Vertrag

Unions bester Mann bleibt - Mattuschka verlängert bis 2015

Seit 2005 ist Torsten Mattuschka beim 1. FC Union. Hier wurde er nach Anlaufschwierigkeiten zum beliebtesten und schließlich auch zum besten Spieler. Und er soll es auch bleiben.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Einmal hat Torsten Mattuschka schon Union-Präsident Dirk Zingler zu Tränen gerührt. Das war vor zweieinhalb Jahren, als der Kapitän sein Team im Derby gegen Hertha vor mehr als 74.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion mit einem direkten Freistoß zum 2:1-Sieg schoss. Ein Treffer, der auch ohne die Freudentränen des Präsidenten das Zeug zum Jahrhunderttor für die Eisernen hat.

Jetzt bekommt Mattuschka die Gelegenheit, für noch mehr Gänsehautmomente zu sorgen. Auf der Mitgliederversammlung am Dienstag soll die Verlängerung seines bis 2014 laufenden Vertrags verkündet werden.

Das neue Arbeitspapier des dienstältesten Union-Spielers soll dann bis 2015 gelten und eine Option bis 2016 enthalten. Damit hält Union einen Profi, der wie kaum ein anderer den Wandel des Klubs im letzten Jahrzehnt verkörpert und so etwas wie ein Aushängeschild für den Verein ist. Seit 2005 steht er in den Diensten der Köpenicker, hat den beschwerlichen Weg von der damals noch viertklassigen Oberliga bis in die Spitze der Zweiten Liga beschritten.

„Ich habe einiges erreicht mit dem Verein“, sagte Mattuschka mit Blick auf die bisherige Zeit bei Union. „Das Stadion und das Umfeld haben sich stark verbessert. Ich habe mir einen Status aufgebaut, den man woanders vielleicht nicht mehr so bekommt.“

Über Rot-Weiß Merzdorf und SV Dissenchen zu Union

Das Wörtchen Kult ist überstrapaziert bei Berichten über die Eisernen. Aber auf die Stellung von Torsten Mattuschka trifft diese Beschreibung mit jedem Buchstaben zu. Tusche, wie sie ihn liebevoll in Köpenick rufen, ist Kult. Er ist einer von ihnen, auch wenn er aus Cottbus und nicht aus Berlin stammt. Wie so mancher Anhänger auf der Tribüne, ist er nicht den geraden Weg gegangen, sondern machte so manchen Umweg in seiner Karriere. Vom Nachwuchs des FC Energie über Rot-Weiß Merzdorf und den SV Dissenchen.

Wie viele Anhänger, über deren Bäuche sich die für Profifußballer geschneiderten Trikots spannen, kämpfte er mit Übergewicht. Von fast 100 Kilo musste er auf 80 Kilogramm abspecken, um bei Eduard Geyer in Cottbus eine Chance im Profifußball zu bekommen.

Ein Land, das die Fans nicht nur in Köpenick kennen

Jetzt ist er dort angekommen, ohne sich zu verbiegen. Kaum ein Spieler in der Zweiten Liga oder ein Fan, der nicht das Torsten-Mattuschka-Lied kennt und fürchtet, wenn es angestimmt wird. Nach dem Disko-Hit „Can’t take my eyes off you“ schallt es durch die Stadien, wenn der Union-Kapitän zu einem seiner gefürchteten Standards antritt: „Torsten Mattuschka, Du bist der beste Mann. Torsten Mattuschka, Du kannst, was keiner kann. Torsten Mattuschka, hau’ ihn rein für den Verein.“ Selbst TV-Kommentatoren singen bei Übertragungen zuweilen mit.

Kult allein reicht nicht. Das weiß auch der 33-Jährige, der in der ewigen Union-Historie mit bis jetzt 277 Einsätzen für die Köpenicker an vierter Stelle steht. Zwischendurch musste er auch bei den Eisernen die eine oder andere Durststrecke überstehen. Aus heutiger Sicht kurios, dass ihn Trainer Christian Schreier 2006/07 nicht für regionalligatauglich hielt und ihn in der Saison nur einmal über volle 90 Minuten brachte.

Berühmt für den unnachahmlichen „Tuschekreisel“

Auch Uwe Neuhaus setzte ihn manchmal auf die Bank, machte ihn erst 2010 zum Kapitän. „Tusche braucht öfter einen Tritt in den Hintern“, nannte das der ehemalige Union-Manager Christian Beeck. Heute ist es der Kapitän selbst, der sein Team antreibt, wenn es mal nicht so läuft.

Doch es sind nicht nur die Freistoßtore oder der unnachahmliche „Tuschekreisel“, bei dem sich Mattuschka mit Ball um die eigene Achse dreht, wenn er einen anspielbaren Teamkollegen sucht. Es ist die harte, aber herzliche Brandenburger Mundart, die in Berlin besonders gut ankommt. Keine glatten Profifußballerstatements, bei denen viel geredet, aber wenig gesagt wird. Wenn er von Krämpfen geplagt ausgewechselt wird, nennt er sich einen „alten Zausel“ und den kopfballstarken Verteidiger Christian Stuff im Scherz einen „langen Zyklopen“. Auch vor derben Späßen macht der Kapitän nicht halt. Vor drei Jahren zog er beim offiziellen Mannschaftsfoto unten herum blank.

Ein Abschiedsspiel soll erst 2016 stattfinden

All dies zusammen führt zu diesem Kultstatus, den nur wenige Spieler in ihrer aktiven Zeit bei einem Verein erreichen. Deshalb und nicht wegen des Siegtors im Derby versprach ihm Dirk Zingler ein Abschiedsspiel. „2014 soll es aber noch keins für mich geben. Das soll erst 2016 stattfinden“, wünschte sich Mattuschka. Mit dem neuen Vertrag gibt Union ihm die Möglichkeit, sich selbst diesen Wunsch zu erfüllen.