Fußball

Union Berlin spielt 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf

Mit einem Dreier hat es für Union im zweiten Saisonspiel nicht geklappt. Publikumsliebling Torsten Mattuschka schmorte 90 Minuten auf der Bank. Sein Nachfolger als Kapitän sorgte für Erleichterung.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Gar nicht so einfach, eine Choreographie in einem Fußballstadion wirken zu lassen. Dazu begeben sich in der Alten Försterei mehr als ein halbes Dutzend Leute in schwindelerregende Höhe.

Weil es nicht ungefährlich ist, auf das Dach der Waldseite des Stadions zu klettern und dabei eine bemalte Riesenleinwand zu halten, die die Seite fast komplett abdeckt, stehen sie da mit schwerem Geschirr.

Diesmal ging es nicht darum, das Publikum zu beglücken, sondern es wurde Kritik geübt. In Bildern forderte der harte Kern der Fans den Weg zurück zu den Wurzeln. Das WM-Wohnzimmer im Stadion hatte nicht ihr Gefallen gefunden.

Beide Trainer zufrieden

Auch eine Art, den Einstieg in eine Saison zu zelebrieren. Die begann zwar bereits eine Woche zuvor, da aber spielte der Berliner Zweitligist auswärts. Daheim erfolgte der Start jetzt. Vor 20.562 Zuschauern gelang dabei gegen Fortuna Düsseldorf ein 1:1 (0:1). Einig waren sich beide Trainer in der Einschätzung dieses Resultats. „Ein gerechtes Unentschieden“, sagte Fortunen-Coach Oliver Reck. Sein Kollege Norbert Düwel sagte: „Ich kann nur zustimmen.“ Immerhin hielt also die Serie des 1. FC Union, die Köpenicker bleiben zu Hause ungeschlagen gegen die Rheinländer, sieben Jahre schon. Genügen wird ihnen das nicht, sie wollten drei Punkte.

Wie es sich anfühlt, im eigenen Stadion zu gewinnen, konnten die Berliner zuletzt kaum erleben. Aus dem März datiert der letzte Erfolg, und davor hatte es auch nicht gut geklappt. Insofern war es klug, diese Partie als einen neuen Anlauf im größeren Rahmen zu betrachten. Schließlich begann nicht nur ein neues Spiel oder eine neue Saison, sondern auch die Zeit mit Trainer Norbert Düwel, der erstmals ein Heim-Punktspiel an der Seitenlinie in verantwortlicher Position bei den Köpenickern erlebte.

Diese ging er genauso an wie die Partie zuvor in Karlsruhe (0:0), auf dem Platz standen dieselben Spieler, sie nahmen dieselben Positionen ein. Vor allem defensiv hatte sich der 46-jährige Coach ohnehin bestätigt gefühlt mit dem Resultat. Offensiv fand er dagegen einige Dinge, die ihm nicht gefallen hatten. Dennoch entschied er sich auch hier gegen Änderungen.

Direkt aufs Tor

Das Angriffspersonal schien die besprochenen Verbesserungen im Vorwärtsgang umsetzen zu wollen. Nach ein paar zaghaften Anfangsminuten suchten die Berliner wie die Düsseldorfer direkter den Weg zum Tor. Schon früh ergab sich dabei für Union eine gute Chance. Björn Jopek spielte den Ball schnell nach vorn, Sören Brandy flankte in die Mitte, und Steven Skrzybski zog freistehend ab. Doch Michael Rensing im Tor der Fortunen lenkte die Kugel noch irgendwie ins Aus (8.). Fast alles, was Düwel zuvor bemängelt hatte, passte schon viel besser. Das gab Selbstvertrauen, die Berliner bewegten sich weiter nach vorn. Sie behaupteten die Bälle gut, griffen früher an.

Fortuna suchte in dieser Phase nur gelegentlich die Initiative. Die Mannschaft von Oliver Reck agierte bedachter als zuletzt beim 2:2 gegen Braunschweig. Dazu hatte Reck umgestellt, drei Positionen verändert. Besonders die Hereinnahme von Charlison Benschop rentierte sich, denn er lenkte bei einer der gezielten Tempoverschärfungen die Flanke von Heinrich Schmidtgal leicht ab, so dass Michael Liendl unbedrängt die Führung erzielen konnte (35.). Damit konnten die Köpenicker einige Minuten lang nicht gut umgehen.

Beim 1:1 packte Union der Ehrgeiz

Überhaupt zeigte sich, dass die Düsseldorfer eine etwas reifere Spielweise beherrschen, mit klügeren Ideen erreichten sie vorerst mehr als Union. Während Christian Garnter einen strammen Schuss an den Pfosten des Berliner Tores knallte (50.), entwickelte das Team von Düwel nur allmählich den gewünschten Biss. Union blieb hartnäckig, versuchte es immer wieder über die Außenbahnen.

Erst eine Ecke und mit ihr die Ruhe, sich richtig zu positionieren, brachte jedoch Erfolg. Baris Özbek trat den Eckball, Brandy verlängerte per Kopf, Kapitän Damir Kreilach drückte den Ball anschließend über die Linie (64.). Er war sehr zufrieden, nicht nur wegen seines Treffers: „Wir haben einen Fehler gemacht, der zum 0:1 führte, haben aber die Ruhe bewahrt. Und die zweite Halbzeit war richtig, richtig gut.“

Spätestens mit dem 1:1 hatte Union die Partie vollends an sich gerissen. Über rechts und links rollten die Angriffe in hoher Frequenz. Die Fortuna fand kaum noch Gelegenheit, ihr Spiel sinnvoll aufzuziehen. Nach vorn fehlte jene Präzision, die die Gäste anfangs ausgezeichnet hatte. Dafür passten die Düsseldorfer in der Abwehr auf und vermieden es so, sich von den sehr engagierten Berlinern in die Knie zwingen zu lassen. Die konnten ihr gestelltes Ziel zwar nicht erreichen, doch auch die zweite Partie unter dem neuen Trainer bot wieder einiges, auf dem sich aufbauen lässt. „Ein Punkt ist eigentlich zu wenig“, sagte Abwehrrecke Fabian Schönheim, „aber am Ende müssen wir zufrieden sein.“ Denn fast wäre in der Drangphase Unions noch das 1:2 gefallen. Aber Sergio da Silva Pinto traf in der Nachspielzeit mit seinem Freistoß nur die Latte. Zum Glück für Union.