Zweite Liga

Union will gegen Düsseldorf „den Rasen zum Glühen“ bringen

Abwehrspezialist Fabian Schönheim hat sich bei Union zum Führungsspieler entwickelt. Deshalb sehen die Köpenicker in ihm einen Mann für die Zukunft. Sein Vertrag wurde gerade bis 2019 verlängert.

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Ein wenig schüchtern gab sich Fabian Schönheim in den vergangenen Wochen nach außen. Reden wollte er nicht, lieber nur trainieren und vor allem spielen. Sich auf das Wesentliche beschränken, ganz bescheiden. So wirkt er oft mit seinem Gesicht, mit dem er so brav dreinschauen kann. Das manchmal fast den Eindruck erweckt, er sei ein ängstlicher Charakter. Oder zumindest einer, der sich in einem recht lauten Umfeld nicht besonders wohl fühlt.

Dieser Fabian Schönheim, 27, scheint nicht der Typ zu sein, auf den ein Fußballklub zwangsläufig seine Zukunft aufbauen möchte. Der 1. FC Union hat es dennoch getan, seinen Vertrag unmittelbar vor dem Start der Zweitliga-Saison gleich bis 2019 verlängert. „Ich habe mich gefreut, der Verein hoffentlich auch“, sagt der Verteidiger vor der Partie am Freitag gegen Fortuna Düsseldorf (20.30 Uhr, Alte Försterei/Sky). Von Letzterem darf er getrost ausgehen. „Wir sehen in ihm eine Personalie, die sehr gut zum 1. FC Union passt“, erklärt Präsident Dirk Zingler.

Seine Ruhe und Zurückhaltung sind es nicht, die sie an ihm schätzen in Köpenick. Es ist viel mehr die andere Seite des Profis, die ihn wertvoll macht. Auf dem Platz zeigt Schönheim ein anderes Gesicht, er übernimmt Verantwortung, strotzt vor Selbstvertrauen, geht voran. „Fabian ist eine feste Größe in unserer Defensive und gehört zu den absoluten Führungsspielern in der Mannschaft“, sagt der neue Trainer Norbert Düwel. Gerade fünf Wochen kennt er Schönheim, doch die haben ausgereicht, sich eine Meinung von ihm zu bilden, die von großem Respekt zeugt. Düwel trieb die Vertragsverhandlungen voran: „Er sieht, was hier möglich ist und möchte seinen Beitrag dazu leisten. Diese Art von Identifikation mit dem Verein brauchen wir, um erfolgreich zu arbeiten.“ Die lange Laufzeit des Kontraktes unterstreicht die besondere Wertschätzung. Sie ist ein Bekenntnis.

Planungssicherheit für die Familie

Das hat auch Schönheim abgeliefert. So viel Vertrauen schmeichelte ihm, daher musste er nicht lange überlegen, was er tun soll: „Ich weiß, was ich hier habe und wie ich gesehen werde. Sie wissen, was sie an mir haben, von daher gab es eine relativ schnelle Einigung.“ Gut, die Familie spielte auch eine Rolle. Bald wird er Vater, etwas Planungssicherheit kann nicht schaden in einem schnelllebigen Geschäft. Das außerdem nicht immer einfach sei. „Da muss man auch zufrieden sein, wenn man einen Verein hat, der hinter einem steht, der zufrieden mit einem ist, der so einen Plan mit einem hat“, so Schönheim. Groß Pokern oder mit anderen Klubs zu sprechen, lag deshalb gar nicht in seiner Absicht. Er ist dankbar.

Für sein Ansehen im Verein tut Schönheim viel. Er gehört zu der Sorte Spielern, die immer extrem heiß sind auf dem Platz. Kompromisslos agiert er, ist aggressiv – und nie um einen Spruch verlegen. Wenn er spürt, dass das Team es nötig hat, wird er laut auf dem Rasen, knöpft sich Gegenspieler vor, zeigt sich unheimlich entschlossen. Kritische Worte findet er auch, wenn sie angebracht sind, nach innen wie nach außen. Damit hat sich der stämmige Pfälzer, der vor zwei Jahren vom Bundesligisten Mainz nach Köpenick kam, ein gutes Standing im Team erarbeitet. Genauso bei den Fans.

Härteres Training kann nur helfen

Unter dem neuen Trainer bleibt die Rolle Schönheims im Mannschaftsgefüge also die gleiche wie unter Vorgänger Uwe Neuhaus. Anpassungen muss der Abwehrspieler dennoch vornehmen. Bisher stellte ihn das nicht vor Probleme. „Ich bin fit, wie ich es selten war“, sagt er. Die gesteigerte Intensität der Vorbereitung hatte er so noch nicht erlebt. „Aber ich bin offen für alles Neue, mir hat es gut getan, den meisten anderen auch. Das kann uns nur helfen“, erzählt Schönheim. In der Vorsaison habe gegen Ende der Spiele öfter die Kraft nicht gereicht, deshalb sei man ab und an in Schwierigkeiten geraten. Die sieht er nun ausgeräumt: „Wir haben jetzt eine gute Grundlage geschaffen.“ Das 0:0 zum Auftakt in Karlsruhe dient als Bestätigung.

Zuvorderst aus der Sicht der Defensive natürlich. „Über neunzig Minuten auswärts die Null zu halten, ist ordentlich. Ich denke, wir haben allesamt gut verteidigt“, erzählt Fabian Schönheim. Mit der neuen Grundordnung war die Herausforderung diesbezüglich umso größer. Nur noch drei statt vier Verteidiger bietet Düwel auf. „Ich spiele jetzt defensiver“, sagt Schönheim. Das Spiel mit drei Innenverteidigern gebe der Mannschaft mehr Sicherheit.

Keine Lucio-Aktionen mehr

Es verlangt aber auch ein Umdenken von Schönheim. Ihm gefiel es früher, auch mal mit brachialer Gewalt bis nach ganz vorn zu stiefeln. „Ich hatte öfter meine Lucio-Aktionen“, sagt er in Anlehnung an den früheren brasilianischen Nationalverteidiger. Das geht nicht mehr, „weil dann nur noch zwei hinten sind“. Vorn etwas zu erzwingen, muss er jetzt anderen überlassen.

Zunächst nahm Schönheim die linke Seite der Dreierkette ein, mit dem Trainer besteht aber Einigkeit, dass auch die Mitte eine Option ist. Wichtiger als solche Dinge ist aber jetzt erst einmal das erste Heimspiel der Saison. „Wir werden hoffentlich den Rasen zum Glühen bringen.“ Da spricht der Schönheim, den man vom Platz kennt, nicht der der vergangenen Wochen.