15 Spiele noch. 1350 Zweitliga-Minuten, spätestens dann steht fest, wohin die Reise für den 1. FC Union in der kommenden Saison gehen wird. Aufstieg oder nicht Aufstieg, das ist die Frage für den Berliner Fußball-Zweitligisten. „Viel wird vom Start abhängen“, sagte Dirk Zingler, Unions Präsident. Wie kaum ein anderer bei den Köpenickern steht der Klubchef für den Traum, mit Union in der Bundesliga zu spielen. Ein Sieg am Sonnabend gegen Dynamo Dresden (13 Uhr, Alte Försterei) wäre ein erster Schritt zur Erfüllung dieses Traums.

„Je näher man dran ist, desto größer wird der Wunsch aufzusteigen.“ Als Zingler diese Worte wählte, stand er auf jenem Felsen, der die britische Enklave Gibraltar so charakteristisch macht. Sein Blick ging nach Süden in Richtung Afrika. „Je weiter man blickt, desto mehr erkennt man, wie klein man selbst ist und was noch zu tun ist“, sinnierte Zingler. Union habe sich herangearbeitet an die Bundesliga, „und heranzukommen ist für uns schon ein riesiger Erfolg“.

Zingler ist auch jener Mann bei Union, der wie kaum ein anderer für die Realität steht. Und damit immer wieder skizziert, wie weit Union von der Bundesliga doch noch entfernt ist. „Wir haben in allen Bereichen noch Luft nach oben und müssen uns noch mehr hinterfragen“, forderte der 49-Jährige. Dinge wie die verspätete Ankunft des Mannschaftsbusses vor dem Spitzenspiel in Köln (0:4) dürfe es nicht mehr geben. Ganz zu schweigen von der Festsetzung klubinterner Regeln dafür, wie künftig mit den Fans umgegangen werden soll, damit sich solche Auswüchse wie in Stockholm nicht wiederholen.

Keine Aufstiegsprämie für die Profis

Union will im Konzert der Großen mitspielen, ohne ein Großer zu sein. Dieses Selbstverständnis, dass man in die Bundesliga gehöre, wie es zum Beispiel in Köln oder auch Kaiserslautern dokumentiert wird, findet man bei den Köpenickern nicht. „Es ist schon toll, zu den besten 25 Mannschaften Deutschlands zu zählen“, sagte Zingler also. Soll der Sprung in den absoluten Elitekreis gelingen, „werden wir immer an unsere Leistungsgrenze gehen müssen. Wenn wir das einmal nicht tun, werden wir es nicht schaffen“, sagte Zingler mit Blick auf den Rest der Spielzeit.

Bei allem Hang zur Bodenständigkeit und dem „Wir müssen nicht aufsteigen“-Duktus ist es doch bezeichnend, wenn sich der erste Mann im Union-Staat doch dazu hinreißen lässt, ein wenig Druck auf das sportliche Personal auszuüben: „Wir können uns vieles vornehmen. Aber wenn die Jungs ihre Leistung nicht bringen, haben wir keine Chance.“

Eine Aufstiegsprämie soll es für die Profis dennoch nicht geben. „Ich glaube nicht, dass wir jemanden im Verein mit Geld motivieren müssen“, sagte Zingler. Und: „Einer dieser 18 Vereine zu werden, ist ein brutaler Wettbewerb, der nicht mit Geld, sondern mit Leistung entschieden wird.“ Wir groß wäre die Enttäuschung, wenn es im Sommer trotz ausgezeichneter Ausgangslage doch nicht zum Aufstieg reichen würde? „Ich wäre enttäuscht, wenn wir Dinge nicht genutzt haben, die wir hätten nutzen können“, erklärte Zingler.

„Ich bin der Erste an der Rezeption“

Es werden spannende Wochen werden, für Union im Allgemeinen, für Dirk Zingler im Speziellen. „Es wäre für uns immer etwas Besonderes, in der Bundesliga zu spielen. Man muss sich nur die Entwicklung im europäischen Fußball anschauen. Wenn es schon vor fünf Jahren etwas Besonderes war, dann ist es das jetzt erst recht“, sagte der Mann, der ein Jahr in der ersten Liga stets als Urlaub bezeichnete, quasi von der eigenen Identität.

Allerdings macht man ja gern auch mal ein wenig länger Urlaub. „Wenn wir nachbuchen können“, so Zingler, „dann werde ich der Erste an der Rezeption sein. All inklusive.“ Die Mannschaft ist aufgefordert, dafür zu sorgen, dass überhaupt gebucht werden kann. Am besten schon im Sommer.