Die Tendenz zeigt nach oben, ganz klar. Nach Jahren der Tristesse muss sich der 1. FC Union nicht mehr völlig auf Kriegsfuß wähnen mit dem DFB-Pokal. Zweite Runde vor zwei Jahren, dritte Runde vergangene Saison. Da entsteht fast schon wieder Druck, diesen Weg nicht aus den Augen zu verlieren. Doch beim Berliner Zweitliga-Fußballklub betrachtet man diesen Wettbewerb eher nicht als Domäne, nach den Erfahrungen der zurückliegenden Dekade bricht beim Gedanken an den DFB-Pokal keine Euphorie aus.
Bei Norbert Düwel ist das ähnlich. Der neue Trainer der Köpenicker steht zwar erstmals im Pokal als Verantwortlicher an der Seitenlinie, er könnte also elektrisiert sein. Als Co-Trainer von Hannover 96 erlebte er aber auch schon ein Erstrunden-Aus gegen einen Viertligisten und eine dicke Drittrundenpleite in Dortmund. „Die Vergangenheit war nicht ganz so prickelnd. Aber neuer Verein, neues Glück. Da passen wir gut zusammen“, sagt Düwel und lacht. Vielleicht ist minus mal minus ja wirklich gleich plus.
Heidenheim ist kein Glückslos
Jedenfalls zeigt der Trainer gleich mal die grundsätzlichen Perspektiven auf: „Der Pokal ist ein lukrativer Wettbewerb, wo man auch mit relativ wenig Spielen ins internationale Geschäft kommt.“ Das dürfe man nicht vergessen. Das Ziel ergibt sich also von selbst. „Wir wollen natürlich weiterkommen“, sagt Düwel, der mit seinem Team am Montag beim 1. FC Heidenheim antritt (18.30 Uhr, Sky). Ein Glückslos ist das nicht. Die Ostwürtemberger sind gerade in die Zweite Liga aufgestiegen, dort herrscht noch eine enorme Euphorie, die sich auf den Pokal überträgt. Das sind sehr unterschiedliche Voraussetzungen, mit denen beide Kontrahenten in die Erstrunden-Partie gehen.
Auf ungestüme, lustvolle Heidenheimer stellen sich die Berliner ein. „Das wird ein ekliges Spiel“, sagt Mittelfeldakteur Björn Jopek. Die Gastgeber sehen vor allem den Heimvorteil als großes Plus an. „Wenn wir in Berlin spielen würden, wären wir wohl Außenseiter. Aber mit unseren Fans im Rücken haben wir sicher gute Chancen“, sagt Trainer Frank Schmidt. Mit drei Punkten aus zwei Ligapartien steht seine Mannschaft in der Tabelle sogar vor Union mit zwei Zählern.
Als Maßstab gelten lassen will Düwel das nicht. „Es wird eine sehr schwere Aufgabe werden. Wir müssen alles reinwerfen, was wir haben. Aber wir sind ein gestandener Zweitligist mit sehr viel Erfahrung und Qualität. Das muss sich dann auch durchsetzen“, so der Trainer, der mit dem Gedanken spielt, im Tor für diese eine Partie einen Wechsel vorzunehmen und Stammkeeper Daniel Haas durch Zugang Mohamed Amsif zu ersetzen. Für Düwel geht es in diesem Spiel noch um etwas anderes. „Der Pokal kann eine Mannschaft unheimlich nach vorn pushen“, sagt er. Für die Liga könnte der Neuling so einen Schub gut gebrauchen.

