Die Sonne scheint Torsten Mattuschka ins Gesicht. „Schön warm heute“, sagt der Kapitän des 1. FC Union. Schon seit Tagen fühlt es sich draußen nicht mehr nach Winter an. Das Auslaufen nach dem Sieg gegen den FSV Frankfurt war für die Profis des Berliner Fußball-Zweitligisten demnach eine willkommene Einheit. „Wenn man die ersten drei Halbzeiten des Jahres nimmt, waren wir ja noch ein bisschen im Winterschlaf“, bilanzierte Mattuschka den Start ins Punktspieljahr.
Spätestens mit dem 2:0 gegen die Hessen ist jedoch klar: Union ist erwacht und bereit für das Rennen um die Aufstiegsplätze. Gerade rechtzeitig, wenn man auf die direkte Konkurrenz blickt. Der SC Paderborn musste sich trotz 2:0-Führung mit einem 2:2 bei 1860 München begnügen und ist nun wegen der schlechteren Tordifferenz hinter den punktgleichen Unionern Fünfter. Auch der Karlsruher SC kommt als neuer Dritter nach dem 2:1 gegen Sandhausen auf 36 Punkte. Und der 1. FC Kaiserslautern kann am Sonntag im Heimspiel gegen den VfR Aalen noch nachlegen.
Der Erfolg gegen Frankfurt, der lang ersehnte erste Sieg in diesem Jahr, könnte zum Weckruf werden für das letzte Saisondrittel. Mittelfeldspieler Sören Brandy sah sogar „unsere beste Saisonleitung“. Das mag ein wenig zu hoch gesteckt sein, dokumentiert jedoch die Gefühlslage bei den Köpenickern.
Drei Säulen für den ersten Sieg des Jahres
Ein Sieg, der von drei Säulen getragen wurde. Zum einen, weil Trainer Uwe Neuhaus der exakt gleichen Elf vertraute, die er eine Woche zuvor in Düsseldorf aufs Feld geschickt hatte. Für Düsseldorf war die Mannschaft noch auf sechs Positionen verändert worden. Eine Halbzeit hatte es da gedauert, bis die Abstimmung gefunden war.
„In der Nachbetrachtung war das Spiel in Düsseldorf nicht so schlecht“, erklärte Neuhaus, warum er diesmal auf personelle Veränderungen verzichtet hatte. „Das druckvolle Pressing war schon vorhanden, wir hatten nur zu viele Ballverluste. Mit minimalen Verbesserungen war ich mir sicher, dass die Mannschaft gegen Frankfurt ein besseres Spiel machen kann“, so der Coach.
Was auch daran lag, dass Union mit den FSV Frankfurt den richtigen Gegner zur richtigen Zeit hatte – Grund Nummer zwei für den ersten Sieg in 2014. Während Dynamo Dresden im ersten Punktspiel des Jahres ob seiner fußballerischen Limits wenigstens noch mit Mann und Maus gekämpft hatte, blieb der FSV sogar dies schuldig. „Ich glaube, Frankfurt wollte eigentlich noch tiefer stehen. Wir haben den Gegner aber gut angelaufen, hatten viel Ballbesitz“, sagte Mattuschka.
Freiräume genutzt, Selbstvertrauen getankt
Frankfurt ließ Union gewähren. Und die Köpenicker nutzten die Freiräume, um sich von Minute zu Minute mehr Selbstvertrauen zu holen. „Wir bleiben auf dem Teppich und wissen, dass wir eine gute Leistung gebracht haben. Aber das war noch nicht perfekt“, mahnte Trainer Neuhaus zwar. Angesichts einer Torschussquote von 29:9 zu Gunsten der Berliner durchaus nachvollziehbar. Sein Kapitän ließ jedoch wissen: „Das einzige Manko gegen Frankfurt war, dass wir zu wenig Tore gemacht haben. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.“
Grund Nummer drei, warum am Freitagabend endlich gefeiert werden konnte: Torsten Mattuschka. Als der Kapitän gebraucht wurde, war er wieder einmal zur Stelle, wie beim Elfmeter, den er nervenstark verwandelte. Es war bereits sein vierter erfolgreicher Schuss vom ominösen Punkt und sein neuntes Saisontor – macht Rang zwei in der Ligawertung hinter dem Lauterer Simon Zoller.
Und den entscheidenden Treffer durch Fabian Schönheim legte er mit der Hacke mustergültig auf. Mattuschkas achter Assist, der ihn in der Scorerwertung neben Mohamadou Idrissou (Kaiserslautern) an die Spitze brachte.
„Der beste Union-Kader, in dem ich je gespielt habe“
Doch statt sich im Glanz zu sonnen, zollte der 33-Jährige lieber seinen Mitspielern Anerkennung. „Ich habe ja schon vor der Saison gesagt, dass dies der beste Union-Kader ist, in dem ich je gespielt habe.“ Zugleich verdeutlichte er ganz im Duktus eines Spielführers, welch große Chance sich Union in dieser Spielzeit bietet. „Es sind noch zehn Wochen und noch zwölf Spiele, in denen können wir wirklich sehr, sehr viel erreichen. Jeder sollte sich das bewusst machen“, sagte Mattuschka.
Bereits am nächsten Spieltag kann mit dem FC St. Pauli ein weiterer Mitkonkurrent auf Distanz gehalten werden. „Wenn wir weiter so spielen wie gegen Frankfurt, können wir gegen jede Mannschaft bestehen. Und darauf habe ich Bock“, erklärte Mattuschka. Die Sonne schien ihm dabei wärmend ins Gesicht.




