Große Dinge werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Das ist mit Blick auf den Karlsruher SC, am Sonnabend Gegner des 1. FC Union in der Alten Försterei (13 Uhr, Sky), durchaus wörtlich zu verstehen. Gleich 14 Profis im Kader der Badener messen 1,85 Meter oder mehr. „Wir brauchen einen klaren Kopf, das ist kein Gegner, den man einfach so im Vorbeigehen mitnimmt“, mahnt Trainer Uwe Neuhaus.

Wenn Schiedsrichter Kampka (Mainz) Unions 14. Saisonspiel anpfeift, wird sich vor allem eines zeigen: Waren die fünf Tage lange genug, um das 0:4-Debakel von Köln wirklich zu verarbeiten? „Köln ist aus den Köpfen raus und war schnell abgehakt“, sagte Neuhaus mit Nachdruck in der Stimme. Eine große Aufarbeitung gab es jedoch nicht.

„Video haben wir nicht geschaut. Ich wollte das Thema Köln am Dienstag mit dem Auslaufen abhaken. Wir haben versucht, die regenerative Einheit am Mittwoch mit Spaß zu füllen und das Köln-Spiel nicht noch einmal anzusprechen“, erklärte der Trainer: „Das Wichtigste in dieser Woche war, die Gedanken abzulenken auf das Spiel gegen Karlsruhe.“

Kapitän Mattuschka kehrt in die Startelf zurück

Dass die Pleite im Spitzenspiel dennoch Spuren hinterlassen hat, dürfte klar sein. Und wenn es nur darum geht zu überlegen, „ob man der gleichen Mannschaft noch einmal eine Chance gibt, weil es vorher so gut lief“, so Neuhaus. Eine Änderung ist jedenfalls sicher: Torsten Mattuschka, der Kapitän, wird nach seiner Gelb-Sperre wieder in die Startelf zurückkehren.

Und sonst? Die Verteidiger Mario Eggimann und Patrick Kohlmann sowie Mittelfeldspieler Martin Dausch werden vom Trainer als mögliche neue Spieler genannt. Dann ist da auch noch ein Christian Stuff, der als 1,99-Meter-Mann geradezu prädestiniert wäre gegen die langen Kerls des KSC.

Neuhaus hat die vergangenen Tage wohl so ausgiebig wie selten in den vergangenen Wochen zusammen mit Co-Trainer Andre Hofschneider verschiedene Szenarien durchgespielt. Zumal das von ihm genannte Trio nicht aus Leistungsgründen auf der Ersatzbank habe Platz nehmen müssen. „Ich hatte mich schlussendlich anders entschieden“. sagte Neuhaus, „aber wenn sie eingewechselt wurden, haben sie immer gute Leistungen gebracht.“

Nach Karlsruhe warten Kaiserslautern und 1860 München

Keine Frage: Union steht vor den Wochen der Wahrheit. Personell müssen jene Profis, die in Köln untergingen, zeigen, dass ihre Ansagen nicht nur Worthülsen waren. „Wir werden wieder aufstehen, das haben wir auch schon nach der Niederlage gegen Fürth geschafft“, sagte Defensivmann Michael Parensen stellvertretend für das gesamte Team.

Sportlich wiederum bildet das Duell gegen Karlsruhe nur den Auftakt einer ganzen Reihe von brisanten Partien. Nach dem besten Aufsteiger der Saison (Rang fünf vor dem Spieltag) warten nach der Länderspielpause Aufstiegsmitfavorit 1. FC Kaiserslautern in Liga (23.11., auswärts) und DFB-Pokal-Achtelfinale (3.12., Alte Försterei) auf die Köpenicker.

Und zum Hinrunden-Abschluss geht es noch nach München zum TSV 1860 (7.12.), bei dem Union in vier Anläufen noch nicht mal ein mageres Pünktchen hat holen können. Soll der Traum vom Aufstieg erhalten bleiben, dürfen sich Auftritte wie gegen Köln nicht wiederholen. Schon gar nicht gegen Karlsruhe.

Neuhaus ringt Niederlage von Köln etwas Positives ab

Doch die Badener kommen nach drei Spielen ohne Niederlage mit neuem Selbstbewusstsein nach Berlin. In Kaiserslautern (2:2) zweimal ein Rückstand aufgeholt, dazu 1860 München (2:1) und Arminia Bielefeld (3:1 nach Rückstand) dank disziplinierter Leistung bezwungen – es darf schon als Ansage betrachtet werden, wenn KSC-Trainer Markus Kauczinski sagt: „Wichtig ist vor allem, dass wir unser Ding durchziehen.“

Und so komisch es klingen mag, Unions Trainer ringt der Niederlage vom vergangenen Montag und dem verpassten Sprung an die Tabellenspitze sogar noch etwas Positives ab. „Wenn wir in Köln gewonnen hätten, wäre das Spiel gegen den KSC noch schwieriger für uns geworden, weil dann die Gefahr bestanden hätte, dass wir diesen Gegner auf die leichte Schulter nehmen“, begründete Neuhaus. Dies dürfte sich nun natürlich erübrigt haben.