Personalsorgen

Ohne sechs – Union gehen zum Rückrundenstart die Spieler aus

Als ob die Negativserie Union nicht schon genug zu schaffen machen würde, müssen die Berliner in Bochum nun auch noch ein halbes Dutzend Profis ersetzen. Auch eine erneute Systemänderung ist möglich.

Foto: Andreas Gebert / dpa

Natürlich war auch am Sonntag, einen Tag nach dem 1:2 bei 1860 München, der Schiedsrichter ein Thema beim 1. FC Union. Bei Sören Brandy zum Beispiel, der seine Gelbe Karte als „absoluten Witz“ bezeichnete und die Blessur am linken Knöchel zeigte, die er in jenem Zweikampf mit Grzegorz Wojtkowiak erlitten hatte – und den Guido Winkmann (Kerken) als Schwalbe interpretierte.

„Schiedsrichter sind auch nur Menschen, ich weiß nicht, ob er das nicht gesehen hat“, sagte Brandy: „Aber das ist natürlich ärgerlich für mich, dass ich dadurch nächste Woche fehle. Ich glaube, der Schiedsrichter hatte einige unglückliche Entscheidungen, wird die aber nicht mit Absicht getroffen haben.“

Ihm dies zu unterstellen, wäre ohne Zweifel ebenso falsch wie der Versuch, die Niederlage allein am Unparteiischen festzumachen. Denn nirgendwo steht geschrieben, dass es verboten ist, eine Standardsituation wie jenen Eckball, der die Pleite von München besiegelte, auch in Unterzahl angemessen zu verteidigen. Unstrittig ist aber auch: Winkmanns Entscheidungen haben massive Auswirkungen auf Unions Rückrundenstart am Sonnabend beim VfL Bochum (13.30 Uhr, Sky).

Vier Spieler sind gesperrt, zwei verletzt

Brandy, Patrick Kohlmann (beide wegen der fünften Gelben Karte) und Michael Parensen (Gelb-Rot) sind für Bochum ebenso gesperrt wie Baris Özbek. Der Mittelfeldspieler wird in Folge des Platzverweises von Kaiserslautern (0:3) gegen den VfL sein drittes und letztes Spiel zuschauen müssen.

Und als ob das noch nicht genug wäre, sind auch noch die Innenverteidiger Fabian Schönheim (Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel) und Christian Stuff (Außenbandverletzung im linken Sprunggelenk) verletzt. Mutmacher für ein Ende der Negativserie von drei Niederlagen in Folge (fünf Spiele ohne Sieg) sehen anders aus.

„Dafür haben wir einen breiten Kader, was wir immer hoch gepriesen haben“, erklärte Brandy: „Jetzt sind die Spieler dran, die in den vergangenen Wochen und Monaten in der zweiten Reihe standen.“ Für das Mittelfeld steht Martin Dausch bereit, in der Innenverteidigung agierte schon in München Roberto Puncec neben Mario Eggimann.

Problemzonen linke Seite und defensives Mittelfeld

Gesucht werden Lösungen für die linke Seite und das defensive Mittelfeld. „In Frankfurt habe ich mal als linker Verteidiger ausgeholfen“, meinte Mittelfeldmann Benjamin Köhler, aber meine Lieblingsposition ist es nicht.“ So könnte Björn Kopplin eine Chance auf links bekommen und seinen bisher fünf Saisonminuten weitere hinzuzufügen.

Nur: Wer spielt neben Damir Kreilach auf der Sechser-Position, wo doch mit Özbek und Parensen gleich zwei Nebenleute ausfallen? Durchaus möglich, dass sich Trainer Uwe Neuhaus erneut für eine Systemänderung entscheidet und vom 4-2-3-1 auf ein 4-1-4-1 umstellt.

Christopher Quiring könnte dann als zusätzliche Offensivkraft ins Mittelfeld rücken. Dem Flügelflitzer hatte der Coach schon in den vergangenen Tagen immer wieder gute Trainingsleistungen bescheinigt und ihn mit Kurzeinsätzen gegen Aalen (1:3) und im Pokal gegen Kaiserslautern (0:3) belohnt.

„Wichtig ist, nicht die Köpfe hängen zu lassen“

Doch egal, wen Neuhaus in Bochum am Sonnabend aufs Feld schicken wird – die Mannschaft ist aufgefordert, jenen leichten Aufwärtstrend fortzusetzen, der in München zu sehen war, um nicht in der Grauzone des Zweitliga-Mittelfelds zu verschwinden. „Wenn man in unsere Kabine geht, denke ich schon, dass wir eine funktionierende Truppe sind“, sagte Brandy.

Und Benjamin Köhler fügte hinzu: „Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass wir so lange keine Punkte holen. Aber wir dürfen nicht nach Schiedsrichterfehlern suchen, sondern müssen unsere Arbeit machen. Wichtig ist, nicht die Köpfe hängen zu lassen. Das ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn man nicht mehr an sich glaubt.“