts anderes, als dass Union im Sommer eine neue Nummer 1 benötigt, um den Dreijahresplan mit Düwel in die Tat umzusetzen. Der Vertrag von Haas endet 2016, der von Amsif ein Jahr später. Der Kampf um einen Platz im nächsten Jahr hat längst begonnen.