Ost-Derby

Mattuschka und die Sehnsucht nach einem Sieg in der Heimat

Seitdem Torsten Mattuschka für den 1. FC Union spielt, hat er in seiner Heimatstadt Cottbus nicht gewinnen können. Doch die Zeichen für ein Ende dieser Negativserie standen nie besser als heute.

Foto: Oliver Mehlis / pa/dpa

Er rennt, feuert an, kämpft um jeden Ball. Nur reden mag Torsten Mattuschka nicht. Nicht in den Tagen vor dem Ost-Derby seines 1. FC Union am Freitagabend bei Energie Cottbus.

Keine Ablenkung, kein Nachlassen der Konzentration sollen die Fokussierung des Union-Kapitäns auf das Zweitliga-Duell schmälern. Aus gutem Grund. Denn Mattuschka, der gebürtige Cottbuser, wartet noch immer auf einen Erfolg mit den Berlinern im Stadion der Freundschaft.

Es ist die Sehnsucht nach einem Sieg in der Heimat, die Mattuschka alle Kräfte bündeln lässt. In Cottbus erlernte „Tusche“ das Fußballspielen. Dort wurde er auch von Trainer-Legende Eduard Geyer entdeckt und absolvierte für den FC Energie in der Saison 2002/03 sogar vier Einsätze in der Bundesliga, insgesamt 134 Minuten.

Bei Union Aufstieg zum Führungsspieler

Doch erst nach seinem Wechsel zu Union im Jahr 2005 begann der Aufstieg Mattuschkas zum Fußball-Profi, zum Führungsspieler, zur Identifikationsfigur eines gesamten Vereins. Nur ein Sieg in Cottbus ist ihm in all den Jahren nie vergönnt gewesen.

Mattuschka teilt damit praktisch das Schicksal des gesamten Klubs. Seit 1992 warten die Köpenicker auf einen Sieg in der Lausitz. Die vergangenen vier Jahre, so ließ Trainer Uwe Neuhaus nun mit einem Schmunzeln wissen, „nehme ich auf meine Kappe. Wir waren in den vergangenen zwei Spielzeiten allerdings schon nah dran“. So steht seit Unions Rückkehr in die Zweite Liga 2009 nur ein ermauertes 0:0 aus der Saison 2010/11 in der Statistik. Zuvor gab es ein 2:4, danach zweimal ein 1:2.

Die Voraussetzungen, diese Negativserie nun endlich durchbrechen zu können, sind jedoch in der laufenden Spielzeit so gut wie nie zuvor. Und das hat nicht zuletzt etwas mit Mattuschka zu tun. Der 33-Jährige genießt in seinem fünften Zweitliga-Jahr mit Union so viel Freiheiten im Mittelfeld wie nie zuvor. Weil sich der Fokus der Gegenspieler nicht mehr nur automatisch auf ihn allein richtet.

Unions Stratege versteht sich vor allem mit Köhler

„Die helfen nicht nur mir, sondern der gesamten Mannschaft“, antwortet Mattuschka, wenn die Sprache auf seine Nebenleute Benjamin Köhler und Sören Brandy kommt. Vor allem mit Köhler versteht sich Unions Stratege bestens, auf und neben dem Platz.

„Benny hat ja nicht umsonst 170 Erstliga-Spiele gemacht. Und Sören kannten wir aus der Liga. Ich bin natürlich froh, dass wir solche Spieler bekommen haben und die auch so einschlagen“, verdeutlichte Mattuschka.

Und der Kapitän erklärte weiter: „Wir sind uns alle einig auf dem Platz, jeder gibt für den anderen alles. Wenn einer einen Fehler macht, ist der andere da, um ihn auszubügeln. Das ist das Wichtigste, und da dürfen wir auch nicht nachlassen. Es wird immer mal wieder ein Spiel geben, was wir verlieren. Wichtig ist dann jedoch, dass wir solche Reaktionen zeigen wie in den Spielen nach unsere Niederlage gegen Fürth.“ Gemeint ist der Sieg im Pokal in Osnabrück (1:0) und die Liga-Siege in Paderborn und gegen Sandhausen (jeweils 3:0).

Über 3000 Union-Fans pilgern nach Cottbus

Dass nun ausgerechnet der Einsatz von Brandy in der Lausitz fraglich ist, ist kein Vorteil. Der gelernte Stürmer laborierte in der Länderspielpause an einem Infekt und einem Magen-Darm-Virus, konnte elf Tage lang nicht mit der Mannschaft trainieren. Schwacher Trost: Energie-Coach Rudi Bommer bangt um den Einsatz von Kapitän Ivica Banovic (Grippe) sowie des österreichischen Nationaltorhüters Robert Almer (Wadenprobleme). Für Torjäger Boubacar Sanogo reicht es nach seinem Zehenbruch wohl nur zu einem Kurzeinsatz.

Gut 3000 Union-Fans werden heute vor Ort Ihrem Team die Daumen drücken. Und natürlich ihrem „Fußballgott“ Mattuschka. Vergangene Saison traf dieser vom Elfmeterpunkt für Union. Groß gejubelt hatte er damals nicht. Wie man es eben so macht als Fußballprofi, wenn man im sportlichen Wohnzimmer der eigenen Familie und Freunde für die Gäste trifft.

Die erwarteten 16.000 Zuschauer werden im Stadion der Freundschaft allerdings genau hinschauen, ob und wie Mattuschka jubeln wird, sollte sich seine Sehnsucht nach dem ersten Sieg in der Heimat endlich erfüllen.