1. FC Union

Mattuschka lobt „das beste Team, in dem ich je gespielt habe“

Der Kapitän erklärt, warum Union in der Lage ist, sich von einem Geheim- zu einem Mitfavoriten im Aufstiegsrennen zu entwickeln. In der Spitzengruppe hat sich der Zweitligist zunächst einmal festgesetzt.

Foto: Thomas Eisenhuth / dpa

Als das Gespräch auf das Unvermeidliche kam, verdrehte Torsten Mattuschka die Augen. „Nach dem Spieltag sind wir wahrscheinlich wieder Dritter. Doch wir haben 21 Punkte aus elf Spielen, hätte uns das jemand vor Saisonbeginn gesagt, hätten wir das bestimmt unterschrieben“, sagte der Kapitän des 1. FC Union.

Schon möglich, Fakt ist jedoch auch, dass ein 0:0 bei Energie Cottbus reichte, um zumindest bis Sonntagnachmittag wieder die Spitze in der Zweiten Liga zu übernehmen. Und die SpVgg Greuther Fürth (am Sonntag gegen den FC St. Pauli) sowie der 1. FC Köln (im Montagsspiel gegen 1860 München) müssen auch erst einmal punkten.

Das weiß natürlich auch Uwe Neuhaus. Dennoch sagte der Trainer der Köpenicker: „Ich werde jetzt keine öffentliche Aussage machen: Aufstiegskampf olé. Immer ruhig und locker bleiben, wir haben gerade mal elf Spiele absolviert.“

Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen

Damit ist das erste Drittel der Saison allerdings schon vorbei. Und just zum Start in die Phase, in der sich traditionell die Spreu vom Weizen trennt, sprich sich eine Spitzengruppe herausbildet, setzt sich Union fest – nicht irgendwo, sondern ganz oben. Die 90 Minuten in der Lausitz haben gezeigt, dass die Köpenicker nicht nur zu den Mannschaften gehören, die gut in die Spielzeit gekommen sind. Die Neuhaus-Schützlinge sind in der Lage, von einem Geheim- zu einem Mitfavoriten zu werden.

„Wir arbeiten alle sehr, sehr gut gegen den Ball. Und nach vorne haben wir immer unsere Chancen“, nennt Mattuschka selbst die Gründe. „Jetzt kann man natürlich sagen: Die haben ja nur in Ingolstadt und Paderborn gewonnen. Doch gerade die Spiele musst du gewinnen, wenn du oben dabei bleiben willst. Kaiserslautern, 1860 München oder Köln sind doch sowieso Highlightspiele. Und man sieht doch, wie es passieren kann: Kaiserslautern hat in Aalen und Sandhausen verloren.“

Es ist diese unaufgeregte Art, mit der Union es inzwischen auch auswärts versteht, Spiel und Gegner zu kontrollieren. Das mag nicht immer spektakulär aussehen, doch es dient der Sache. „Wir müssen das Spiel nicht in den ersten 20 Minuten entscheiden. Unser Spiel ist auf viel Ballbesitz ausgerichtet“, verdeutlicht Mattuschka. In Cottbus waren es wieder 59 Prozent.

Viermal in Folge ohne Gegentreffer

Und selbst wenn mal kein eigenes Tor gelingt, ist die Mannschaft in der Lage, auch keines zu kassieren. Das gelang – inklusive des Pokalspiels in Osnabrück – zuletzt viermal in Folge. „Diesen Weg müssen wir fortsetzen“, fordert Mattuschka. Zwölf Auswärtspunkte hat Union inzwischen geholt, in der gesamten Saison 2012/13 waren es nur 15.

Das hat Folgen, wie der Union-Kapitän erklärt: „Jetzt heißt es nicht mehr: Da kommt Union, jetzt gibt’s ein paar Punkte. Die Gegner haben auch auswärts Respekt vor uns, das haben wir uns erarbeitet. Und zu Hause müssen wir weiter mit breiter Brust auftreten.“ Erzgebirge Aue soll dies kommenden Sonntag (13.30 Uhr, Alte Försterei) im nächsten Ost-Derby zu spüren bekommen.

Die neue Qualität auf dem Rasen, dazu die Tatsache, dass man gleich oben dabei ist und sich nicht wie in den Vorjahren erst an die Spitzengruppe herankämpfen muss – das sind die beiden Bausteine, dank derer Union von einem goldenen Herbst träumen kann. Und vielleicht noch viel mehr.

In dieser Saison gibt es keine Übermannschaft

Hinzu kommt, dass es diesmal keine Übermannschaft gibt wie zuvor Hertha BSC (2012/13) oder Eintracht Frankfurt (2011/12), die zum Durchmarsch ansetzt. Soll heißen: Auch die Konkurrenz wird in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder Federn lassen. Eine eigene Niederlage dürfte somit nicht allzu schwer ins Gewicht fallen

„Wir haben einfach eine gute Mannschaft. Ich habe ja schon vor der Saison gesagt, das ist die beste Mannschaft bei Union, in der ich je gespielt habe. Doch wenn man nicht die richtige Einstellung an den Tag legt, ist es auch egal, in welchem System man spielt. Wenn wir das raushauen, was jeder kann, ist es schwer, gegen uns zu gewinnen“, sagte Mattuschka. Es klingt wie eine Drohung an die Mitbewerber um einen der beiden Aufstiegsplätze.

Schließlich wagt der 33-jährige Union-Spielmacher doch einen Blick in die Zukunft, in Richtung Bundesliga. „Ich würde es auch gerne mir selbst beweisen, ob es gehen würde. Deshalb werde ich alles dafür tun.“ Von verdrehten Augen war bei ihm nichts mehr zu sehen.