DFB Pokal

1. FC Union erstmals seit zwölf Jahren im Pokal-Achtelfinale

Zweitligist Union Berlin hat sich mit einem knappen 1:0 für das Achtelfinale des DFB-Pokals qualifiziert. Ein Elfmetertor von Kapitän Torsten Mattuschka brachte die Entscheidung.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Das Fußballstadion in Osnabrück gehört nicht zu den größten des Landes. In die Kategorie der kultigsten Spielstätten schafft es die Anlage an der Bremer Brücke dennoch. Damit hat der VfL aus Osnabrück etwas gemein mit dem 1. FC Union aus Berlin. Die eher kleine Arena der Berliner genießt ebenfalls Kultstatus, erneuert wurde der vor nicht allzu langer Zeit, als die Fans halfen, dem alten Stadion ein neues Gesicht zu geben. In Osnabrück hängt der Ruf am Licht, wenn es Abend wird und der VfL spielt, wird es magisch in der Stadt.

Zwar endete die 42 Flutlichtspiele ohne Niederlage dauernde Serie des VfL vor zwei Jahren, aber am vorigen Freitag erst lebte der Mythos wieder auf beim 3:2 gegen RB Leipzig. Osnabrück drehte das Spiel in den letzten Minuten, sprang auf Platz drei der Dritten Liga – und zog daraus viel Selbstvertrauen für die Partie gestern Abend gegen den Zweitligisten Union. In der zweiten Runde des DFB-Pokals standen sich beide Mannschaften gegenüber. Doch Magie entfaltete sich trotz Flutlicht nicht, Union setzte sich 1:0 (1:0) durch. Kapitän Torsten Mattuschka erzielte den entscheidenden Treffer per Elfmeter (13.).

Trainer Uwe Neuhaus, das ist die Erkenntnis des Abends, kann also doch Pokal. Seit seinem Amtsantritt 2007 war ja arg an der Unioner Pokaltauglichkeit gezweifelt worden. Gegen Dritt- und Viertligisten verabschiedeten sich die Berliner in den vergangenen drei Jahren zweimal in der ersten und einmal in der zweiten Runde. Nun steht seine Mannschaft zum ersten Mal mit ihm und erstmals wieder seit 2001 im Achtelfinale. „Ich war noch nie in der dritten Runde. Ich freue mich auf die Auslosung und wünsche mir ein Heimspiel“, sagte Mattuschka. Neuhaus sprach von einem „verdienten, aber auch glücklichen Sieg“.

Union-Anhänger zünden Bengalos

Dabei wagte Neuhaus durchaus einiges, er entschied sich, im Pokal einigen Profis eine Chance zu geben, die es zuletzt schwer hatten. Dass Björn Kopplin die rechte Abwehrseite besetzen würde, war aufgrund der Rot-Sperre von Marc Pfertzel klar gewesen. Der Einsatz von Roberto Puncec in der Innenverteidigung, der bislang eine Pflichtspielminute absolviert hatte, überraschte dagegen. Für den angeschlagenen Sören Brandy rückte Martin Dausch ins rechte Mittelfeld, statt Michael Parensen durfte der wieder genesene Baris Özbek im defensiven Mittelfeld auflaufen, und im Angriff erhielt Simon Terodde den Vorzug vor Adam Nemec. Trotz der fünf Änderungen hielt der Coach an seiner taktischen Grundordnung fest, es wurde erneut mit der erfolgreichen Doppelsechs agiert.

An ihrem fragwürdigen Benehmen hielten dagegen die Fans der Berliner fest. Am vergangenen Freitag im Zweitliga-Spitzenspiel gegen Fürth wurden Gästespieler mit Bierbechern beworfen. Nun zündeten die Anhänger vor Spielbeginn und auch nach Mattuschkas Tor Bengalos. Sonst aber erinnerte nicht viel an den Auftritt gegen Fürth, Union ging ruhig in die Partie und blieb es auch.

Es stand schon zu vermuten, dass das 2:4 gegen Fürth Spuren hinterlassen haben könnte. Unter Druck wurden dort falsche Entscheidungen getroffen, die Lockerheit ging verloren. Druck herrscht im Pokal auch, zumal als Favorit gegen eine unterklassige Mannschaft. Osnabrück, das in der ersten Runde Erzgebirge Aue mit 3:0 geschlagen hatte, hatte Union gleich dreimal beobachten lassen, um die große Chance auf das Achtelfinale zu nutzen.

Osnabrück mit Kampfgeist

Doch Union zeigte von Beginn an, dass es sich nicht das Spiel des Gegner aufzwingen lassen wollte. Nach zehn Minuten gab Benjamin Köhler einen ersten Warnschuss ab. Kurz darauf traf Kapitän Torsten Mattuschka per Elfmeter zur Führung (13.). Terodde war zuvor im Strafraum gefoult worden.

Der Ball lief danach sehr gut bei den Berlinern, die Kurzpässe glückten in langer Folge, ab und zu wurden Flankenwechsel eingestreut, das Zweikampfverhalten passte. Es sah sehr ordentlich aus, was Union spielte. Und das wäre durch Mattuschka kurz vor der Halbzeit fast mit dem 2:0 belohnt worden, doch der Kapitän verzog knapp (45.).

Das hielt Osnabrücks Kampfgeist am Leben. Der VfL rückte tatsächlich immer weiter vor, während sich Union vor 11.194 Zuschauern etwas zu sehr mit der Verwaltung des Resultats begnügte. Das beschwor ein paar, wenn auch wenige, brenzlige Situationen herauf, bei denen meist VfL-Angreifer Adriano Grimaldi beteiligt war. Die große Chance zur Entscheidung hatte der eingewechselte Brandy auf dem Fuß (74.). Weil er sie nicht nutzte, wurden die letzten Minuten der Partie noch einmal spannend.