Zweite Bundesliga

Unions langer Weg der Emanzipation vom zentralen Mann

Trainer Düwel will die Mannschaft unabhängiger von Torsten Mattuschka machen. Das läuft nicht ohne Nebengeräusche ab, die fallen für den neuen Coach allerdings lauter aus, als erwartet.

Foto: City-Press / pa/City-Press Gbr

Ein Spiel ist gemacht, und beim nächsten Gegner reicht das schon aus, um mal über Grundsätzliches nachzudenken. Oliver Reck, Trainer von Fortuna Düsseldorf, erwägt, am Freitag in Berlin mit anderem System und neuem Personal zu agieren. Das 2:2 gegen Bundesliga-Absteiger Braunschweig fühlte sich nicht gut an, die Mannschaft baute in der zweiten Hälfte stark ab. Beim 1. FC Union will Reck besser aufgestellt sein (20.30 Uhr, Alte Försterei/Sky).

Auch der Berliner Fußball-Klub startete mit einem Unentschieden in die Zweitliga-Saison. Anders als Reck zeigte sich Trainer Norbert Düwel jedoch ganz zufrieden. Für ihn steht erst einmal gar nichts in Frage. Das Spiel beim Karlsruher SC (0:0) „war eine gute Basis, da kann man drauf aufbauen“. So richtig Ruhe hat er aber auch nicht vor seiner Heimpremiere als Trainer der Köpenicker. Zuweilen wirkt er etwas genervt.

Es liegt daran, dass mancher sich noch nicht daran gewöhnt hat, dass die Berliner möglicherweise gerade eine Emanzipation durchlaufen. Und zwar die von dem Mann, der in den vergangenen Jahren die zentrale Figur des Klubs verkörperte. Ohne Torsten Mattuschka lief nichts bei Union, und ohne ihn konnte man sich diesen Klub auch irgendwie nicht vorstellen. Düwel ist da anders aufgestellt, er ist frisch, unvoreingenommen und willig, etwas zu probieren.

Für den neuen Coach gibt es nichts, was unantastbar sein könnte. Das demonstrierte er schon in der Vorbereitung, als er verkündete, dass Mattuschka seine Kapitänsbinde an Damir Kreilach abgeben muss. Jetzt sagt Düwel: „Mein Job ist es, die besten Elf für Union Berlin aufzustellen.“ Zu denen gehörte Mattuschka, 33, in Karlsruhe nicht. Er war ein Spieler, „der aus einem Plan heraus erst einmal auf der Bank saß, so wie viele andere auch“. Aber nur im Fall des Offensivmanns sorgt das um den Klub herum für leichte Verwirrung.

Halbe Chance in Karlsruhe

Diese äußert sich in vielen Nachfragen zu der Personalie. Etwas überraschend trifft das den Trainer, es kommt unerwartet und wird ihm langsam etwas zu viel. „Ich finde es schon ein bisschen seltsam, dass sich hier permanent mit Spielern beschäftigt wird, die auf der Bank sitzen“, erzählt Düwel. Er betont, dass Mattuschka fit ist, dass ihm die ungewohnt intensive Vorbereitung gut getan habe, dass er sich eingebracht habe, so wie er es erwartet von einem Profi. „Er hat seinen Job gemacht.“ Genauso wie nach seiner Einwechslung in der 67. Minute in Karlsruhe.

Mit einer Halbchance war Mattuschka dort sogar offensiv einer der Auffälligsten gewesen. Für die Berliner ging sonst nicht viel im Spiel nach vorn. Damit beschäftigt sich Düwel in diesen Tagen. Dass die Düsseldorfer trotz gutem Angriffsspiel ein fragiles Gebilde darstellen, kommt ihm entgegen. „Sie sind in der Offensive extrem stark besetzt, aber nicht ohne Schwächen. Die werden wir versuchen aufzudecken“, sagt er.

Mehr Biss und Überzeugung im Angriff

Hauptsächlich arbeitet Düwel daran, die finale Phase im Spiel nach vorn mit „mehr Überzeugung und Biss“ anzugehen. Gute Ansätze habe er gesehen, nur im letzten Drittel der Angriffe sei nicht sauber zu Ende gespielt worden. Schuld waren individuelle Fehler, technische Mängel, unsaubere Abspiele – die Bälle wurden zu leicht verloren. Das soll sich ändern, er werde sich darum kümmern, „dass jeder weiß, was zu tun ist.“

Ob Mattuschka am Freitag auch etwas zu tun bekommt, dazu wollte sich Düwel nicht festlegen: „Wie der Plan ist, werde ich nicht sagen.“ Zwei Trainingseinheiten liegen noch vor dem Team bis zum ersten Heimspiel. „Da kann so viel passieren“, so Düwel. Fest steht, dass eine Emanzipation ein langer Prozess ist. Mattuschka wird also auch noch länger Thema sein, ob er spielt oder nicht.