Zweite Liga

1. FC Union mit dem Hüftschwung einer Boyband

Die Köpenicker finden nach dem Derbysieg die Freude wieder. Vor allem Offensivmann Sören Brandy ist dafür verantwortlich. Mit nun zehn Treffer ist er so erfolgreich wie noch nie in seiner Karriere.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Torjubel kann manchmal wirklich bizarr sein. Eine verrückte Fußball-Truppe aus Island schaffte es vor ein paar Jahren mit ihren irren Kreationen sogar bis ins „Aktuelle Sportstudio“. Die jüngste Choreographie des 1. FC Union hätte durchaus auch Potenzial in dieser Richtung. An der Eckfahne bewegten sich einige Profis um Torschütze Sören Brandy mit reichlich Hüftkreisen und elegant schwingenden Armen.

Ihren Ursprung hatte die kleine Aufführung am Vormittag des Spieltages, angestoßen von Kapitän Torsten Mattuschka. „Wir haben etwas Backstreet Boys in der Kabine gehört und ein bisschen dazu getanzt. Das hat man beim Torjubel gesehen“, erklärte Brandy nach dem 2:0 gegen Energie Cottbus. Mentale Auflockerung war das Ziel der Kabineneinlage gewesen. Brandy sagte: „Wir wollten einfach zeigen, dass wir trotz der verkorksten Ergebnisse in den vergangenen Wochen eine ganz geile Boyband sind.“

Der erste Sieg nach zuvor fünf Spielen ohne Erfolg gibt dem Zweitligisten dieses Gefühl vorerst zurück. Dazu hatte Trainer Uwe Neuhaus seinen Teil beigetragen mit fünf Änderungen in der Startelf, er setzte auf schnelle Spieler in der Offensive. „Das war die perfekte Lösung“, so Neuhaus. Ebenso brachte die Intensität den Berlinern große Vorteile. „Wir haben einen sehr hohen Aufwand betrieben und sind vier Kilometer mehr gelaufen als Cottbus“, sagt Brandy. Das illustrierte den ausgeprägten Willen, die Negativserie zu beenden.

Am deutlichsten war dieser sicher bei Brandy zu beobachten. Sonst meist auf der rechten Seite beheimatet, hatte Neuhaus ihn ganz nach vorn beordert. Er wurde schließlich zum Mann des Abends, erzielte beide Treffer und hat nun zehn Saisontore auf dem Konto. Beim zweiten Treffer war Brandy vorher an der Strafraumgrenze umgerissen worden, sprang aber blitzschnell wieder auf und lief zum Fünfmeterraum. „Ich weiß nicht, ob jeder so reagiert hätte“, sagt Neuhaus. Für Brandy ist es typisch.

Handlungsschnell und eklig für die Gegner

Immer mehr entwickelt sich der 28-Jährige zum dominanten Spieler bei den Köpenickern neben Torsten Mattuschka. Vier Treffer gelangen ihm in den vergangenen vier Partien. Als eklig für den Gegner bezeichnet der Trainer ihn wegen seiner unorthodoxen Spielweise. „Ich bin relativ handlungsschnell und mache ein paar unangenehme Wege, mit denen man nicht unbedingt rechnet“, sagt Brandy selbst. Das macht den Ostwestfalen so gefährlich.

Vielleicht spielt er in seiner ersten Saison für Union sogar das beste seiner fünf Zweitligajahre, da ist er sich nicht sicher. So treffsicher allerdings war er noch nie. „Ich fühle mich einfach wohl hier, außerdem steigern die Tore das Selbstvertrauen“, erzählt er und würde seinen Lauf in den letzten sechs Spielen gern noch verlängern. Sonntag steht in Aue gleich das nächste Ostderby an. „Da fahren wir hin, um auf Sieg zu spielen“, so Brandy. Zunächst gab es am Dienstag allerdings das Fantreffen bei Union. Zum ersten Mal mit einer Boyband.