Rotation geglückt

Beim 1. FC Union sitzt auch der zweite Anzug perfekt

Der Zweitligist machte es dem Bundesligisten vor: Während Hertha im DFB-Pokal scheiterte, weil die Reserve enttäuschte, ging die Rotation von Trainer Uwe Neuhaus auf. Union erreichte die dritte Runde.

Foto: Friso Gentsch / dpa

In Sachen Fußball kann das Hotel Klosterpforte in Harsewinkel mit Tradition punkten. Die noble Anlage in Westfalen durfte schon viele Mannschaften beherbergen, davon zeugen die Bilder an der Wand. Bayern München, der VfB Stuttgart oder Portugals Nationalelf residierten dort bereits.

„Das hat Spaß gemacht“

Martin Dausch, Sören Brandy und Michael Parensen schauten sich lieber alte Fotos des 1.FC Kaiserslautern und 1860 München genauer an. „Hinten haben wir auch noch eins von Hertha“, sagte eine Hotelkraft. Äh, Hertha? „Damit haben wir es nicht so“, raunte es ihr entgegen. Die drei sind zwar Berliner, aber Profis des 1. FC Union. Die Mannschaft hat sich in Harsewinkel einquartiert, um die Zeit zwischen dem Pokalspiel in Osnabrück und dem Zweitligaspiel am Sonnabend in Paderborn zu überbrücken.

Erfahren durfte die Hotelangestellte auch, dass das mit Hertha und Union in Berlin nicht so gut zusammengeht. Übel nahm ihr die Unkenntnis niemand, die Laune ist blendend bei Union, denn während der Erstligist im Pokal ausschied, zogen die Köpenicker in Osnabrück (1:0) ins Achtelfinale ein. „Wir haben nie die Kontrolle abgegeben“, konstatierte Dausch. Tatsächlich präsentierten sich die Berliner überwiegend von ihrer besten Seite, läuferisch stark, aggressiv, willensstark. Auch fußballerische Qualität brachten die Spieler ein. „Das hat Spaß gemacht“, sagte Dausch.

Englische Woche bringt Trainer Neuhaus zum Rotieren

Seit er im Sommer zu Union kam, konnte er das nicht oft behaupten. Persönlich musste er viel durchmachen wegen der seltenen Augenerkrankung seines Sohnes. Das wirkte sich auch auf den Fußball aus, mit der Folge, dass der als kreative Mittelfeldkraft eingekaufte Akteur fast keine Rolle spielte. In Osnabrück durfte er erstmals seit Langem von Beginn ran. „Das war total anstrengend“, sagte er. Dausch brauchte danach lange, um sich zu erholen.

Seine Chance brachte ihm der Pokal, die englische Woche. Trainer Uwe Neuhaus wollte etwas probieren, andere entlasten. Mit dieser Blickrichtung war der Kader schließlich verstärkt worden. „Ich hatte überhaupt keine Bedenken, dass die Wechsel etwas Negatives bewirken könnten“, sagte er. Fünf Positionen veränderte der Trainer. Ziemlich viel für einen, der gern an Bewährtem festhält. Es erwies sich als richtig, die Mannschaft spielte, als gäbe es gar keine Rotation.

Auch die Spieler der ersten Reihe erkennen keinen Leistungsabfall

So wünscht sich das ein Trainer. „Man hat keinen Leistungsabfall gesehen“, sagte Sören Brandy, der für Dausch Platz machen musste. „Jeder kann wirklich eins zu eins ersetzt werden“, erzählte Linksverteidiger Patrick Kohlmann. Die zweite Reihe, lange ein Problem bei Union, wird offenbar zu einer Stärke der Berliner. Sie brachte Energie auf den Rasen. „Die ganze Mannschaft war heiß“, sagte Simon Terodde. Der Stürmer eroberte als Ersatz für Adam Nemec mit unermüdlichem Einsatz schon in der Offensive die Bälle. Dausch rannte viel auf der rechten Mittelfeldseite, sorgte immer wieder für Spielverlagerungen. Björn Kopplin setzte als rechter Verteidiger viele Akzente nach vorn.

Zum ersten Mal durfte Kopplin in dieser Saison von Beginn an spielen. „Es war schwierig für die Spieler, hintenan zu stehen“, sagte Neuhaus. Aber es lief meistens gut für Union; wer dann nicht dabei ist, muss warten können. Kopplin war selbst schuld, in der Vorbereitung hatte er einen schlechten Fitnesszustand. Diesen Fehler will er nicht noch mal machen. „Ich bin jetzt einer der ersten, die beim Training auf den Platz kommen und einer der letzten, die gehen“, sagte er. Neuhaus registrierte dieses Engagement zuletzt bei allen Reservisten. Für das, was als Vierter der Zweiten Liga noch alles vor den Berlinern liegt, ist das eine gute Basis.

Nun hat der Trainer ein neues Problem: Wen setzt er ein?

Und wie geht es nun weiter? Neuhaus, dem wie allen bei Union im Achtelfinale ein Heimspiel am liebsten wäre, will Gespräche führen mit den Pokalhelden, dabei erwartet er die Ehrlichkeit, dass jeder zugibt, wenn er nicht seine volle Leistungsfähigkeit erreichen kann. „Weil damit auch andere Ängste verbunden sind, wenn jemand anderes für einen spielt, ist das schwierig“, sagte der Trainer. Keiner von denen, die in Osnabrück auf dem Platz standen, will in Paderborn gleich wieder auf der Bank sitzen. Neuhaus: „Für mich ist die Entscheidung jetzt noch schwerer, aber diese Probleme habe ich lieber als andere.“