Die Aufarbeitung begann wenige Augenblicke nach dem Ende der 0:4-Pleite gegen den 1. FC Köln. Uwe Neuhaus, Trainer des 1 FC Union, schnappte sich direkt nach dem Abpfiff den einen oder anderen Spieler, redete auf ihn ein, in der Hoffnung, den Frust nach dem verlorenen Spitzenspiel nicht ausufern zu lassen. „Sicherlich ist die Enttäuschung da, aber nicht in der Form, versagt zu haben. Wir dürfen uns jetzt nicht runterziehen lassen“, sagte Neuhaus.

Genau dies sollte dann auch die Botschaft sein, die auch die Profis des Berliner Fußball-Zweitligisten auf die Heimreise mitnahmen. „Das darf uns auch mal passieren, nur nicht zu oft“, sagte zum Beispiel Mittelfeldspieler Benjamin Köhler.

Michael Parensen, der den wegen der fünften Gelben Karte gesperrten Torsten Mattuschka in Köln als Kapitän vertrat, fügte hinzu: „Wir sollten jetzt nicht alles niedermachen nach so einem Spiel.“ Ein Spiel, das – so abgedroschen es auch klingen mag – allerdings wieder einmal gezeigt hat: Ohne Mattuschka geht es offenbar immer noch nicht bei Union.

Der Plan des Trainers ist nicht aufgegangen

„Ich will das gar nicht hören, denn wir sind auch ohne ihn eine gute Mannschaft“, so Parensen. Stürmer Simon Terodde gab zu bedenken: „Wir haben auch in Köln mit elf Mann gespielt und nicht nur mit zehn. Da sollten wir erst gar nicht damit anfangen.“ Die herbe Niederlage allein auf das Fehlen Mattuschkas zurückzuführen, greift in der Tat zu kurz. Doch es bleibt auch festzuhalten, dass die Lösung, Adam Nemec im zentralen Mittelfeld auflaufen zu lassen, am Montagabend nicht zielführend war.

Die Begründung des Trainers, auf den etatmäßigen Stürmer zu setzen anstatt auf den spielerisch stärkeren Martin Dausch, klingt wie folgt: „Ich hatte mir erhofft, dass wir mit Nemec mehr Torgefahr ausstrahlen, vor allem bei Standardsituationen wegen seiner Kopfballstärke. Das ist nicht aufgegangen.“

Weil im Mittelfeld die ordnende Figur fehlte, die es benötigt, um den gerade eroberten Ball nicht gleich wieder zu verlieren. So gab es immer wieder Flanken, „die kaum in die Nähe unserer Stürmer gekommen sind“, erklärte der Coach. Und fehlende Torgefahr, die vielleicht den Glauben an zumindest noch einen Punkt wieder hätte entfachen können.

„Wir haben uns nie versteckt“

Und doch, auch wenn es angesichts der deutlichen Überlegenheit der Kölner zunächst surreal wirken mag: Der Auftritt der Unioner in Köln war anders als der in der vergangenen Saison. An jenem verschneiten Februar-Sonnabend hatte beim 0:2 eine nahezu hilf- wie mutlose Union-Elf auf dem Platz gestanden. Wer den Ball hatte, war allein gelassen von seinen Mitspielern, nichts war zu sehen gewesen von der bis dahin guten Rückrunde.

Nun, am Montagabend, versuchten die Köpenicker weiter, ihr Spiel aufzuziehen und zumindest dagegenzuhalten, wie ein Ballbesitz von 56 Prozent und 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe bestätigen. „Wir haben uns nicht versteckt, auch wenn es nach dem 0:3 natürlich schwer wurde“, sagte Parensen: „Aber wir haben die Bälle vorne zu schnell verloren.“ Dann habe man gesehen, wozu die Kölner fähig sind. Terodde: „Was Köln spielt, ist erstligareif.“

Und es gibt ein zweites, kleines Mosaiksteinchen, welches das Union-Lager weiter vom Aufstieg in die Bundesliga träumen lassen kann: der Umgang der Mannschaft mit der Niederlage. Enttäuschung und Verärgerung, wieder einen Big Point verpasst zu haben – ja; Niedergeschlagenheit – nein. Trotz der Niederlage strahlten die Spieler Selbstvertrauen für die kommenden Wochen aus.

Schon nach der Niederlage gegen Fürth eine gute Reaktion gezeigt

War das Vorhaben, Köln früh zu stören, vielleicht ein wenig zu mutig? „Es ist unser Spiel, hoch zu stehen und den Gegner unter Druck zu setzen. Damit sind wir bislang sehr gut gefahren“, sagte Neuhaus. Immerhin bis auf Tabellenplatz zwei. Die Partie am Sonnabend gegen Karlsruhe (13 Uhr, Alte Försterei) wird zeigen, ob die Spieler die Hoffnung des Trainers erfüllen können: „Ich traue es meiner Mannschaft zu, sich davon zu erholen. Das hat sie nach dem 2:4 gegen Fürth schon mal geschafft.“