1. FC Union

Für Unions Puncec ist alles eine Frage der Einstellung

Zum Saisonstart stand Unions kroatischer Verteidiger Roberto Puncec nicht im Kader. Inzwischen hat er sich zurück in die Startelf gekämpft. Mit ihm kassierte Union in vier Pflichtspielen kein Tor.

Foto: Oliver Krato / dpa

Von Roberto Puncec ist folgendes überliefert. Als der Innenverteidiger des 1. FC Union auf einen Zettel in seiner Hand blickt, fragt er: „Und was soll ich damit machen?“ Als ihm bedeutet wird, dass er den Fragebogen für das Programmheft des Berliner Fußball-Zweitligisten für das kommende Heimspiel am Sonntag gegen Aue (13.30 Uhr, Alte Försterei) einfach ausfüllen soll, sagte der Kroate nur: „Alles klar, mach’ ich.“ Zwei Sätze, gesprochen in nahezu perfektem Deutsch.

Wenige Augenblicke zuvor, als Puncec über seine Rückkehr in die Startelf der Köpenicker erzählen soll, vertröstet er die Fragesteller mit der Bitte, das Gespräch doch auf englisch zu führen. Keine Frage, der 21-Jährige fühlt sich offensichtlich immer noch sicherer, wenn er die Weltsprache benutzen darf.

Dabei gibt es für Puncec keinen Grund, sein Licht derart unter den Scheffel zu stellen, weder auf dem Platz noch außerhalb. „Dass wir jetzt viermal zu Null gespielt haben, lag nicht an mir, sondern an der gesamten Mannschaft“, sagte Puncec höflich. Ruhig sind die Worte, die er spricht, beinahe schon leise. So als wollte er sich fast entschuldigen.

„Ich hatte eine schwierige Zeit“

Die Frage ist allerdings: wofür eigentlich? Dafür, dass er eben doch einen großen Anteil daran hatte, dass Union in den vergangenen vier Pflichtspielen kein Gegentor kassierte? Oder dafür, dass er erst jetzt, da ein Drittel der Spielzeit bereits vorüber ist, die Leistung bringt, die man sich bei Union schon zum Saisonstart von ihm erhofft hatte? „Ich hatte eine schwierige Zeit“, sagte Puncec. Der sympathische Profi spricht von „Erfahrungswerten“, die er aus jedem Spiel mitnimmt und auch aus jedem Training.

Die eher zurückhaltende Art passt so gar nicht zu dem kompromisslosen Verteidiger, den Puncec während der 90 Minuten auf dem Spielfeld gibt. Der Cottbuser Angreifer und Ex-Unioner John Jairo Mosquera bekam dies gerade erst zu spüren. „Bei dieser Art von Stürmer musst du immer dran bleiben und darfst nie den Kontakt verlieren“, erzählte Puncec. Das klingt einfacher, als es für ihn in der Vorbereitung wohl gewesen ist. Denn als es im Sommer um die Plätze für die Startelf ging, stand Puncec nur hintendran, ja sogar nicht einmal im Kader.

Dass er Trainer Uwe Neuhaus derzeit keinen Anlass gibt, ihn wieder aus dem Team zu nehmen, hat einen ganz einfachen Grund. „Ich habe meine Einstellung verändert“, sagte Puncec. Dies bedarf natürlich einer Erklärung, zu der der Kroate auch gerne bereit war. „Ich versuche in jedem Training, hundert Prozent zu geben. Vor der Saison habe ich mit dem Coach gesprochen, und er hat mir gesagt, dass ich das nicht in jedem Training getan habe. Vielleicht stimmt das, nur ich habe das eben nicht so empfunden“, erzählte Unions Nummer 4: „Das Allerwichtigste war, dass ich das selbst herausfinden musste.“

Mit Eggimann und Stuff zwei erfahrene Profis im Nacken

Und als er wegen des langen Ausfalls von Mario Eggimann (Bandscheibenvorfall) und dem leichten Formtief von Christian Stuff gebraucht wurde, war er zur Stelle. Gegen Cottbus gewann er mehr als 71 Prozent seiner Zweikämpfe. Dass er mit Eggimann, der in Cottbus erstmals seit Ende August wieder zum Kader gehörte, und Stuff zwei erfahrene Profis im Nacken hat, scheint ihn nur noch mehr zu beflügeln.

„Jeder Wettkampf ist gesund. Ich weiß, wie hart es ist, nur auf der Bank zu sitzen. Deshalb wollte ich unbedingt zurück und in der Mannschaft bleiben“, sagte Puncec. Angst, dass Eggimann seinen Platz wieder einnehmen könnte, wenn der Schweizer wieder fit ist, habe er nicht: „Das hängt nur von mir ab, ob ich dem Trainer einen Grund gebe, etwas zu verändern.“

Apropos Wettbewerb: Damir Kreilach, seit Saisonbeginn bei Union, hat die Latte ziemlich hoch gelegt, was die Sprache angeht. Der kroatische Mittelfeldspieler hat unlängst angekündigt, Interviews künftig nur noch auf deutsch geben zu wollen. „Das kann ich kaum glauben“, gibt sich Puncec erstaunt. Dabei soll er selbst viel besser Deutsch sprechen als sein Landsmann. So ist es zumindest überliefert.