Zweite Liga

Union spielt sich beim 4:0 in Bochum den Frust von der Seele

Die Unioner beenden mit dem höchsten Auswärtserfolg ihrer Zweitliga-Geschichte die Negativserie und sind nun sogar punktgleich mit dem Tabellendritten Kaiserslautern – dank Doppeltorschütze Quiring.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Den Applaus der mitgereisten rund 800 Fans hatte er sich redlich verdient. Auch von seinen Mannschaftskollegen nahm Christopher Quiring Glückwünsche entgegen, als er den Rasen des Bochumer Stadions verließ. An der Seitenlinie klatschte er mit Pascal Wedemann ab; der U23-Stürmer des 1. FC Union ersetzte Quiring, der zu guter Letzt natürlich auch von seinem Trainer Uwe Neuhaus geherzt wurde.

All das passierte nach bereits 67 Minuten. Dass der Coach des Berliner Fußball-Zweitligisten seinen bis dahin besten Mann vom Feld nehmen konnte, hatte einen einfachen Grund: Union hatte den Sieg längst unter Dach und Fach gebracht. Mit 4:0 (2:0) gewannen die Köpenicker beim VfL Bochum.

Es war ein Paukenschlag, der die Negativserie von sechs Pflichtspielen ohne einen Sieg beendete. Ein 4:0 hatte es zuletzt am 11. Februar 2012 gegen Dynamo Dresden gegeben. Zugleich war es Unions höchster Auswärtssieg in der Zweitliga-Historie. „Wir wussten, dass wir es können und dass es irgendwann wieder funktionieren wird. Dass das Ergebnis aber so deutlich ausfällt, damit konnte natürlich niemand rechnen“, sagte Neuhaus, der heute – was seine Dienstzeit betrifft – mit Unions Trainerlegende Heinz Werner gleichzieht und seit 2372 Tagen im Amt ist.

Unions neue Flügelzange funktioniert

Neuhaus löste die Frage, wer neben Damir Kreilach im defensiven Mittelfeld spielen sollte, indem er Benjamin Köhler aus dem linken Mittelfeld zurückbeorderte. Björn Kopplin lief links in der Abwehr auf, Martin Dausch (links) und eben Quiring flankierten Torsten Mattuschka im Mittelfeld.

Umstellungen, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Weil mit dem erfahrenen und robusten Köhler der richtige Mann die ohnehin wenig durchschlagskräftigen Angriffe der Gastgeber zu stoppen wusste. Und weil die neue Flügelzange ihre Chance, die sich durch die Gelb-Sperren der Teamkollegen ergeben hatte, nutzte.

Allen voran Quiring. Sein Führungstreffer nach 13 Minuten – überlegt abgeschlossen, nachdem er von Simon Terodde und Dausch wunderbar freigespielt worden war. Sein 2:0 nach 36 Minuten fällt in die Kategorie rotzfrech. Bochums Paul Freier hatte den Ball gegen Dausch verloren, der erneut Quiring in Szene setzte. Von links strebte der Flügelflitzer in den VfL-Strafraum. Doch anstatt – wie offenbar von der Bochumer Defensive erwartet – zu flanken, schlenzte er das Spielgerät einfach an Torwart Andreas Luthe vorbei ins lange Eck.

Bochum präsentiert sich als dankbarer Gegner

Union schien sich den Frust der vergangenen Wochen komplett von der Seele spielen zu wollen, und fand im zweitschwächsten Heimteam der Liga einen dankbaren Gegner. Oder wie es Keeper Luthe formulierte: „Begleitschutz funktioniert eben nicht gegen eine Spitzenmannschaft.“

Der Union-Coach lobte vor allem seinen Doppeltorschützen. „Christopher Quiring hat seine Leistungssteigerung in den vergangenen Wochen bereits im Training angedeutet. Mit seinen zwei Toren hat er der Mannschaft geholfen, die Ruhe zu finden. Die Treffer zum 3:0 und 4:0 haben dann den letzten Schuss Sicherheit gebracht“, sagte Neuhaus.

Bochums Hoffnung, die Partie nach der Pause noch einmal drehen zu können, hielt genau 75 Sekunden. Dann hechtete Terodde in eine Flanke von Kopplin und erhöhte auf 3:0 (47.). Der Freistoßtreffer von Köhler fünf Minuten später ließ Neuhaus an der Seitenlinie sogar freudestrahlend applaudieren. Offenbar hatten alle mit einem Schuss von Freistoßspezialist Mattuschka gerechnet, der sich vor der Ausführung lediglich zu Köhler gesellt hatte.

Erste Einsätze für Nachwuchsspieler Wedemann und Hollwitz

„Alle haben 120 Prozent gegeben“, sagte Dausch sichtlich erleichtert: „Nach dem 1:0 ist der Bock umgefallen.“ In der Schlussphase hätte Union den Sieg sogar noch höher schrauben können, doch der eingewechselte Nemec scheiterte mit einem Kopfball aus sechs Metern ebenso an Luthe (86.) wie Dausch und Wedemann nur eine Minute später.

Neben Pascal Wedemann bekam noch ein weiterer Nachwuchsmann, von denen Neuhaus wegen der Personalmisere gleich fünf mit nach Bochum genommen hatte, eine Chance, sich im Profigeschäft zu zeigen. David Hollwitz kam so zu seinen ersten Zweitliga-Minuten. Der Kapitän der U23 wurde in der 84. Minute für Mattuschka eingewechselt.