Heimpremiere

Nach der Ausgewogenheit muss Union noch suchen

Beim Zweitligisten aus Köpenick funktionierte gegen Karlsruhe die Defensive besser, dann gegen Düsseldorf die Offensive. Jetzt muss Trainer Düwel einen guten Mix für 90 Minuten daraus machen.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Gehört hatte er auch schon davon, doch jetzt konnte Norbert Düwel es mal selbst erleben. Volles Stadion, geballte Atmosphäre von der ersten bis zur letzten Minute. „Das macht das Besondere hier aus“, sagte der Trainer des 1. FC Union nach seiner Punktspiel-Heimpremiere im Stadion an der Alten Försterei. Ein tolles Gefühl sei das gewesen zu erleben, wie das Team bedingungslos unterstützt wird. „Für mich als Trainer ist es einfach richtig geil, hier zu sein“, erzählte Düwel und lächelte.

Ob Torsten Mattuschka das auch so sieht, darf bezweifelt werden. Der Mann, der vergangene Saison noch Top-Scorer der 2. Fußball-Bundesliga war und bei den Köpenickern an sich zum Inventar gehört, durfte nach dem Kurzeinsatz in der Vorwoche am Freitag komplett von der Bank aus zuschauen. Dass der Trainer damit falsch liegt, lässt sich nicht behaupten. Denn gegen Fortuna Düsseldorf (1:1) gab es im zweiten Spiel das zweite Unentschieden. „Das mussten wir uns hart erarbeiten, aber die Ansätze waren sehr, sehr gut“, so Düwel.

Gleich auf mehreren Ebenen wusste das Team diesmal zu gefallen. Die Berliner demonstrierten eine große Laufbereitschaft, sie investierten viel in die Partie, ließen sich von einem vermeidbaren Gegentreffer nicht aus der Bahn werfen. „Die Mannschaft hat Moral gezeigt und sich zurückgekämpft“, so der Trainer. Er konnte sich auch darüber freuen, dass sein Schachzug, den bissigeren Baris Özbek aus der Mittelfeldzentrale etwas weiter nach hinten zu ziehen und Björn Jopek vorzuschieben, gut aufging.

Besonders wichtig war Düwel aber, dass die Mannschaft die entscheidende Anforderung erfüllte: Sie strebte nach vorn. In der Woche zuvor in Karlsruhe (0:0) lagen dort noch große Mängel und die Pluspunkte auf der anderen Seite. „Wir haben zwei verschiedene Spiele abgeliefert. Eines, wo wir den Plan defensiv sehr gut umgesetzt haben. Jetzt haben wir den offensiven Plan deutlich besser umgesetzt“, erzählte Düwel. Über die Flügel entwickelte seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit einigen Druck. „Wir hatten meiner Meinung nach sehr gute Chancen. Damit kann man eigentlich gewinnen“, sagte Christopher Trimmel, der auf der rechten Seite immer wieder das Offensivspiel antrieb.

Aggressivere Grundhaltung vor eigenem Publikum

Der verschärfte Vorwärtsdrang ergab sich vornehmlich aus einer aggressiveren Grundhaltung. Union stand höher, attackierte schnell und gewann so Bälle. „Es ist schon das Schönste für einen Fußballer, wenn der Gegner kaum aus der eigenen Hälfte rauskommt“, so Trimmel. Allerdings fehlte es bei den Flanken oft an Genauigkeit, hier und da hätte etwas mehr Struktur aus dem Zentrum ebenso gut getan. So war es bei allen positiven Aspekten, bei allem erzeugten Druck am Ende doch auch glücklich, die Partie nicht verloren zu haben. Denn Fortuna hatte wohl insgesamt nicht viel zu bieten in der zweiten Hälfte, doch einmal Pfosten und einmal Latte machten den Berlinern klar, dass bei ihnen noch nicht alles stimmte.

Wenn es nach dem Trainer geht, müssen nun beide Saisonspiele in ihrer Offensiv- und Defensivleistung auf 90 Minuten komprimiert werden. Vielleicht auch 120, als nächstes steht ja der Pokalauftritt in Heidenheim bevor (18.8.). Trimmel hat keine Sorge deswegen. „Jeder sieht, dass es von Spiel zu Spiel besser wird. In ein paar Wochen werden wir die perfekte Mischung haben, und dann wird es gegen Union Berlin sehr schwer werden“, ist der Zugang aus Österreich überzeugt. Auch er war bei seiner Heimpremiere angetan vom neuen Umfeld.