Seit diesem Sommer trainierte Michael K. (Name geändert) eine Mädchenmannschaft beim 1. FC Union Berlin an der Alten Försterei. Doch dieses Engagement hat jetzt ein plötzliches Ende gefunden. Am Freitag musste der 34-Jährige, der als Co-Trainer die Mädchenmannschaft trainierte, seine Sachen packen: Die Polizei ermittelt gegen den Familienvater wegen sexueller Belästigung. Grund genug für die Spitze des in Köpenick ansässigen Traditionsvereins, dem ehrenamtlich arbeitenden Mann die rote Karte zu zeigen und vom Spielfeld zu schicken. „Wir haben ihn sofort suspendiert und Kontakt- und Geländeverbot erteilt“, sagt Union-Pressesprecher Christian Arbeit.

In der vergangenen Woche hatten die Eltern eines Mädchens Anzeige bei der Polizei erstattet. Sie werfen dem Trainer ihrer Tochter vor, diese mit obszönen Bildern via Handy sexuell belästigt und beleidigt zu haben. Ein Vorwurf, der dazu führt, dass „jetzt das Landeskriminalamt für Sexualdelikte ermittelt“, sagt Polizeisprecher Carsten Müller. Da es sich um laufende Ermittlungen handele, könne er sich nicht weiter dazu äußern. „Wir haben auch eine Fürsorgepflicht gegenüber dem Mädchen“, sagt Müller. Deshalb halte man sich bei Informationen zu den Hintergründen bedeckt. Im Rahmen der Ermittlungen werden die Fußballspielerinnen, die von K. trainiert wurden, derzeit befragt. Die Vernehmung der Mädchen wird von psychologisch speziell geschulten Kriminalisten vorgenommen und bedarf auch daher eines längeren Zeitraums.

Mann war gut bekannt

Der Vorfall selbst soll sich vor mehr als einem halben Jahr ereignet haben. Zu einem Zeitpunkt, als Michael K. noch beim BFC Dynamo tätig war. Auf Anfrage der Berliner Morgenpost wurde von Seiten des Vereins lediglich bestätigt, dass ein Trainer dort tätig war und im Sommer den Verein gewechselt habe. „Von den konkreten Vorwürfen wissen wir nichts und können uns dementsprechend auch nicht dazu äußern“, sagt ein Sprecher des BFC Dynamo.

Der Schock über die vermeintlichen Taten des beim 1. FC Union Berlin einst tätigen Mannes sitzt tief. „Wir werden diese Woche mit der Mannschaft sprechen und sie darüber informieren“, sagt Christian Arbeit, Sprecher des Vereins. Er kann sich das ganze nicht erklären. Michael K. war kein Unbekannter bei Union. „Wir kannten ihn seit zwei Jahren“, so der Pressesprecher. Seine Tochter habe bei Union Fußball gespielt, deshalb sei man sich regelmäßig bei Elternversammlungen begegnet. Eines Tages habe er gefragt, ob er nicht bei der Betreuung der Jugendmannschaften helfen könne. „Von diesen ehrenamtlichen Helfern leben Tausende Fußballmannschaften in der Stadt“, sagt Arbeit. Über die Anfrage des engagierten Vaters, der seine Tochter bei ihrer fußballerischen Ausbildung immer begleitet hat, sei der Verein daher froh gewesen. „Schließlich ist es nicht so einfach, ehrenamtliche Betreuer zu finden“, sagt Arbeit.

Regeln verlangen erweitertes Führungszeugnis

Die hausinternen Richtlinien beim 1.FC Union Berlin schreiben vor, dass jeder, der neu anfängt – ob ehrenamtlich oder festangestellt – ein erweitertes Führungszeugnis der Polizei vorlegen muss. Das sei auch von Michael K. angefordert worden, so der Pressesprecher. Allerdings konnte er zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen, ob es schon eingetroffen und eingesehen worden ist.

Seit vielen Jahren werden Mädchen- und Frauenmannschaften im Verein trainiert. Derzeit sind es fünf Mädchen- und Frauenmannschaften. Und diese sind zudem sehr erfolgreich. So spielt die U17 Mannschaft in der 1. Bundesliga.