1. FC Union

Union ist auf der Suche nach Ersatz für den Unersetzbaren

Torsten Mattuschka fehlt Union ausgerechnet beim Spitzenspiel in Köln als Kapitän, Torschütze und Führungsperson. Um die Lücke zu schließen, gibt es einige Möglichkeiten – auch eine Systemänderung.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Dass es irgendwann einmal so kommen musste, war jedem beim 1. FC Union eigentlich klar. Ausgerechnet im Spitzenspiel der Zweiten Liga beim 1. FC Köln am Montag (20.15 Uhr, Sport 1) auf Torsten Mattuschka verzichten zu müssen, darauf hätten die Köpenicker aber gern verzichtet. Die große Frage, die den Tabellenzweiten der Zweiten Liga bis zum Anpfiff beschäftigen wird: Wer ersetzt den Unersetzbaren, wer ersetzt Torsten Mattuschka?

Die Antwort von Trainer Uwe Neuhaus auf diese Frage hinterlässt zunächst kein gutes Gefühl: „Ich weiß es noch nicht.“ Sein Nachklapp macht schon mehr Mut: „Vielleicht baue ich auch einen zweiten Stürmer ein.“ Sogar die Änderung des Systems wird in Erwägung gezogen, um den Ausfall des 33-jährigen Spielmachers zu kompensieren.

Es ist ohne Zweifel eine von verschiedenen Optionen, die der Union-Coach hat. Und die er, dafür ist er bekannt, akribisch gegeneinander abwägen wird. Gesucht wird ein Kapitän, ein Torschütze und eine Führungsperson – drei Rollen, die Mattuschka in den vergangenen Wochen immer wieder auf sich vereint hat.

Die Antwort, wer das Team in Köln aufs Feld führen wird, ist immerhin schnell gegeben. Michael Parensen wird – sollten Vize-Kapitän Mario Eggimann und auch Patrick Kohlmann erneut zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen – die Binde übernehmen.

Schönheim will Verantwortung übernehmen

Geht es um die Torschützen, könnten gleich mehrere Mitspieler in die Bresche springen. Sören Brandy hat wie „Tusche“ auch schon fünfmal getroffen, Adam Nemec kommt auf vier, Damir Kreilach und Simon Terodde auf jeweils drei Tore. Die Neuhaus-Elf muss also nicht nur von den Freistoßqualitäten eines Mattuschka abhängig sein, so wie beim 1:0 am Sonntag gegen Erzgebirge Aue.

Und für die Führungsaufgaben, die Mattuschka immer wieder übernimmt, werden ebenfalls andere einspringen müssen. „Derjenige, der jetzt für Tusche kommt, wird sicherlich nicht dafür verantwortlich sein, die Mannschaft anzuschieben. Dann sind Spieler wie Michael Parensen oder auch ich in der Pflicht, diese Aufgabe zu erledigen“, sagte zum Beispiel Fabian Schönheim.

Ob ihn dabei vielleicht auch ein wenig das schlechte Gewissen treibt? „Es ist mir erst am Abend, als ich mir das Spiel im Fernsehen angeschaut habe, so richtig bewusst geworden, dass mein Fehler der Auslöser für Mattuschkas Foul gewesen ist“, sagte Schönheim: „Ich bin auch zu ihm hin und habe gesagt: Tut mir leid, dass ich dir das Spiel weggenommen habe. Das tut mir natürlich auch leid für die Mannschaft. Tusche ist eine Besonderheit bei uns in der Mannschaft und im Verein.“

Als moralische Unterstützung mit nach Köln

Vorwürfe in Richtung des Innenverteidigers gab es von Mattuschka, der in der zwölften Minute den Auer Fabian Müller nach Schönheims Ballverlust im Mittelfeld festgehalten hatte, nicht. Die Reise nach Köln wird sich der Kapitän allerdings nicht nehmen lassen, schon um seine Mannschaftskollegen moralisch zu unterstützen.

Bleibt zu klären, wer personell die Lücke füllen könnte. Da trifft es sich gut, dass Martin Dausch seine erste Partie über 90 Minuten für die Köpenicker absolvieren konnte. Und dabei einen guten Eindruck hinterlassen hat. „Ich habe gezeigt, dass ich von Anfang an gut spielen kann“, sagte der Mittelfeldspieler, der die in ihn gesteckten Erwartungen bislang nicht erfüllen konnte.

Nicht zuletzt durch die Erkrankung seines Sohnes Luca, der an Aniridie leidet, einem seltenen und wenig erforschten Gendefekt, durch den die Regenbogenhaut im Auge fehlt. Den Zuspruch, den Dausch in den vergangenen Wochen von Union- wie auch von Fan-Seite erfahren hat, will er nun mit Leistung auf dem Rasen zurückzahlen. „Man hat natürlich gesehen, dass mir noch Spielpraxis fehlt“, erklärte er selbstkritisch.

Dausch brennt auf einen erneuten Einsatz

Sein Auftreten insbesondere in der Schlussphase nach Mattuschkas Auswechslung, in der er auch zwei gute Tormöglichkeiten hatte, macht jedoch Appetit auf mehr. Für Trainer Neuhaus war es jedenfalls „keine große Überlegung“, Dausch für den kurzfristig erkrankten Benjamin Köhler (Magen-Darm-Infekt) zu bringen: „Es war klar, dass er auf seinen Einsatz brennt. Er hat ja lange genug darauf warten müssen.“

Mattuschkas Fehlen könnte für Dausch eine weitere Chance sein, sich dauerhaft für einen Stammplatz zu empfehlen. Mit Blick auf das Spitzenspiel in Köln sagte er jedoch: „Ich bin gespannt, was wir ohne Mattuschka können.“