Wer den Spielern des 1. FC Union kurz vor dem Weihnachtsfest zugehört hat, der vernahm durchaus eine gewisse Genugtuung. „Gut, dass wir den Bock noch vor Weihnachten umstoßen konnten“, sagte Patrick Kohlmann und freute sich über die „31 Punkte, die wir erreicht haben“. Verteidiger-Kollege Mario Eggimann sieht den Berliner Fußball-Zweitligisten „im Fahrplan, nachdem wir eine kleine Durststrecke im November hatten“. Und Uwe Neuhaus, der Trainer, sprach von einer „zufriedenstellenden Hinserie“.

Wie bitte? Das beste Rückrunden-Team (zwei Siege, 8:2 Tore) ist trotz zwischendurch fünf Spielen ohne Sieg punktgleich mit dem Tabellendritten und damit dem Relegationsplatz zur Bundesliga – und dann war es nur ein zufriedenstellendes Halbjahr? „Ich kann jetzt dran rumbasteln und noch ein ‚sehr‘ davor setzen“, sagte Neuhaus: „Ich glaube, dass wir alle immer noch unter dem Eindruck stehen, dass wir so viele Spiele hintereinander nicht gewonnen haben. Wenn uns das noch mal passiert, würden wir wieder abrutschen. Das werden wir versuchen zu verhindern.“

Es liegt in der Natur des Übungsleiters, dass er zu jenem Zeitpunkt, an dem man sich auch mal zurücklehnen könnte, um wenigstens für einen Moment durchzuschnaufen, den Analytiker gibt. „Ich werde mir in Ruhe Gedanken machen in der Winterpause. Ich weiß aber nicht, ob ich zu einem Ergebnis komme; ob schon kleinere Anzeichen für die Negativserie zu erkennen waren, die man hätte verhindern können.“

Kapitän Torsten Mattuschka in Bestform

Dennoch haben sich die Köpenicker eindrucksvoll im Rennen um Platz drei zurückgemeldet. Und sie können mit Mut der nächsten Pflichtspielaufgabe am 8. Februar 2014 gegen Dynamo Dresden entgegenblicken. „Wenn wir eine Analyse betreiben, heißt es ja nicht, dass alles nur negativ ist. Es haben sich einige Dinge als Stärken herauskristallisiert. Die werden wir auch mit in die Rückrunde nehmen“, erklärte Neuhaus. Ballbesitz und Laufvermögen fallen einem ein, und ein Torsten Mattuschka, der mit 15 Scorerpunkten (acht Tore, sieben Assists) nur dem Lauterer Mohamadou Idrissou (16) den Vortritt lassen muss.

Nie ist Union als Zweitligist besser in ein neues Jahr gegangen als jetzt. Im schlechtesten Fall, falls Kaiserslautern heute noch in Ingolstadt gewinnt, ist Union Fünfter. 31 Punkte, garniert mit 31:26 Toren, hat es auch noch nie gegeben. Und dass sich Union in Lauerstellung wohl fühlt, ist hinlänglich bekannt.

„Wir hoffen, dass es so lange wie möglich um etwas geht“, sagte Kohlmann. Eher heimlich, still und leise glaubt Union weiter an die Aufstiegschance. Aber man glaubt daran an der Alten Försterei, und das ist die erste Voraussetzung, um das kleine Wunder zu schaffen.

Neue Spieler nach der Winterpause nicht ausgeschlossen

Dass es den Köpenickern tatsächlich ernst ist, zeigt sich in jedem Gespräch, wenn auch oft nur in Halbsätzen. Vor Wochen machte Klubchef Dirk Zingler deutlich, ein vernünftiges Risiko eingehen zu wollen, um – wie er es einst nannte – den Urlaub in der Bundesliga antreten zu können.

Selbst Trainer Neuhaus rückte inzwischen von seiner Maxime ab, dass man im Sommer nicht gut gearbeitet hätte, wenn man in der Winterpause auf dem Spielermarkt noch einmal aktiv werden müsste. Auf die Frage, ob Union auch ohne mögliche Abgänge im Winter noch einmal nachlegen werde, grinste Neuhaus nur mit dem Adenauerschen Hinweis: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern.“ Denn nicht nur Neuhaus weiß: „Jede Mannschaft, die Auszeiten wie in der Hinrunde vermeiden kann, wird gute Chancen haben, um einen Aufstiegsplatz mitzureden.“ Union will unbedingt dazugehören.

Das Weihnachtssingen, das die Alte Försterei heute Abend (19 Uhr) erleben wird, sollte in jedem Fall so stimmungsvoll sein wie nie zuvor, auch wegen der 27.000 Besucher, die erwartet werden. Und es wird nicht wenige geben, die in Anlehnung an eines der schönsten Weihnachtslieder singen werden: O du fröhliche Aufstiegszeit.