Am Ende lagen sich am Sonnabendnachmittag alle in den Armen. Spieler und Trainerteam herzten sich gegenseitig, bevor sie sich auf eine stimmungsvolle Ehrenrunde im Stadion An der Alten Försterei begaben. Später sagte Uwe Neuhaus, der Trainer des 1. FC Union, sichtlich entspannt: „Ich gehe gleich in die Kabine und erteile meinen Spielern die Absolution.“

So weit ist es beim Berliner Fußball-Zweitligisten sicherlich noch nicht, doch die gesamte Mannschaft durfte sich nach dem 4:2 (3:1) zum Jahresabschluss gegen Arminia Bielefeld und 31 Zählern, punktgleich mit dem Tabellendritten, auf verfrühte Weihnachtsferien freuen: Sie bekamen schon ab Sonntag frei.

Es wurden Geschenke verteilt in den letzten 90 Spielminuten 2013. Zunächst an die Gäste, bereits nach 26 Sekunden. Unions Verteidiger Mario Eggimann ließ Fabian Klos in seinem Rücken entkommen, 0:1. „Da waren wir wenigstens gleich wach“, sagte der Schweizer hinterher mit einem Augenzwinkern.

Dann sagte Union zweimal artig Danke, weil zunächst Eggimann per Kopfballtreffer seinen Fehler wieder ausbügeln durfte (18.) und Patrick Kohlmann sich nach der schönsten Kombination des Spiels über Torsten Mattuschka und Adam Nemec ebenfalls in die Torjägerliste eintragen konnte (26.) – für beide war es der jeweils erste Treffer der Spielzeit.

Zwei Tore, die „so, wie sie herausgespielt wurden, nicht zu verteidigen waren“, analysierte Arminia-Coach Stefan Krämer. Als Nemec vor der Pause per Kopf auf 3:1 erhöhte (42.), schien das eiserne Weihnachtsfest perfekt.

Vergessen waren die ersten 15 Minuten, in denen Union froh sein musste, nicht noch höher zurückzuliegen. „Da sind wir zu fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen“, sagte Krämer. Die Bielefelder Philipp Riese (5., 7.) und Marc Lorenz (9.) dürfen sich angesprochen fühlen.

Mattuschkas achtes Saisontor

Doch es gab noch mehr Geschenke. Und mittendrin: Patrick Kohlmann. Erst wurde er von Manuel Hornig im Strafraum umgestoßen – den Strafstoß verwandelte Mattuschka mit seinem achten Saisontreffer (48.). Zwei Minuten später war Kohlmann gegen Klos der Verursacher, Arminias Tim Jerat verwandelte vom Elfmeter-Punkt. „Da habe ich noch mal alles mitgenommen, was geht“, sagte er.

Wer unter den 20.314 Zuschauern nun gedacht hatte, Union könne beruhigt in die Winterpause gehen, dürfte trotz Glühweingenusses ein wenig ernüchtert gewesen sein. Denn es waren die Aufsteiger aus Bielefeld, die sich noch einmal aufbäumten. „Das zeichnet meine Mannschaft aus, dass sie niemals aufgibt“, sagte Krämer.

Er selbst gab das Zeichen zur Aufholjagd an der Seitenlinie vor, indem er nahezu jeden Spielzug seiner Mannschaft im Geiste mitspielte und die Coachingzone so zu seinem ganz eigenen Spielfeld machte. Doch das letzte Geschenk der Berliner, ein Missverständnis von Köhler und Union-Keeper Daniel Haas, vermochte Klos nicht anzunehmen (70.). Später gestand Neuhaus: „Ich hatte selbst in der Schlussphase nie dieses relaxte, ruhige Gefühl, dass nichts mehr passieren könnte.“

Junggesellenabschied für Köhler

Über Präsente der ganz besonderen Art durfte sich Benjamin Köhler freuen. Der Mittelfeldspieler stand nach dem Spiel bei den Fans ganz hoch im Kurs, weil er sich – gekleidet in rotem Kleidchen und Ringelstrümpfen – mit zahlreichen Torten bewerfen ließ. Ein Junggesellenabschied der besonderen Art, Köhler wird am Freitag nach Weihnachten seine Freundin Marina heiraten.

Initiiert wurde die Aktion von Mattuschka und Karim Benyamina. Köhler ist mit Unions Rekordtorschützen seit Kindheitstagen befreundet, beide wohnten im Märkischen Viertel Tür an Tür und haben auf den dortigen Bolzplätzen Fußball gespielt. Köhler ließ die Prozedur geduldig über sich ergehen. Er hat ja bis zum Trainingsauftakt am 9. Januar 2014 auch genug Zeit, um wieder Kraft zu tanken.