Ost-Derby

Union setzt auch in Cottbus wieder auf stürmische Zeiten

Im Ost-Derby bittet Union zum Duell der torgefährlichsten Mannschaften in Liga zwei. Ein Stürmer lässt die Berliner hoffen, dass die Bilanz von 20 Treffern in der Lausitz ausgebaut wird.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Der Himmel ist grau in grau, längst ist eine Jacke immer dabei, wenn man das Haus verlässt. Immer wieder geht der Blick im Herbst bang nach oben: Wird es heute ein stürmischer Tag werden? Was die gegenwärtige Jahreszeit zwangsläufig mit sich bringt, galt für den 1. FC Union über Spielzeiten hinweg lange nicht.

Vor dem Derby des Berliner Zweitligisten morgen bei Energie Cottbus (18.30 Uhr, Sky und im Liveticker der Berliner Morgenpost) kommt aus dem Fußball-Osten des Landes nun jedoch eine deutliche Sturmwarnung. Das hat zum einen mit den Lausitzern zu tun, die mit 18 Treffern den zweitbesten Angriff der Konkurrenz stellen. Viel mehr aber noch – und das ist schon erstaunlich – mit Union. 20 Tore erzielte die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus in bislang zehn absolvierten Punktspielen, so viele wie keine andere.

Union, die Torfabrik der Liga? Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich. Dabei sind die Erklärungen, warum es die Köpenicker bislang auf einen Zwei-Tore-Schnitt und damit auf den dritten Tabellenplatz gebracht haben, alles andere als ein Wunder. Zum einen verteilen sich die Treffer auf sechs Torschützen.

Jeder zweite Schuss landet im Tor des Gegners

Soll heißen: Hat einer der Profis mal Ladehemmung, steht ein anderer bereit, um zu vollenden. Knapp die Hälfte aller Schüsse auf das Tor des Gegners finden auch den Weg hinein, exakt 48,8 Prozent – Ligabestwert. Wann hat ein Union-Jahrgang schon einmal einen solchen Wert aufweisen können?

Zum anderen besitzen die Berliner, abgesehen vom meist im Mittelfeld eingesetzten Sören Brandy, zwei Angreifer, die die gegnerischen Abwehrreihen das Fürchten lehren. Und, nennen wir es glückliche Fügung, prompt als die Leistungskurve des einen Torjägers nach unten zeigt, steht der andere bereit, um die Lücke nahtlos zu schließen.

Flanke, Kopfball Adam Nemec, Tor – auf diese einfache Formel ließ es sich in den ersten Saisonpartien bringen, insgesamt vier Mal. Simon Terodde, der es auch schon auf drei Tore gebracht hat, kann nun mit seinem Sturmkollegen in Cottbus gleichziehen, ihn sogar überflügeln.

In den vergangenen zwei Monaten gut trainiert

Teroddes Platz in der Startelf dürfte aufgrund der vergangenen Wochen sicher sein, nicht nur wegen Tor und Vorlage zuletzt beim 3:0 gegen den SV Sandhausen. „Simon hat in den vergangenen zwei Monaten unglaublich gut trainiert“, erklärte Trainer Uwe Neuhaus, warum er dem 25-jährigen Deutschen inzwischen den Vorzug vor dem drei Jahre älteren Slowaken gibt.

Im ersten Saisondrittel blieb Terodde im Ein-Stürmer-System meist nur ein Platz auf der Ersatzbank. „Doch selbst nach seinen Einwechslungen hat er gute Spiele abgeliefert, nicht nur wegen der Tore“, ergänzte Neuhaus.

Der Gelobte selbst hat eine einfache Erklärung für seinen Aufschwung: „Ich habe mich nie hängen lassen, selbst als ich im ersten Spiel, wo wir mit zwei Spitzen aufgelaufen sind, zuschauen musste.“ Die Frage, welchen Vorteil er derzeit gegenüber Nemec hat, will er allerdings nicht beantworten. „Das wäre auch ungerecht den anderen Spielern gegenüber“, sagte Terodde lediglich: „Ich fühle mich gut, und alles andere entscheidet der Trainer.“

Doppelbelastung in Liga zwei und Nationalmannschaft

Der wiederum glaubt in der Doppelbelastung in Liga-Alltag und Nationalmannschaft den Grund zu sehen, warum der Slowake Nemec nun erst einmal das Nachsehen hat. „Adam muss jetzt die Reaktion zeigen, die Simon gezeigt hat“, forderte Neuhaus sogar.

Nach der Rückkehr von den WM-Qualifikationsspielen in Griechenland (0:1) und in Lettland (2:2), in denen Nemec einmal 76 Minuten gespielt hat und einmal gar nicht, soll es jedoch zunächst ruhig weitergehen. „Er soll vor allem die Reisestrapazen aus den Knochen bekommen“, sagte Neuhaus.