Ost-Derby

1. FC Union empfängt Aue zum Duell der ungleichen Trainer

Unions Uwe Neuhaus ist seit Wochen bemüht, die Euphorie zu bremsen. Aues Falko Götz will eine solche im Erzgebirge erst so richtig entfachen. Eines wollen beide Trainer: einen Sieg im Ost-Derby.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Beide stammen aus der gleichen Epoche, sind Anfang 50. Beide sind bei ihren Vereinen angetreten, um etwas aufzubauen. Langfristig, versteht sich. Wobei Uwe Neuhaus, 53, beim 1. FC Union sicherlich weiter ist als Falko Götz, 51, bei Erzgebirge Aue. Das ergibt sich allein schon aus der Tatsache, dass Neuhaus in Berlin seit fast sechseinhalb Jahren tätig ist, Götz im Erzgebirge gerade mal ein halbes Jahr. Der eine (Götz) nennt Fitness, Disziplin und Teamgeist „die Säulen meiner Arbeit“; die Worte hätten gut und gern auch vom anderen (Neuhaus) kommen können.

Erfolgsbesessenheit ist das, was beide antreibt. Nur die Art und Weise, wie das Trainerduo vor dem Ostderby an diesem Sonntag in der Alten Försterei (13.30 Uhr) damit umgeht, ist eine andere. Während Neuhaus bei Union mit allen Mitteln versucht, die Euphorie zu bremsen, sie zumindest in geregelte Bahnen zu lenken, ist Götz in Aue gerade dabei, eine solche zu entfachen.

Im Wortlaut klingt das wie folgt. Neuhaus: „Warum sollten wir uns zu irgendetwas hinreißen lassen? Dass wir in der Spitzengruppe dabei sind, freut uns. Wir wissen aber genau um die Gefahren, wie schnell alles vorbei sein kann, wenn man jetzt ein bisschen durchdreht, sich auch zu Äußerungen hinreißen lässt. Das tut dem Kopf nicht gut. Einfach auf die Arbeit konzentrieren, das ist das Wichtigste für die Spieler.“

Aue soll fester Bestandteil in Liga zwei werden

Götz versucht derweil, in Aue mit dem FC Erzgebirge jene Identifikationsmöglichkeit zu schaffen, die Union dem Ostteil der Hauptstadt, speziell natürlich dem Bezirk Köpenick, längst gegeben hat. Er will „in Absprache mit dem Verein die Dinge weiterentwickeln, die auch der Klub weiterentwickeln möchte“, nennt Begriffe wie „fester Bestandteil der Zweiten Liga“ und „Stadionausbau“, die dazu beitragen sollen. Wie beim 1. FC Union in den vergangenen Jahren.

Kühle Konzentration, gepaart mit eiskalter Effektivität vor des Gegners Tor, gegen leidenschaftlichen Kampf und gefährliches Umkehrspiel – dies sind die Elemente, die das Duell am Sonntag prägen werden. „Das Wichtigste wird wieder die Disziplin gegen den Ball sein“, mahnt Neuhaus seine Unioner zu schnellem Ballgewinn und langem Ballbesitz.

Schon deshalb gibt es für Götz keine Diskussion darüber, „dass Union Favorit ist. Aber wir fahren da nicht hin, um abzuschenken. Das wird keine einfache Geschichte, man muss sich auf die Stimmung einlassen. Doch der Gastgeber ist unter Druck und muss abliefern. Da sehe ich ganz klar eine Chance für uns. Wir müssen mutig unsere Konter ausspielen.“ Das klingt nach klaren Plänen, wie ein Erfolg möglich gemacht werden soll. Über 20.000 Zuschauer, darunter gut 1000 aus Aue, werden genau hinschauen, ob die Mannschaften die Vorgaben ihrer Trainer auch hundertprozentig umsetzen.

„Ich warne vor der Kampfstärke, Spielstärke und Torgefahr von Aue“

Was beiden Trainern gemein ist: Es werden vor allem die Stärken des Gegners herausgestellt. So sieht Neuhaus die Verletzungssorgen der Erzgebirgler nicht als Vorteil. „Ich warne vor der Kampfstärke, Spielstärke und Torgefahr von Aue“, sagte der Union-Trainer. Viel mehr sieht er im Gegner am Sonntag Parallelen zum Heimspiel zuvor gegen den SV Sandhausen (3:0).

So hätte sich auch Aue „qualitativ verbessert, spielt einen anderen Fußball in dieser Saison“. Es fallen Namen wie Solomon Okoronkwo, Jakub Sylvestr und Guido Kocer. Auf der anderen Seite sieht Götz Union gar als Mitfavoriten für den Aufstieg in die Bundesliga. Weil die Konkurrenz die so wichtige Konstanz vermissen lässt. „Es setzt sich keiner oben ab“, sagt Götz, „Kaiserslautern, Köln, Fürth, Düsseldorf, die haben zwar alle einen großen Namen, aber so richtig souverän spielt keiner.“

Wie zur Bestätigung kassierte Fürth am Freitagabend mit 0:1 gegen Ingolstadt die zweite Heimniederlage in Folge, kam Düsseldorf am Sonnabendnachmittag mit 1:6 gegen Paderborn unter die Räder.

Die Statistik spricht klar für Union

Die Statistik spricht derweil ganz klar für die Köpenicker. Seit dem Wiederaufstieg ins Bundesliga-Unterhaus im Jahr 2009 spielte Union 24 Ost-Derbys, nur vier davon gingen verloren – alle auswärts. Vor heimischer Kulisse gab es acht Siege und drei Unentschieden bei einem Torverhältnis von 24:9. Gegen die Erzgebirgler gab es in dieser Zeit außerdem noch keine Niederlage.

„Ich habe Ost-Derbys in guter Erinnerung“, sagt Neuhaus. Geht es nach ihm, dann soll sich das auch nach der Partie am Sonntag gegen Erzgebirge Aue nicht ändern.