Kontinuität

Vertrag bis 2016 – Unions Liebeserklärung an Trainer Neuhaus

Zweitligist Union hat den Vertrag mit Trainer Uwe Neuhaus verlängert. Der Kontrakt bis 2016 gilt für die ersten beiden Profiligen. Der Coach sieht seine Zukunft und die des Klubs in der Bundesliga.

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Die Nachricht war schon seit längerem erwartet worden, insofern war sie nicht wirklich überraschend. Der Zeitpunkt, zu dem der 1. FC Union die Vertragsverlängerung mit seinem Cheftrainer bekannt gab, hingegen schon. Am Freitag, einen Tag vor dem Verfolgerduell in der Zweiten Liga zwischen dem Tabellendritten 1. FC Kaiserslautern und dem Vierten aus Köpenick (Sonnabend, 13 Uhr, Sky), verkündete Union, mit Uwe Neuhaus bis zum 30 Juni 2016 weiterarbeiten zu wollen. Der bisherige Kontrakt mit dem 53-Jährigen lief zum Saisonende aus.

Dass der Klub direkt vor einem Spitzenspiel die seit Sommer 2007 andauernde Union mit dem Westfalen bekannt gab, darf auch als klares Signal an die Konkurrenz und auch die Mannschaft gewertet werden: Mit Neuhaus soll der Weg in die Bundesliga vollendet werden.

„Wenn man betrachtet, wo wir hergekommen sind und was wir in den vergangenen Jahren erreicht haben, dann können wir alle mit Stolz zurückblicken“, erklärte Neuhaus. Zugleich kündigte er – wenn auch indirekt – an, dass er seine eigene Zukunft ebenso wie die des 1. FC Union in Liga eins sieht: „Ich freue mich auf die nächsten Jahre, denn es gibt noch viel zu erreichen für die Mannschaft und den gesamten Verein. Das Vertrauen, das mir bei Union entgegengebracht wird, weiß ich sehr zu schätzen, und ich werde alles daran setzen, die sportliche Entwicklung von Union weiter erfolgreich voranzutreiben.“ Mit dieser Liebeserklärung des Vereins an seinen leitenden Angestellten ist die Basis dafür gelegt.

In sechs Jahren zum starken Mann neben Zingler gemausert

Die Entscheidung des Traditionsklubs ist daher ebenso nachvollziehbar wie richtig. Dank der Kontinuität im sportlichen Bereich und den Erfolgen, die es unter Neuhaus gegeben hat, „konnten wir in den vergangenen Jahren wichtige Projekte wie den Ausbau unseres Stadions frei von sportlichen Sorgen angehen und umsetzen“, sagte Union-Präsident Dirk Zingler: „Die gesamte Entwicklung des Vereins hat von der sicheren Zugehörigkeit zur Zweiten Liga profitiert.“

Man spricht in solchen Fällen wohl von einer Win-win-Situation. Denn in dem Maße, in dem der Klub von der Skandalnudel zu einer gestandenen Größe im deutschen Profifußball wachsen konnte, hat sich Neuhaus neben Zingler zum starken Mann bei Union gemausert.

„Unsere langjährige Zusammenarbeit beruht auf Vertrauen und Verlässlichkeit. Auf dieser Basis möchten wir auch künftig mit Uwe Neuhaus weiterarbeiten und gemeinsam die nächsten Ziele anpeilen“, begründete Klubchef Zingler die Vertragsverlängerung.

Rückendeckung mit Erfolgen zurückgezahlt

Selbst Durststrecken wie der Start in die vergangene Saison, als die Profis nur einen Punkt aus fünf Spielen holten, hat das Verhältnis zwischen Neuhaus und dem Verein nicht erschüttert. Noch zu Beginn dieser Spielzeit sagte Zingler gegenüber der Morgenpost: „Bevor sich der Verein von verdienstvollen Mitarbeitern trennt, muss mehr passieren als ein Fehlstart.“ Diese Rückendeckung zahlte Neuhaus mit Erfolgen zurück, sicherlich auch dank gestandener Profis wie Benjamin Köhler oder Sören Brandy, in die er vor seinem siebten Jahr als Union-Trainer investieren durfte.

Die Erwartungen, die der Coach mit dem Union-Jahrgang 2013/14 entfacht hat, ist er bislang jedenfalls zu großen Teilen gerecht geworden. Inzwischen haben die Kandidaten um die Aufstiegsplätze Union auf der Rechnung. „Union ist längst kein Geheimtipp mehr“, sagte zum Beispiel Kosta Runjaic, Trainer des heutigen Gegners Kaiserslautern: „Sie befinden sich in der Tabelle zurecht dort, wo sie stehen.“

Für Neuhaus selbst ist das Engagement bei Union längst mehr als nur ein ganz normaler Job. Das zeigt sich zum einen in der Zuneigung der Fans, die ihn immer wieder mit lauten „Uwe, Uwe“-Sprechchören feiern. Eine Anerkennung, die in der über 40-jährigen Union-Geschichte so nur wenigen Trainern des Klub zuteil wurde.

Lebensmittelpunkt längst in Berlin

Dass Neuhaus in seiner Zeit in Berlin zudem den Platz des dienstältesten Trainers im deutschen Profifußball eingenommen hat, versteht sich von selbst. Ebenso wie die Tatsache, dass er am 10. Dezember Heinz Werner als Union-Trainer mit der längsten Dienstzeit beerben wird. Werner war vom 1. Januar 1976 bis zum 25. Juni 1982 an der Alten Försterei tätig, insgesamt also 2367 Tage.

Die Hauptstadt ist zudem seit langem sein Lebensmittelpunkt. Im vergangenen Juni, einen Tag vor dem Trainingsauftakt, heiratete er seine Lebengefährtin Britta Calmus, die bei Union für die Buchhaltung verantwortlich zeichnet. Was lag für den „akribischen Arbeiter“ (Neuhaus über Neuhaus) näher, als auch die Zusammenarbeit mit dem 1. FC Union fortzuführen?

Zugleich hat der Verein die wichtigste Personalie vom Tisch. Mit der Neuhaus-Unterschrift können nun auch die Planungen für die Mannschaft beginnen. Und es gibt einiges zu tun. Gleich neun Verträge laufen am Saisonende aus, darunter die von Kapitän Torsten Mattuschka, dessen Stellvertreter Patrick Kohlmann sowie der Torhüter Daniel Hass und Jan Glinker.