Zweite Liga

Sören Brandy entscheidet Ostderby für den 1. FC Union

Der 1. FC Union gewinnt in der Alten Försterei das Derby gegen Cottbus und klettert auf Rang sechs der zweiten Liga. Energie-Kapitän Uwe Wöhrle sieht nach einem Foulspiel die Gelb-Rote Karte.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Mit den Derbys ist es immer so eine Sache. Ähnlich wie mit dem Pokal. Die Grundgesetze des Fußballs werden dort gern außer Kraft gesetzt, der Unterschied zwischen den Kleinen und den Großen, zwischen Favoriten und Außenseitern verschwimmt dort einstweilen.

Jörg Böhme hat einige Derbys hinter sich, er spielte unter anderem für Schalke 04, 1860 München und den 1.FC Nürnberg. Da wird deutlich, dass er sich nicht häufig in der Position des Favoriten befand. Doch Böhme sagt noch heute voller Stolz, dass er als Spieler nie ein Derby verloren hat.

Mittlerweile ist Jörg Böhme Trainer einer Profimannschaft, das aber erst seit Kurzem. In dieser Funktion erlebte der 40-Jährige am Montag sein erstes Derby. Es war das Berlin-Brandenburg-Duell in der Zweiten Liga zwischen dem 1. FC Union und dem von Böhme betreuten FC Energie Cottbus. Und nun ja, als Trainer hat Böhme weniger Glück, Union gewann von 20.766 Zuschauern 2:0 (1:0) und schob sich auf Platz sechs vor. Cottbus bleibt mit vier Punkten Rückstand auf Rang 16 Letzter der Tabelle. „Union hat verdient gewonnen“, gab Böhme aber ehrlich zu.

Kapitän Mattuschka wieder im Team

Die Voraussetzungen, mit denen beide Mannschaften in die Partie starteten, unterschieden sich. Zwar hatten beide Kontrahenten zuletzt verloren. Doch insgesamt kam Union aus einer Serie mit fünf Partien ohne Erfolg, Cottbus hingegen gewann in dieser Periode drei Mal und schöpfte im Kampf gegen den Abstieg neue Hoffnung. Böhme war es, der sie dem Tabellenletzten zurückgab, seit er vor fünf Spielen sein Debüt als Trainer einer Profimannschaft erlebte.

Kurz zuvor noch hatte Böhme in Berlin hospitiert, beim alten Hasen Uwe Neuhaus, dem dienstältesten aller Zweitligatrainer. Bei Neuhaus war zuletzt jedoch Ernüchterung eingekehrt. Die ausbleibenden Siege ließen ihn Abstand nehmen vom Aufstiegstraum. Personell groß etwas ausprobieren, das sagte er vor der Partie, wolle er allerdings nicht. Mit einigem Erstaunen lasen daher viele nun die Startaufstellung gegen Cottbus. Dass Kapitän Torsten Mattuschka nach seiner Bankpause in Sandhausen (1:2) auflaufen würde, durfte erwartet werden. Letztlich setzte Neuhaus aber gleich fünf andere Spieler ein.

„Nach so einer langen Phase des Misserfolgs muss man etwas verändern“, sagte er. In der Innenverteidigung kam Roberto Puncec für Mario Eggimann, links und rechts hinten spielten Michael Parensen statt Patrick Kohlmann sowie Björn Kopplin statt Marc Pfertzel. Im Angriff durfte Steven Skrzybski statt Adam Nemec ran. „Aber die Spieler, die jetzt draußen sind, sollen keine Sündenböcke sein“, erzählte Neuhaus.

Union fehlen Killerinstinkt und Entschlossenheit vor dem Tor

Nemec etwa war angeschlagen. Er stand wie Pfertzel und Benjamin Köhler nicht einmal im Kader. Auch im System justierte der Trainer nach, da er Baris Özbek draußen ließ, spielte Damir Kreilach allein als Sechser. Vorn versuchte Neuhaus es allerdings erneut mit zwei Angreifern. Christopher Quiring war zwar keiner der beiden, doch ähnlich wie in Sandhausen, wo er kurz nach Spielbeginn traf, startete er auch diesmal sehr wach ins Spiel. Nach einer Hereingabe von Kopplin stand er allein vor dem Tor, verzog aber knapp (2.). Die Szene war ein gutes Beispiel für das, was Neuhaus zuletzt gern beklagte. Killerinstinkt und Entschlossenheit vor dem Tor fehlen Union zu oft.

Dennoch blieben die Berliner das Team, das die Richtung vorgab. Cottbus verlegte sich auf eine passive Herangehensweise und überließ Union den Platz. Spielerisch nutzen konnten die Köpenicker das zunächst nicht, ihre Anläufe waren oft fehlerbehaftet. Doch Union biss sich fest, steigerte die Gefahr. Als nach einem Freistoß von Mattuschka Verwirrung im Cottbuser Strafraum herrschte, zog Sören Brandy aus acht Metern mit links ab und traf zum 1:0 (28.). „Das ist schon ein kleiner Traum, der sich da erfüllt hat“, sagte er nach der Partie. Alexander Bittroff wollte zuvor klären, traf dabei aber Parensen, von dem der Ball zu Brandy prallte.

Für Cottbus wird die Lage immer prekärer

Von der Euphorie, die zuletzt bei den Lausitzern aufgekommen war, konnten sie in der Partie bei Union nicht viel zeigen. Nach dem Rückstand bemühten sich die Gäste, etwas mehr nach vorn zu spielen, doch viele Angriffe kamen kaum über die Mittellinie. Union hingegen erarbeitete sich weiter Chancen, ein Kopfball von Puncec nach einer Ecke von Martin Dausch partierte Energie-Torhüter Rene Renno allerdings gut (40.).

Große Akzente setzten die Berliner dann vorerst auch nicht mehr, es ging vor allem in Zweikämpfen robust zur Sache. Als Union aber das Tempo ein wenig erhöhte, ergaben sich sofort Chancen, Brandy (68.) und Quiring (72.) verpassten es jedoch, das zweite Tor zu erzielen. Die Gelegenheit dazu wurde noch größer, als Cottbus-Kapitän Uwe Möhrle nach einem Foul an Skrzybski mit Geld-Rot vom Platz musste (76.).

Brandy nutzte sie nach schöner Kombination über Skrzybski (82.) für seinen zweiten Treffer. „Wir haben eine Bringeschuld gegenüber den Zuschauern. Die haben wir heute erfüllt. Wir haben von Beginn an keinen Zweifel daran gelassen, dass wir gewinnen wollen“, befand Union-Trainer Uwe Neuhaus. Bei den Berlinern kann man nun also wieder etwas fröhlicher sein. Für Cottbus wird die Lage immer prekärer.