Die Rechnung, die Uwe Neuhaus vor dem letzten Spiel des Jahres aufgemacht hat, ist denkbar einfach. „31 Punkte wären eine gute Marke“, sagte der Trainer des 1. FC Union. Wohl wissend, dass damit ein Sieg am Sonnabendnachmittag gegen Arminia Bielefeld (13 Uhr, Alte Försterei) Pflicht ist, erst recht nach dem Befreiungsschlag von Bochum (4:0) vor einer Woche. Berlins Fußball-Zweitligist wirkt wenige Tage vor Weihnachten gefestigter denn je.
Dies trifft aber auch auf den heutigen Kontrahenten zu. Und dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: Stefan Krämer. Im Profigeschäft ein noch unbeschriebenes Blatt, ist der 46-Jährige zur Identifikationsfigur für den Aufschwung beim einstigen Erstligisten geworden.
Krämer wirkt authentisch, nicht nur wegen seiner Lockenpracht. Er hat den noch vor zwei Jahren komplett am Boden liegenden Arminen zu neuem Selbstvertrauen verholfen. Weil er als Fußballverrückter gilt, der praktisch 24 Stunden am Tag für seinen Sport lebt. Es ist wohl die Mischung aus harter Hund und Kumpeltyp, der bei der Mannschaft ankommt.
„Union wird versuchen, uns zu überlaufen“
Wenn Unions Coach Neuhaus also von einer „richtig guten Saison, die Bielefeld als Aufsteiger spielt“, spricht, dann ist dies nicht zuletzt ein Lob für Krämers Arbeit. Der wiederum weiß, was seine Mannschaft in den 90 Minuten an der Alten Försterei zu erwarten hat. „Nach dem Sieg in Bochum wird Union versuchen, uns zu überlaufen. Dieser offensiven Wucht müssen wir standhalten“, sagte Krämer.
Er selbst hat den ersten richtigen Tiefpunkt seit seinem Amtsantritt im Herbst 2011 schon überstanden. Obwohl die Arminia gleich sieben Mal in Folge in der Liga verlor, blieb es ruhig im Umfeld. Von Seiten der Fans, die sich dank Perücken gern auch mal als Wuschelköpfe a la Krämer präsentieren, wurde sogar eine Petition gestartet.
Damit wollten sie helfen, dass Krämer Trainer von Arminia Bielefeld bleibt. Eine Begründung war schlichtweg: „Weil er Arminia lebt!“ Einen solchen Zusammenhalt in schwierigen Phasen kennt man in den vergangenen Jahren höchstens aus Köpenick.
Arminia versteckt sich auch auswärts nicht
Dieser neue Zusammenhalt bei den Bielefeldern macht die Aufgabe für Union so pikant. Zumal sich die Ostwestfalen in fremden Stadien ganz und gar nicht wie ein Neuling präsentieren und sich einigeln. „Sie versuchen auch auswärts immer, ihr Spiel zu spielen“, erklärte Neuhaus.
Oder wie es Mittelfeldspieler Benjamin Köhler erklärte: „Die kämpfen, fighten und geben keinen Meter Platz.“ Das haben die Unioner schon beim mageren 1:1 im Hinspiel leidvoll erfahren dürfen.
Es passt ins Bild, dass auch Krämer zum Rückrundenstart vor einer Woche eine Rechnung aufgemacht hat. „Zum Klassenerhalt fehlen uns noch mindestens 24 Punkte“, sagte der Coach. Da hatte Bielefeld die Hinrunde gerade mit 18 Zählern beendet – und eine Woche darauf mit Fürth einen Aufstiegskandidaten 4:1 deklassiert.





