Der Tagesablauf wird am Dienstag der gleiche sein wie so oft in dieser Spielzeit. Um 10 Uhr gibt es das obligatorische Anschwitzen, im Anschluss bezieht die Mannschaft des 1. FC Union ein Tageshotel, um sich auf die Begegnung am Abend vorzubereiten.

Und doch wird vieles nicht so sein wie immer. Dafür ist die Partie in der Alten Försterei, das Achtelfinale im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern (19 Uhr), zu bedeutend für den Berliner Fußball-Zweitligisten. Es ist das wichtigste Spiel der Saison, ja des gesamten Jahres 2013. Es ist das Millionenspiel in der Alten Försterei. Die Morgenpost nennt die Gründe dafür.

Vor der Saison wurden die Köpenicker Kicker von der Konkurrenz als Geheimfavorit für den Aufstieg in die Bundesliga gehandelt. Aufgrund der Entwicklung in den vergangenen Jahren und erfahrenen Zugängen wie Benjamin Köhler oder Sören Brandy eine durchaus nachvollziehbare Einschätzung. Und Union tat alles, um diese Einschätzung zu bestätigen. Nach sieben Spieltagen Spitzenreiter in Liga zwei, dazu die stärkste Offensive.

Kein Sieg im schwarzen November

Dann kam jedoch der November und mit ihm die Herbst-Depression. Vier Liga-Spiele, nur ein Punkt, dazu 1:10 Tore – das Bild, das Union zuvor abgeben hatte, hat stark gelitten, zuletzt durch das 1:3 gegen den VfR Aalen ebenso wie bei der Niederlage beim heutigen Gegner Kaiserslautern.

Gerade dieses 0:3 in der Pfalz hat erneut gezeigt, dass Union auch in dieser Saison (noch) nicht in der Lage ist, gegen die Spitzenteams der Liga zu gewinnen. Mit Blick auf die Top 3 gab es für Union zudem ein 2:4 gegen Fürth und das 0:4-Debakel in Köln.

Ein Erfolg im Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Kaiserslautern würde beweisen, dass die Unioner doch gegen einen Favoriten gewinnen können. Uwe Neuhaus, Unions Trainer, hat jedenfalls keine Mühe, den Gegner in die entsprechende Rolle zu drängen. „Wir sind Außenseiter. Wenn man die Tendenzen und Formkurven sieht, muss man das so sagen.“ Außenseiter trotz eines Heimspiels? „Ich glaube, dass Kaiserslautern mit breiter Brust auflaufen wird. Und sie haben vom Kader her eine Erstligamannschaft.“

Ein Weiterkommen würde das Selbstvertrauen stärken

Die Moral würde bei einem Sieg gegen einen gefühlten Erstligisten natürlich enorm gestärkt werden. Zwar ließ Torsten Mattuschka, der Kapitän, wissen: „Ich glaube trotzdem, dass wir das nötige Selbstbewusstsein haben, weil wir auch schon 25 Punkte in der Liga geholt haben.“ Der Auftritt zuletzt gegen Aalen sprach jedoch eine andere Sprache.

Trainer Neuhaus, der wohl wieder auf den in der Liga Rot-gesperrten Baris Özbek im defensiven Mittelfeld zurückgreifen wird, baute jedenfalls schon einmal vor: „Ich glaube nicht, dass die Ruhe in unserem Spiel sofort da sein wird. Kaiserslautern ist ja auch eine Auswärtsmannschaft, die den Gegner recht früh unter Druck setzt. Vielleicht werden wir diese Ruhe nicht bekommen, vielleicht schaffen wir es aber auch, uns durchzuspielen.“ Mit neuem Selbstbewusstsein und einem Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern kann auch der Angriff auf die Aufstiegsplätze fortgeführt werden, der im ersten Saisonviertel so prächtig verlaufen war.

Kronzeuge dafür, was ein Sieg im Pokal bewirken kann, ist Union selbst. In der Saison 2000/01 verspielten die Köpenicker die Tabellenführung in der drittklassigen Regionalliga mit nur einem Punkt aus den Spielen gegen Uerdingen (1:1), Lüneburg (1:2) und Lübeck (0:1), das Ziel Aufstieg geriet massiv in Gefahr.Doch der Erfolg im Pokal-Viertelfinale gegen Bochum (1:0) brachte Union wieder zurück in die Spur, an deren Ende das Pokalfinale gegen Schalke (0:2) stand und der Zweitliga-Aufstieg.

Es geht um rund eine Million Euro

Natürlich ist ein Weiterkommen auch mit einer Stange Geld verbunden, erst recht, wenn es in die Runde der letzten Acht geht. Die Viertelfinalisten können sich über rund eine Million Euro an Prämien vom Deutschen Fußball-Bund freuen.

Und war es nicht Klubchef Dirk Zingler selbst, der bei der Verkündung des für diese Saison geplanten Gewinns von 500.000 Euro frotzelte: „Lieber Herr Neuhaus, wenn wir in die nächste Runde kommen, könnten wir diesen Betrag noch erhöhen.“

Wobei nicht vergessen werden sollte, dass Union als Achtelfinalist ohnehin schon rund 700.000 Euro mehr eingenommen hat, als durch Pokaleinnahmen eingeplant werden durften. Überwintert Union im Pokal, sind genug finanzielle Mittel vorhanden, damit Trainer Neuhaus seinen Kader für den Bundesliga-Traum noch im Winter aufrüsten kann.