Die Fans wollten ihn. „Torsten Mattuschka, du bist der beste Mann“, hallte es von den Rängen im Stadion an der Alten Försterei. Also legte sich der Kapitän des 1. FC Union den Ball 22 Meter vor dem Tor des VfR Aalen zurecht. „Du kannst was keiner kann“, sangen die Fans weiter. Dann ein kurzer Anlauf des 33-Jährigen – „hau ihn rein für den Verein“, skandierten die Zuschauer. Und Mattuschka tat, wie ihm geheißen. Rechts an der schlecht platzierten Mauer vorbei flog der Ball, schlug am verdutzten VfR-Torwart Jasmin Fejzic vorbei im Tor ein (62.). Mattuschka, wer sonst, beendete die bis dahin 360 Minuten andauernde torlose Zeit des Berliner Fußball-Zweitligisten. Eine erneute Niederlage verhindern konnte er jedoch nicht. Union verlor 1:3 (0:0) gegen Aalen und ist seit nun vier Spielen ohne Sieg.
Wucht hatte Trainer Uwe Neuhaus von den Seinen verlangt. Und noch vor dem Anpfiff hatte er die Präzision im eigenen Spiel als ein entscheidendes Kriterium genannt, das am Freitagabend vor 17.236 Zuschauern zum Erfolg führen sollte. Soviel die Theorie. Die Praxis fasste Mittelfeldspieler Martin Dausch in einem Satz zusammen: „Aalen hat den Ball und uns gut laufen lassen.“ Gerade für den Mittelfeldspieler war die Niederlage doppelt bitter. „Ich habe lange darauf gebrannt, endlich mal wieder von Anfang an spielen zu können. Doch das war ein gebrauchter Tag“, so Dausch, der gegen seine ehemaligen Teamkollegen zwar engagiert wirkte, jedoch ohne die entscheidenden Ideen auf den neu verlegten Rasen bringen zu können. „Er hat aber ebenso wie die gesamte Mannschaft die Ruhe nicht gefunden“, sagte Coach Neuhaus.
Um endlich wieder ein Erfolgserlebnis einfahren zu können und das Spitzentrio der Liga weiter unter Druck zu setzen, hatte Neuhaus sogar das System geändert. Mit einem 4-4-2 mit Mittelfeldraute sollte das Fehlen von Baris Özbek (Rot-Sperre) im defensiven Mittelfeld aufgefangen werden. Doch die Doppelspitze Adam Nemec/Simon Terodde blieb stumpf. Nemec hatte zwei gute Kopfball-Chancen (18., 82.), Terodde eine (38.). Chancen, die man nutzen muss, um aus einem Tief herauszukommen.
Unwürdiges Ende der Partie
Wie es geht, zeigte Aalen. Deren Trainer Stefan Ruthenbeck sprach hinterher von „Kleinigkeiten“, die seine Mannschaft besser nutzen konnte. Und von einem „verdienten, wenn auch glücklichen Sieg“. Glücklich, weil die VfR-Führung durch Enrico Valentini nur zustande kam, weil Innenverteidiger Fabian Schönheim den Ball unhaltbar für Torwart Daniel Haas abfälschte (59.). Verdient, weil zehn Minuten nach Mattuschkas Ausgleich Valentini einen Schritt eher an die Hereingabe von Marcel Reichwein kam und aus Nahdistanz vollendete (72.). Michael Klauß sorgte in der dritten Nachspielminute für den Endstand. „Aus dem Willen heraus, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, hat die Mannschaft zu viele Fehler gemacht“, analysierte Neuhaus, der in der Schlussviertelstunde den langen Innenverteidiger Christian Stuff für Terodde brachte und in den Angriff beorderte, in der Hoffnung, dass vielleicht doch eine Flanke verwertet werden würde.
Wie groß der Frust der Zuschauer über die Pleite gewesen ist, offenbarte sich in den letzten Minuten. Als nach einem Zusammenprall mit Stuff der Aalener Benjamin Hübner im VfR-Strafraum liegen blieb und Schiedsrichter Christian Leicher (Landshut) einen Union-Angriff unterbrach, flogen Gegenstände aus dem Union-Fanblock aufs Spielfeld. Wenig später mussten gar Ordnungskräfte aufgebrachte Zuschauer auf der Haupttribüne beruhigen. Schließlich gerieten auf dem Spielfeld auch noch Unions Roberto Puncec und Aalens Torschütze Klauß aneinander. Es war das unwürdige Ende einer Partie, die die Unioner so schnell wie möglich vergessen müssen.





