Zweite Liga

Union hofft auf die Rolle des Spielverderbers

Union kann gegen Kaiserslautern und Darmstadt ein wenig Einfluss auf das Aufstiegsrennen nehmen. Doch vor dem Zweitliga-Spiel gegen die Pfälzer steht zunächst etwas viel Wichtigeres im Vordergrund.

Foto: Uwe Anspach / pa/dpa

Wenn die für viele schönste Nebensache der Welt in den Hintergrund rückt, wird es einen triftigen Grund dafür geben. Der Fußball spielt vor dem Anstoß der Zweitliga-Partie zwischen dem 1. FC Union und dem 1. FC Kaiserslautern am Sonntag (13.30 Uhr) an der Alten Försterei jedenfalls zunächst keine Rolle.

Es geht um das Leben. Dafür haben in den vergangenen Wochen die Lymphdrüsenkrebs-Erkrankungen von Profi Benjamin Köhler, 34, und Zweitliga-Spielerin Lisa Görsdorf, 18, gesorgt. Köhlers Teamkollegen haben sich samt Trainerstab bereits als Stammzellenspender typisieren lassen. „Wir wollen damit das Bewusstsein in der Bevölkerung für diese Erkrankungen schärfen“, sagte Trainer Norbert Düwel.

Und nicht nur das: Vor dem Stadion warten am Sonntag gleich vier Stationen, in denen sich jeder Besucher registrieren lassen kann. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ist mit 60 bis 80 Helfern vor Ort, um jeden Freiwilligen in die Datei aufzunehmen. Wer sich als potenzieller Lebensretter registrieren lassen will, sollte gesund, zwischen 18 und 55 Jahre alt und „Herr seiner Sinne“ sein, erklärte Annika Schirmacher von der DKMS.

„Es gibt keinen Anlass, uns zu verstecken“

Berauschen lassen sollen sich die Fans ohnehin eher vom Spiel gegen die Pfälzer. Es ist der Auftakt einer Woche, an deren Ende der Gastauftritt in Darmstadt am Freitag steht. Union fordert den aktuellen Tabellendritten und -zweiten und kann damit für beide Kontrahenten ein wenig Spielverderber im Aufstiegsrennen werden. „Es gibt keinen Anlass, uns zu verstecken, schon gar nicht in einem Heimspiel“, sagte Düwel vor dem sicherlich stimmungsvollen Duell mit dem „gefühlten Erstligisten“.

Wenn man so will, kommt Kaiserslautern für die Köpenicker genau zum richtigen Zeitpunkt. Zum einen gilt es, die Wellenbewegung in diesem Jahr aufrechtzuerhalten und die Auswärtsniederlage in Leipzig mit einem Heimsieg wieder wettzumachen. Zum anderen sind die kommenden Gegner von jener Qualität, mit der auch Union spätestens nächste Saison aufwarten möchte.

Wer sich also für die kommende Spielzeit empfehlen möchte, der hat gleich am Sonntag gegen Kaiserslautern eine prima Gelegenheit dazu. „Ich hatte ja schon vor dem Hinspiel gesagt, dass Kaiserslautern um den Aufstieg mitspielen wird. Jetzt kommen sie in einer sehr guten Verfassung zu uns“, machte Düwel deutlich.

Alles eine Frage der Qualität

Union hingegen ist derzeit von Ausfällen geplagt. Neben Köhler, Maximilian Thiel, Sören Brandy (beide Schulterverletzung) und Oliver Oschkenat (Knie) gesellen sich nun auch noch Mario Eggimann (Fuß) und Roberto Puncec (verschobener Wirbel), dessen Einsatz zumindest fraglich ist, hinzu. „Sören stand ja schon einige Male auch nicht auf dem Platz“, ist sich Düwel sicher, dass sein Rest-Kader die Ausfälle kompensiert.

Nichtsdestotrotz wird die Partie gegen Kaiserslautern eine weitere Antwort auf die Frage geben, die die völlig verschlafene Anfangsphase bei RB Leipzig vor einer Woche aufgeworfen hat. Wie groß ist die Qualität im Union-Kader 2014/15 wirklich? Trainer Düwel hat bereits durchblicken lassen, dass man sich Gedanken über die personelle Situation macht. „Wenn Spieler immer wieder den gleichen Fehler machen, muss man sich Fragen, woran das liegt“, sagte Düwel.

Starker Gegner, personelle Probleme – „in solchen Phasen zeigt sich auch immer der Charakter jedes einzelnen Spielers“, erklärte Düwel. Selbst wenn der Fußball gerade an diesem Sonntag nicht mehr ist als die schönste Nebensache.