1. FC Union

Kapitän Mattuschka nimmt den Weltmeister als Vorbild

Seit vier Wochen bereiten sich die Union-Profis auf die Saison 2014/15 vor. In dieser Zeit haben sie unter Trainer Norbert Düwel einige Neuerungen erfahren. Publikumsliebling Mattuschka sieht das positiv.

Foto: City-Press / pa

Seit 27 Tagen stehen die Fußballprofis des 1. FC Union in der Vorbereitung für die Zweitliga-Saison 2014/15, die für die Köpenicker am 2. August mit der Partie beim Karlsruher SC beginnt. Und erstmals seit sieben Jahren leitet mit Norbert Düwel ein anderer Cheftrainer die Einheiten auf dem Gelände an der Alten Försterei. Torsten Mattuschka, der Kapitän, zieht nach zwei Drittel der Vorbereitung eine Bilanz.

„Vieles ist anders. Die Einheit dauert immer zwei Stunden. Jetzt sind wir ja auch noch in der Vorbereitung, mal sehen, in welcher Größenordnung sich das dann während der Saison einpendelt“, sagt Mattuschka über das Training. Doch nicht nur die Dauer, auch bei den Inhalten gibt es Unterschiede zu Vorgänger Uwe Neuhaus.

Wenn zum Beispiel das Passpiel geübt wird, „will der Trainer immer Tempowechsel sehen. Der Kraftzirkel ist auch neu, es wird viel Wert auf Stabi-Übungen gelegt“, erklärt Mattuschka: „Das ist schon eine Umstellung, aber auch an die Umfänge gewöhnt man sich. Wichtig ist, dass wir das annehmen, und das machen wir auch ganz gut, denke ich.“

Die Gewöhnung an den neuen Trainer verläuft reibungslos

Nach sieben Jahren Neuhaus stand vor allem die Frage im Raum: Wie schnell kann sich die Mannschaft an einen neuen Coach gewöhnen? Legt man die ersten Wochen zugrunde, scheint es durchaus schnell zu gehen. „Der Trainer ist sehr offen und kommunikativ. Und er ist sehr positiv“, nennt Mattuschka wesentliche Gründe für die bislang durchaus reibungslose Eingewöhnungsphase. Aber: „Er haut auch mal dazwischen, wenn es nicht läuft. Das ist auch wichtig“, ergänzt der 33-jährige Union-Kapitän: „Dann gibt es eine Ansage, oder wir müssen eben laufen.“

Keine Probleme sieht Mattuschka auch in der Zusammenarbeit mit Sebastian Bönig, der von 2005 bis 2009 selbst das Union-Trikot trug und mit dem Mattuschka in dieser Zeit noch zusammengespielt hat. „Böhni macht das richtig gut. Für ihn ist es ja auch eine neue und keine einfache Situation, mit erst 32 Jahren Co-Trainer zu sein und älteren Spielern dann etwas zu sagen“, so Unions Nummer 17: „Am Anfang ist es sicher auch ein wenig schwierig für ihn gewesen, wenn man nicht weiß, ob ältere Spieler Anweisungen annehmen von so einem Jungspund. Aber wenn er etwas sagt, dann hören wir darauf.“

Kurzum: Mit dem neuen Trainerduo scheint ein frischer Wind Einzug gehalten zu haben an der Alten Försterei. „Es ist gut, dass neuer Schwung reinkommt und der Trainer unbefangen ist allen Menschen gegenüber, die hier arbeiten. Das ist für alle gut, und das merkt man auch. Nur: Sollte es mal nicht so laufen, ist es wichtig, dass wir uns nicht zerfleischen und sagen: Alles ist scheiße, weil alles neu ist. Gerade dann müssen wir noch enger zusammenrücken.“

Neues Spielsystem als Vorteil

Und was im ersten Testspiel gegen die TSG Neustrelitz (2:0) noch als Experiment galt, kristallisiert sich mehr und mehr als gegeben heraus: das 3-5-2-System. „Das ist für viele etwas Neues. Vorteil ist auf jeden Fall, dass wir – wenn wir es gut spielen – im Mittelfeld immer ein Mann mehr sind“, erklärt Mattuschka. Wohl wissend, dass längst noch nicht alles rund läuft: „Wir müssen uns daran natürlich noch gewöhnen und den Feinschliff holen, damit jeder weiß, wann er wohin in den verschiedenen Situation zu laufen hat. Aber wenn wir gute Spiele machen in diesem System, kommt auch das Selbstvertrauen.“

In elf Tagen startet der Punktspielbetrieb für Union. Elf Tage, in denen sich auch entscheiden muss, auf welcher Position Mattuschka selbst agieren wird. In den ersten Tests sah man den Kapitän wie gewohnt in der Mittelfeldzentrale – im Wechsel mit dem erst 19-jährigen Erol Zejnullahu, dessen großes Talent von Trainer Düwel explizit herausgehoben wurde.

Zuletzt gegen Energie Cottbus (3:3) und und den FSV Zwickau (1:0) agierte Mattuschka als hängende Spitze. Ungewohnt für den Kapitän, aber: „Ich versuche, das so auszufüllen, wie der Trainer das von mir möchte. Wichtig ist, der Mannschaft zu helfen, egal wo ich spiele. So muss aber jeder denken, nicht nur ich. Es gibt für einige neue Positionen in diesem System, aber die muss jeder einzelne annehmen und bestmöglich ausfüllen.“ Mattuschkas angestammten Platz im Mittelfeld übernahm zuletzt Baris Özbek, von Neuhaus noch aussortiert, von Düwel begnadigt – und gelobt als hervoragender Fußballer mit strategischem Denken und großem Laufpensum.

Die Zugänge passen gut ins Team

Auch die bisherigen Zugängen machen Spaß. „Sie passen richtig gut ins Team rein, sind aufgeschlossen und locker, einfach richtig gute Typen“, sagt Mattuschka ohne Umschweife. Und geht ins Detail. Innenverteidiger Toni Leistner „ist sehr robust, schnell, kopfball- und zweikampfstark. Christopher Trimmel marschiert richtig ab, die rechte Seite hoch und runter. Von ihm bin ich sehr angetan.“ Gleiches gilt für Stürmer Bajram Nebihi. „Er ist sehr schwer vom Ball zu trennen“, sagt Mattuschka. Und Torwart Mohamed Amsif „ist Ansporn für Daniel Haas. Die Jungs pushen sich gegenseitig richtig hoch.“

Der Konkurrenz ist groß, der Teamgeist stimmt, so Mattuschkas Fazit. Als Vorbild für eine erfolgreiche Saison nimmt er keinen Geringeren als den Weltmeister. „Die Nationalmannschaft hat gezeigt: Gerade die Spieler, die nicht spielen, sind enorm wichtig. Auch wenn sie nicht Weltmeister geworden wären, hat man gesehen, dass es im Team gestimmt hat. Wie die Jungs abgegangen sind bei Toren, bei jeder Chance. Wenn jeder sein Ego hinten anstellt, sind wir auf einem guten Weg.“