Die Frage nach dem Vorteil beschäftigte Uwe Neuhaus kurz. Seine Mannschaft hatte am Mittwoch im Pokal gewonnen, 1:0 setzte sich der 1. FC Union in Osnabrück durch und steht zum ersten Mal seit zwölf Jahren im Achtelfinale. Der SC Paderborn dagegen unterlag beim Drittligisten Saarbrücken (1:2). „Vom Kopf her“, so der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten, „sind wir vielleicht in der besseren Position.“ Bei Paderborn, wo die Köpenicker am Sonnabend antreten (13Uhr, Sky und im Liveticker der Berliner Morgenpost), hat sich dagegen Frust angestaut, der auf Entladung wartet. Das ist auch kein schlechtes Antriebsmittel.

Es gibt noch einen Ausgangswert, der für die Berliner spricht. Als Vierter gehen sie in die Partie gegen den 14. der Rangliste. „Allein die Tabelle würde ich nicht zur Hilfen nehmen, um Paderborn von der Stärke her zu beurteilen“, sagt Neuhaus. Wie wäre es dann damit? Seit sieben Pflichtspielen hat Union saisonübergreifend nicht mehr auf fremden Plätzen verloren, fünf Siege gab es, zwei Unentschieden. Die vergangenen beiden Partien wurden zu Null gewonnen. Eine starke Bilanz für einen Mannschaft, die auswärts jahrelang mehr oder minder ein Punktelieferant war.

Unions neue Auswärtslust – woher sie kommt, kann der Trainer nicht richtig erfassen. „Das ist manchmal so“, sagt er. Mit dem ersten Punktgewinn auswärts, dem ersten Sieg entsteht eine Dynamik im Team, Selbstvertrauen kommt auf und macht sich breit. Neuhaus erinnert das an die Drittligasaison, 21 Mal spielte Union da zu Null: „Und keiner wusste warum.“ Irgendwann war einfach jeder in der Mannschaft davon überzeugt gewesen, ohne Gegentreffer bleiben zu können. „Jetzt weiß vielleicht jeder, dass wir auswärts gewinnen können. Der nächste Schritt ist, dass jeder auch weiß, dass wir wirklich gewinnen“, erzählt der Trainer. Siegen ganz einfach aus Gesinnung eben.

System gibt Gefühl der Sicherheit

Im Team hat sich das durchgesetzt. „Wir haben wieder zu null gespielt, dementsprechend werden wir auftreten in Paderborn“, sagt Torhüter Daniel Haas. Im Pokal blieb er weitgehend beschäftigungslos, weil vor ihm gut gearbeitet wurde. „Wir stehen auswärts kompakter mit zwei Sechsern“, findet Simon Terodde. Der Stürmer erkennt im neuen System einen Faktor für die neue Stärke. Kapitän Torsten Mattuschka kann im Mittelfeld „rausrennen, wohin er will, weil zwei absichern, wir laufen nicht mehr in Konter. Man hat das Gefühl, dass hinten nichts mehr anbrennt“. Daraus entwickelt sich eine neue Perspektive: Anders als früher „fahren wir jetzt gern zu Auswärtsspielen“, sagt Terodde. Gegen Paderborn passt das gerade gut.

Denn die Historie bietet einen zusätzlichen Motivationsansatz. Seit der Saison 2004/05 konnten die Köpenicker in der Regionalliga Nord, der Dritten und Zweiten Liga bei vier Niederlagen und zwei Remis noch keinen Erfolg in Paderborn feiern. „Wir wollen jetzt endlich den ersten Auswärtssieg in Paderborn einfahren, es hat lange genug gedauert“, sagt Neuhaus. Zudem will Union nicht den Anschluss nach oben verlieren. Der Trainer erwartet aber eine schwierigere Aufgabe als zuletzt: „Sie setzen den Gegner zu Hause richtig unter Druck. Das wird ein hartes Stück Arbeit.“ Nach der englischen Woche auch eine Kraftfrage. Aber darauf sind der Kapitän und sein Team vorbereitet. „Wir werden alle Körner rauskloppen“, sagt Mattuschka.

Brandys Einblicke könnten auch helfen

Union kann noch auf einen anderen Vorteil setzen. Der heißt Sören Brandy und spielte lange in Paderborn. „Er wird keine Weltneuheiten erzählen können“, sagt Neuhaus. Aber kleine Hinweise, die könnten solche Spieler immer geben. Das will der Trainer nutzen. Paderborn hat niemanden, der über Union aus dem Nähkästchen berichten könnte.