Spitzenspiel

Zweitligist Union steht vor der Reifeprüfung im Rheinland

Vor sechs Wochen verloren die Unioner das Spitzenspiel gegen Greuther Fürth. Bei Spitzenreiter Köln kann der Tabellenzweite nun beweisen, dass er aus den Fehlern der bitteren Pleite gelernt hat.

Foto: Oliver Mehlis / pa/ZB

Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass es im Verlauf einer Saison zum Duell eines Tabellenersten gegen den -zweiten kommt. Die Spielplanmacher der Deutschen Fußball Liga (DFL) scheinen dafür seit Jahren ein glückliches Händchen zu haben.

Dass der 1. FC Union an solchen Spitzenspielen beteiligt ist, darf jedoch immer noch als bemerkenswert bezeichnet werden. Erst recht, wenn der Berliner Fußball-Zweitligist bereits am 13. Spieltag zum zweiten Mal dabei sein kann. Am Montag (20.15 Uhr, Sport 1, Sky und im Liveticker der Berliner Morgenpost) ist es soweit, wenn die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus beim 1. FC Köln antritt.

Der Übungsleiter der Köpenicker Kicker hat dazu seine ganz eigene Auffassung. „Das ist natürlich eine völlig andere Konstellation“, sagte Neuhaus mit Blick auf das erste Spitzenspiel seiner Mannschaft. Die Art der Formulierung ist eine Mischung aus Sarkasmus und Abwehrverhalten, so als wolle Neuhaus fast schon kleinreden, dass Union sich in nur wenigen Wochen erneut solch ein Fußballfest erarbeitet hat. Rund sechs Wochen ist es her, dass Union als Spitzenreiter ins Duell mit der SpVgg Greuther Fürth gegangen ist – und mit 2:4 auch völlig verdient unterlegen war.

Breite Brust in den vergangenen Wochen erspielt

Vor diesem Hintergrund ist die Partie in Köln schon keine ganz unwichtige für die Berliner. Sie werden beweisen wollen, dass sie aus den Fehlern gegen Fürth gelernt haben. Insofern ist der Auftritt in Köln schon eine Reifeprüfung am Rhein, die auf die Neuhaus-Schützlinge wartet.

Stichwort Selbstvertrauen. Nach der Pleite gegen Fürth wirkten die Unioner trotz aller Beteuerungen schon ein wenig angeknackst. Doch in den Wochen danach erarbeitete, nein, erspielte sich die Mannschaft jene breite Brust, mit der sie nun auch in Köln bestehen will. „Wir fahren ja da nicht hin und sagen: Egal, wie wir spielen, wir sind danach immer noch Zweiter. Wir fahren da schon hin, um zu gewinnen“, sagte Fabian Schönheim. Selbstvertrauen, das den Köpenickern Sicherheit in ihren Aktionen geben sollte, selbst im erwarteten Hexenkessel von Köln mit seinen über 50.000 Zuschauern.

Stichwort Ruhe. Die Bilder von jenem Septemberabend gegen Fürth sind eingefleischten Fans immer noch vor Augen. Seinerzeit wollten die Unioner nach dem Ausgleich der Gäste unbedingt eine Reaktion zeigen – und wurden nach Strich und Faden vorgeführt. Die vergangenen Partien haben nun gezeigt, dass die Mannschaft inzwischen in der Lage ist, weder nervös noch hektisch zu werden, sollte es einmal nicht nach Plan laufen.

Dreckiger Sieg gegen Aue

„Gegen Aue haben wir einen dreckigen Sieg mitgenommen“, verdeutlichte Schönheim. Weil beim 1:0 mit Bedacht weiter auf die Chance gewartet wurde. „Übermotiviert werden wir in Köln sicherlich nicht auftreten“, ist sich auch Stürmer Simon Terodde sicher. Zumal hier der alte Spruch gilt: Köln, als Aufstiegsfavorit in die Saison gestartet, ist aufgefordert, seinem Anhang etwas anzubieten, nicht Union.

Stichwort Ausgangsposition. Bei Union gewöhnt man sich mehr und mehr an den Umstand, dass man nicht mehr nur ein Verfolger ist, sondern eine Mannschaft, die inzwischen gejagt wird. Ob im Training oder während der 90 Minuten, die Spieler gehen mit dem Bewusstsein zu Werke, dass sie nicht zufällig da oben stehen.

Exemplarisch sei hier Terodde zitiert. Zum einen lässt er es sich nicht nehmen, den Begriff „schöne Momentaufnahme“ zu äußern. Andererseits gibt er aber auch zu verstehen: „Nach zwölf Tagen hat die Tabelle schon eine gewisse Aussagekraft.“

Trainer Neuhaus fordert „gute Leistung unabhängig vom Ergebnis“

Hinzu kommt, dass von Union trotz des Höhenflugs in den vergangenen Wochen noch immer nicht so viel erwartet wird wie von den Kölnern. Während Trainer Neuhaus von den Seinen lediglich „eine gute Leistung unabhängig vom Ergebnis“ fordert, wird im Rheinland ein klares Statement in Form eines Sieges verlangt.

„Wir wissen natürlich, dass Köln noch mal eine andere Nummer und zu Hause eine Macht ist mit den Zuschauern im Rücken“, sagte Schönheim: „Aber wenn die Kölner dann durch diesen Druck Fehler machen sollten, müssen wir diese eiskalt ausnutzen. Wir müssen an unsere Leistungsgrenze kommen.“

Gelingt Union dies und bringt dabei sogar noch drei Punkte mit, darf die Reifeprüfung als bestanden gelten. Und selbst bei einer Niederlage braucht sich die Mannschaft nicht von ihrem eingeschlagenen Weg abbringen zu lassen. Oder wie Neuhaus erklärte: „Der Sieger ist weder schon aufgestiegen, noch hat der Verlierer keine Chance mehr.“