Zweite Liga

1. FC Union von Tabellenführer Köln mit 0:4 deklassiert

Entschlossene Kölner verteidigten im Spitzenspiel die Tabellenführung in der Zweiten Liga. Der 1. FC Union erlebte hingegen beim 0:4 einen ganz bitteren Abend. Die Berliner spielten zu harmlos.

Foto: Christof Koepsel / Bongarts/Getty Images

Der Rahmen war eines Spitzenspiels in der Zweiten Liga würdig. 45.000 Zuschauer wollten am Montagabend das Duell des Tabellenführers 1. FC Köln mit dem Tabellenzweiten 1. FC Union live im Stadion mitverfolgen.

Beide Mannschaften waren mit jeweils 24 Punkten in die Begegnung gegangen. Wirklich feiern konnten am Ende der sehr guten Partie aber nur die Hausherren. Weil sie sich zum Topfavoriten für den Aufstieg in die Bundesliga geschossen haben. Die Köpenicker erlebten hingegen beim 0:4 (0:2) einen ganz bitteren Abend.

Union-Trainer Uwe Neuhaus zog auch ein eindeutiges Fazit: „Wir haben nur zehn bis 15 Minuten annähernd das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Aber schon da gelang in der Offensive nichts. Und dann hat uns jeder eigene Fehler ein Stück weiter verunsichert. Das Fehlen von Mattuschka war jedenfalls kein Alibi.“

Nemec als Ersatz für gesperrten Mattuschka

Der Coach entschied sich für Adam Nemec als Ersatz für den Gelb-gesperrten Torsten Mattuschka. Der Stürmer übernahm den Platz des Kapitäns hinter der einzigen Spitze Simon Terodde. Außerdem kehrte Benjamin Köhler nach überstandenem Magen-Darm-Infekt in die Startelf zurück, dafür musste Martin Dausch wieder auf die Bank.

Mattuschka selbst verfolgte von der Tribüne aus den Auftritt seiner diesmal in grün-schwarzem Outfit spielenden Kollegen. Ein Kaugummi, das der 33-Jährige intensiv malträtierte, sollte gegen seine Nervosität helfen.

Er hatte seinen Platz gerade eingenommen, da gaben die Kölner auch schon den ersten Warnschuss ab: Daniel Halfar prüfte Union-Keeper Daniel Haas aus der Distanz nach bereits 53 Sekunden.

Zehn Minuten lang störten sich beide Teams früh beim Versuch eines Spielaufbaus – dann übernahm Köln das Kommando. Der Tabellenführer wirkte schneller, spritziger, entschlossener.

Union versuchte über Ballbesitz Offensivaktionen zu kreieren, ohne Erfolg. Stattdessen wurde Haas innerhalb von vier Minuten gleich dreimal vom Kölner Slawomir Peszko geprüft. Erst hatte der Union-Schlussmann Glück, dass ein Kopfball auf seinem Fuß landete und von dort über die Latte sprang (11.), eine Minute später konnte er im letzten Moment klären, schließlich wurde er erneut von Peszko angeschossen (14.).

Nach 22 Minuten erstmals geschlagen

Union stand unter Druck, und war nach 22 Minuten erstmals geschlagen. Weil die Abwehr sich für nur einen Moment im Tiefschlaf befand und Marcel Risse, lediglich begleitet von Innenverteidiger Fabian Schönheim, den Platz in Unions Viererkette nutze.

Den ersten Versuch konnte Torwart Haas noch abwehren, den Nachschuss musste er passieren lassen, 0:1. Erstmals ertönten „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Rufe.

Eine halbe Stunde war gespielt, als Baris Özbek den Ball am Kölner Strafraum verlor. Über zwei Stationen kam das Leder wieder zu Risse. Der Offensivmann ließ Roberto Puncec mit einer einfachen Bewegung aussteigen und zog von der Strafraumgrenze ab, 0:2 (30.), Doppelpack.

Kurz vor der Pause verhinderte Hass – natürlich gegen Risse („Wir wollten ein Ausrufezeichen setzen, das ist gelungen“) – einen höheren Pausenrückstand.

Nach dem Wechsel kamen die Unioner durchaus selbstbewusst aus der Kabine. Nein, kampflos oder gar einfach so wollten sie sich nicht geschlagen geben. Das waren sie allein schon den knapp 1000 mitgereisten Anhängern schuldig.

Doch nur sieben Minuten nach dem Wiederbeginn die Entscheidung. Patrick Helmes drosch einen Freistoß aus 40 (!) Metern scharf in den Union-Strafraum und Yannick Gerhardt überlistete Haas per Kopfball-Wischer zum 0:3 (52.).

Nur ein Schuss auf das Kölner Tor

La Ola auf den Rängen – die Rheinländer schienen bereits eine Woche vor dem offiziellen Start in die Karnevalssaison die närrische Zeit eröffnen zu wollen. Das obligatorische „Wir sind nur ein Karnevalsverein“ hallte aber erst nach dem vierten Treffer von den Rängen.

Wieder wurde Union ausgekontert, wieder konnte Haas zunächst klären, diesmal gegen Helmes. Doch wie ein Bumerang kam der Ball zurück in Unions Fünfmeterraum, wo Jonas Hector (66.) ihn artistisch über die Linie drückte.

Es war einem Verteidiger vorbehalten, den einzigen Schuss der Berliner auf das Kölner Tor in der zweiten Halbzeit abzugeben. Puncec probierte es mal aus knapp 20 Metern. Doch sein Versuch zehn Minuten vor dem Abpfiff von Schiedsrichter Jochen Drees war wie die Leistung der Unioner: zu harmlos.