Zweite Liga

Nullnummer gegen Cottbus reicht Union zur Tabellenführung

Im Ostderby der Zweiten Liga sind keine Tore gefallen. Dem 1. FC Union will seit November 1992 kein Auswärtssieg mehr gegen Cottbus gelingen. Dennoch stehen die Berliner nun an der Spitze der Tabelle.

Foto: Thomas Eisenhuth / dpa

Um den Marathon nach dem Spiel kam er nicht herum. Drei TV-Stationen und zahlreichen Journalisten musste Torsten Mattuschka immer wieder Rede und Antwort stehen, warum der Ball in der 87. Minute nicht ins Tor von Energie Cottbus gegangen ist, sondern nur an die Latte klatschte.

„Ich habe ihn leider nicht ganz genau getroffen“, sagte der Kapitän des 1. FC Union also. Mit seinem Schuss von der Strafraumgrenze hätte Mattuschka, der gebürtige Cottbuser, selbst dafür sorgen können, dass er endlich den lang ersehnten Sieg in der Heimat mit Union einfahren kann. So blieb das Ost-Derby am elften Spieltag der Zweiten Liga jedoch ohne Tore.

16.194 Fans sehen wenige Chancen

Von einem „komischen Spiel“ sprach Mattuschka hinterher. Sein Trainer, Uwe Neuhaus, trat die Heimfahrt nach Berlin mit einem „unguten Gefühl“ an. Schließlich hatten sich vor 16.194 Zuschauern die torgefährlichsten Mannschaften gegenüber gestanden und laut Neuhaus „ein insgesamt gutes Spiel, das eines Derbys würdig war“, abgeliefert. Deshalb war der Union-Coach auch „nicht total unzufrieden mit dem Ergebnis, und mit unserem Spiel sowieso nicht“. Nur das i-Tüpfelchen habe eben gefehlt.

Es war ein gerechtes Unentschieden im Stadion der Freundschaft. Eines, das Union zumindest bis Sonntagnachmittag an die Tabellenspitze hievte. „Ein dreckiges 1:0 wäre uns sicher lieber gewesen“, gestand Benjamin Köhler verlegen. Unions Mittelfeldspieler wusste, welch große Chance er vergeben hatte. Nach 19 Minuten war der Ball, vom Cottbuser Jurica Buljat abgefälscht, zu ihm gekommen. Die Freiheit vor dem Tor nutze Köhler mit einem Lupfer, der an Energie-Torwart Robert Almer vorbei flog – aber auch am Tor.

„Ich wollte es zu schön machen“, sagte Köhler. Und erhielt Rückendeckung vom Trainer Neuhaus: „Köhler hat sich in dieser Situation für die sicherste Variante entschieden, er muss nur den Ball richtig treffen.“

Es waren die zwei größten Möglichkeiten für die Köpenicker, um die seit 1992 andauernde Durststrecke ohne Sieg in Cottbus endlich zu beenden. Und es sah in der ersten Halbzeit auch danach aus, als ob dies tatsächlich gelingen könnte. Union spielte in grauen Trikots, jedoch keineswegs wie eine graue Maus. Konzentriert in den Zweikämpfen, warteten die Gäste auf eine Lücke im Cottbuser Defensivverbund. „Doch Cottbus hat tief gestanden und es uns damit schwer gemacht“, erklärte Mattuschka. Sören Brandy (12.) und auch Terodde (23.) hatten neben Köhler dennoch gute Chancen.

Richtiges Derby erst nach der Pause

Erst nach der Pause wachte Energie auf, und auch da erst nach einer weiteren knappen Viertelstunde, in der Terodde die nächste gute Möglichkeit (Schuss aus 14 Metern/51. Minute) vergab. Es waren die Einwechslungen von Boubacar Sanogo und Charles Takyi in der 57. Minute, die Cottbus an mehr als nur einem glücklichen Punkt schnuppern ließen. Schon mit seiner ersten Ballberührung, ein Kopfball nach einer Ecke (59.), beschwor Sanogo mehr Gefahr herauf als alle seine Mitspieler zuvor zusammen.

Jetzt war es ein Derby, das die Bezeichnung auch verdiente, mit rassigen Zweikämpfen und leichten Vorteilen für die Lausitzer. Takyi prüfte Union-Torwart Daniel Haas (72.) mit einem Fernschuss, Marco Stiepermann ebenso (75.). Bei einem Luftduell mit Sanogo im Fünfmeterraum stand Haas erneut im Mittelpunkt, Zuschauer und Cottbuser Spieler forderten vehement Elfmeter, die Pfeife von Schiedsrichter Michael Weiner (Ottenstein) blieb jedoch zurecht stumm (76.). Zwei Minuten danach zwingt Unions Köhler Torwart Almer zu einer Glanzparade, ebenso Damir Kreilach mit einem Kopfball (82.). Schließlich köpft Energie-Kapitän Ivica Banovic aus sechs Metern über das Union-Tor. „Am Ende müssen wir noch froh sein, dass wir nicht verloren haben“, sagte Unions Michael Parensen.

Hat Union nun einen Punkt gewonnen oder doch eher zwei verloren? Trainer Neuhaus hatte eine ganz einfache Antwort: „Wenn wir unser nächstes Heimspiel gegen Aue gewinnen, dann hat uns der Punkt geholfen.“