Zweite Liga

Union verpflichtet österreichischen Nationalspieler Trimmel

Union holt Christopher Trimmel von Rapid Wien. Der Verteidiger kommt im Sommer und soll den Zweitligisten näher an den Traum vom Bundesliga-Aufstieg bringen. Eine Verpflichtung, die Sinn macht.

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Am Tag nach dem 1:1 von Düsseldorf ging man sich beim 1. FC Union aus dem Weg. Nicht unbedingt, weil der Frust wegen des Wartens auf den ersten Sieg in diesem Jahr gewachsen ist, wenngleich sich die Freude über den Punktgewinn ohne Zweifel in Grenzen hält. Trainer Uwe Neuhaus verordnete individuelles Auslaufen am Sonnabend, gefolgt von einem freien Sonntag. Keine Frage, den Start nach der Winterpause hatte man sich beim Berliner Fußball-Zweitligisten anders vorgestellt. Mindestens vier statt der geholten zwei Zähler hätten es schon sein dürfen.

Und dass die unmittelbare Konkurrenz im Rennen um Relegationsplatz drei ebenfalls weiterhin patzt, so wie am Sonnabendnachmittag der FC St. Pauli (0:1 gegen Bochum), kann da nur ein schwacher Trost sein. „Wir müssen weiter an uns glauben, dann bin ich mir sicher, dass gegen Frankfurt der erste Sieg gelingt“, versuchte Mittelfeldspieler Martin Dausch, vor allem aus der Leistung in der zweiten Halbzeit Mut zu schöpfen für die nächste Partie am Freitag gegen die Hessen. 13 Spiele hat der Union-Jahrgang 2013/14 noch Zeit, sich seinen großen Traum vom Bundesliga-Aufstieg zu erfüllen.

Dausch selbst war Opfer einer auf sechs Positionen veränderten Startelf. Eine Rochade, die Neuhaus wie folgt begründete: „Wenn wir wirklich oben dran bleiben wollen, dann haben wir keine Zeit mehr zu verlieren. Dann kann ich nicht warten, bis drei Spieler in Form kommen und irgendwann in zwei, drei Wochen so weit sind. Das ist zu lange. Dann ist der Zug abgefahren. Wenn man keine Leistung bringt, ist vielleicht ein anderer da. Das kann auch jeden treffen.“ Gut möglich also, dass die Union-Elf gegen den FSV Frankfurt wieder ganz anders aussehen wird.

Trimmel erhält einen Vertrag bis Juni 2017

Dass die Mannschaft in der kommenden Spielzeit – egal in welcher Liga – ein verändertes Gesicht bekommt, wird derweil immer deutlicher. Die langjährigen Unioner Jan Glinker und Christian Stuff werden Union verlassen, und seit Sonnabend steht auch der erste Zugang für 2014/15 fest. Christopher Trimmel wechselt im Sommer von Rapid Wien aus der österreichischen Bundesliga an die Alte Försterei. Der 26-jährige Rechtsverteidiger unterschrieb einen Vertrag bis Juni 2017 beim Köpenicker Klub, gültig für Bundesliga und Zweite Liga.

„Christopher Trimmel ist ein robuster Spieler, der Defensivstärke und Angriffslust in sich vereint. Er hat diese Qualität über längere Zeit bewiesen und kann uns einen weiteren Schritt nach vorne bringen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm und bin überzeugt davon, dass er mit seiner Erfahrung eine wichtige Verstärkung für unsere Mannschaft sein wird“, kommentierte Trainer Neuhaus die Verpflichtung.

Der 1,89-Meter-Mann ist zumindest in Österreich kein unbeschriebenes Blatt. Im Alter von 22 Jahren debütierte er für Rapid, knapp fünf Jahre später stehen für ihn 186 Erstligaspiele (22 Tore), 23 Partien in der Europa League sowie drei Einsätze in der Nationalmannschaft des Nachbarlandes zu Buche. Das kann sich durchaus sehen lassen. „Ich hatte nach eineinhalb Jahren konstant guter Leistungen zum ersten Mal in meiner Karriere Angebote aus dem Ausland“, erklärte Trimmel: „Es war eine schwere Entscheidung nach den vielen sehr schönen Jahren bei Rapid, aber ich will diese Chance einfach nutzen.“

Kein Wechsel „einfach nur ins Ausland“

Für den Defensivmann sei es nicht so eine Entscheidung „einfach nur ins Ausland. Ich glaube, der Wechsel zu Union ist genau das Richtige für mich. Dort wird mit Bedacht und Sorgfalt etwas aufgebaut. Diese Entscheidung fühlt sich wirklich gut an“, sagte der Österreicher, der ablösefrei nach Köpenick wechselt.

Durch diesen Transfer wird deutlich, dass Union immer stärker in Richtung Bundesliga blicken will. Und die Verpflichtung macht Sinn, wenn man sich die Situation auf der rechten Abwehrseite anschaut. Dort ist bislang Marc Pfertzel gesetzt - und zwar ohne wirkliche Konkurrenz. Der Franzose stand in allen 21 Saisonspielen von Beginn an auf dem Platz, lediglich zweimal wurde er ausgewechselt, allerdings erst in der Schlussphase. Sein Konkurrent, zumindest auf dem Papier, brachte es nur auf einen Einsatz über 90 Minuten. Und den musste Björn Kopplin auch noch auf der linken Seite absolvieren.

Ein Vorbeikommen an Pfertzel ist jedoch außer Reichweite, solange dieser seine Leistung insgesamt weiterhin so konstant bringt. Pfertzel überzeugt mit Laufstärke, stellt sich als unermüdlicher Kämpfer in den Dienst der Mannschaft. Doch Pfertzel wird im Mai auch 33 Jahre alt. Und sein Vertrag läuft im Sommer aus. Angesichts eines möglichen Weggangs des Franzosen am Saisonende ist die Verpflichtung des knapp sechs Jahre jüngeren Trimmel durchaus nachvollziehbar.