Es wurde geredet. Viel geredet. Darüber, warum es zum Punktspielstart gegen Dynmo Dresden nur zu einer mauen Nullnummer gereicht hat. Dabei kam immer wieder ein Grund zum Vorschein: Es fehlte an der geistigen Frische. „Von der Bereitschaft her waren wir sicherlich zu hundert Prozent auf dem Platz. Aber wir hatten nicht den klaren Kopf, um das Spiel zielstrebiger nach vorn zu bringen“, versuchte sich Trainer Uwe Neuhaus an einer Erklärung dafür, warum seine Mannschaft wie schon im Sommer nach einer sehr guten Vorbereitung nur mühsam aus den Startlöchern gekommen ist.
Trotz hohem Ballbesitz (62 Prozent) fehlte es an Kreativität. „Unser Spiel ist auf Ballkontrolle ausgelegt. Wir wollen das Spiel machen. Und wenn das mal nicht klappt und man nicht durchkommt, sieht alles langweilig aus“, sagte Benjamin Köhler. Die Folge sind Fehlpässe im Mittelfeld, „das war schon beängstigend“, so der Trainer.
Nein, mit dem Spiel eines Aufstiegsaspiranten hatte der Auftritt gegen Dresden wenig zu tun. „Wenn man schwer reinkommt und man denkt, man könnte eigentlich viel besser spielen, dann wird man unruhig und nervös“, erklärte Neuhaus. Die Folge ist, dass die Mannschaft im Spiel nicht wirklich die richtigen Entscheidungen trifft. „Lange Bälle auf Nemec waren eine ganze Zeit lang fast unser einziges Mittel. Das war mir dann zu einfach“, machte Neuhaus deutlich. Zumal sich der Gegner irgendwann auch auf dieses Spiel eingestellt hatte.
Auch die Konkurrenz aus Karlsruhe und St. Pauli patzt
Es fehlte jemand, der die anderen hätte mitreißen können. Der einzige, der es versuchte, war Fabian Schönheim. Unions Innenverteidiger lieferte sich teils packende Duelle mit Dynamo-Stürmer Mickael Pote, geriet sogar einmal mit ihm verbal aneinander. Um im Anschluss seine Teamkollegen aus voller Brust anzubrüllen.
„So viel von einem Derby hatte das Spiel ja nicht, vor allem auf dem Platz. Von daher wollte ich ein bisschen Feuer reinbringen, damit wir ein wenig aufmerksamer werden“, sagte Schönheim: „Ich hatte das Gefühl, dass manche ein Hallo-Wach-Ding brauchen. Beim Fußball ist es ja manchmal nur ein Moment, in dem dann ein Ruck durch die Mannschaft geht.“ Dieser Ruck war über die gesamten 90 Minuten weder zu spüren noch zu sehen. Wenn dann der Gegner auch noch in der Lage ist, die sogenannten 50:50-Situationen für sich zu entscheiden, etwa weil man jenen berühmten Tick schneller am Ball ist, wird es für die Heimelf um so schwerer.
Nun ist es nicht so, dass Union sich durch das Remis aussichtslos aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet hat. Doch mit Blick auf die Patzer der unmittelbaren Konkurrenz aus Karlsruhe (1:1 gegen Ingolstadt) und St. Pauli (2:2 in Bielefeld) wird deutlich, was Union hat liegen lassen gegen die Sachsen. „Man darf auch nicht vergessen: Zehn, elf Mannschaften kommen zu uns und stellen sich nur hinten rein“, sagte Köhler. Dem ist mit behäbigem Spiel natürlich nicht beizukommen.
Die nächste Möglichkeit, in die Erfolgsspur zu finden, bietet sich schon am Freitag in Düsseldorf. Und da die Fortuna selbst vor heimischem Publikum etwas anbieten muss, dürfte Union den Platz für das eigene Spiel bekommen, der gegen Dresden noch gefehlt hat.





