Zweite Liga

Union verliert und Fans werfen Becher auf Fürther Spieler

Trotz einer Führung unterlagen die Eisernen gegen Fürth mit 2:4. In der Nachspielzeit kam es zu unschönen Szenen. Aus dem Köpenicker Fan-Block wurden teils volle Bierbecher geworfen.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Da platzte selbst dem Stadionsprecher der Kragen. „Würdet ihr da hinten eure Becher festhalten, meine Fresse“, schimpfte Christian Arbeit. Es lief bereits die Nachspielzeit im Stadion An der Alten Försterei. Und in jener Ecke des Spielfeldes, in der die Fürther Spieler ihren Torschützen Zoltan Stieber und das 4:2 (0.1) gegen den 1. FC Union feierten, ließen es sich einige Unverbesserliche nicht nehmen, den Gegner mit teils vollen Bierbechern zu bewerfen. Es war nicht das einzige Mal am Freitagabend, dass Union-Fans ihren Frust über die Niederlage gegen den Bundesliga-Absteiger ausließen.

„Das gehört nicht auf den Fußballplatz“, verurteilte Union-Trainer Uwe Neuhaus die Vorfälle, die sicherlich auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) beschäftigen werden. Sein Gegenüber nahm es mit Humor. „Der Zoltan ist aus etwas härterem Holz geschnitzt. So ein Plastikbecher haut ihn nicht um“, sagte Frank Kramer, Coach der SpVgg Greuther Fürth.

Er hatte gut lachen, war es doch seine Mannschaft, die die Köpenicker von der Tabellenspitze der Zweiten Liga verdrängt hat. Und das absolut verdient. Weil die Gäste im Gegensatz zu den Hausherren vor 19.707 Zuschauern „über die gesamte Spielzeit ein gutes Spiel gemacht“ haben, so Kramer. Union wiederum gelang es trotz einer 1:0-Führung durch Benjamin Köhler (18.) nicht, „die Kompaktheit zu bekommen“ (Neuhaus), die es braucht, um in einem Spitzenspiel Erster gegen Zweiter als Sieger vom Platz zu gehen.

Knackpunkt der Partie war die 52. Minute. Plötzlich tauchte Torsten Mattuschka, von Michael Parensen frei gespielt, frei vor dem Fürther Tor auf. Der Union-Kapitän tunnelte Gäste-Torwart Wolfgang Hesl, doch der Ball trudelte nur in Richtung Torlinie, Hesl konnte im zweiten Versuch retten. Im Gegenzug scheiterte zunächst Ilir Azemi an Union-Keeper Daniel Haas, doch als der Ball in den Rückraum zu Goran Sukalo kam, war es um Union geschehen – 1:1, das Verhängnis nahm seinen Lauf.

Mattuschka entschuldigt sich

„Es tut mir leid für die Mannschaft, das darf so nicht passieren“, entschuldigte sich Mattuschka hinterher: „Wenn ich den mache, dann gewinnen wir, ganz klar.“ So aber ließ sich Union in den folgenden 14 Minuten zweimal auskontern. Zunächst ging es schnell über Stieber und Florian Trinks, der für Tom Weilandt auflegte – der Ball schlug zum 1:2 im kurzen Eck ein (60.). Sechs Minuten später verliert Union-Verteidiger Patrick Kohlmann den Ball im ungewollten Zweikampf mit Damir Kreilach (Unions Kroate hatte im Weg gestanden), der Ball kommt zu Stieber, der trocken abzieht, 1:3 (66.). Sein Team habe nach dem Ausgleich den Kopf verloren, analysierte Neuhaus: „Wir haben einige fatale Fehler gemacht.“ Dabei hatte er der gleichen Elf vertraut, die zuletzt St. Pauli niederkämpfte (3:2) und den Sieg in Ingolstadt (1:0) einfuhr.

„Wir lassen uns blöd auskontern, und Fürth nutzt das eiskalt aus“, meinte Sören Brandy. Der Mittelfeldspieler wurde wegen eines Schlags auf das Wadenbeinköpfchen zur Pause ausgewechselt, Christopher Quiring übernahm den Platz auf der rechten Seite.

Dabei hatte Union gut begonnen, in den ersten 20 Minuten das umgesetzt, was man sich vorgenommen hatte. Den Gegner unter Druck setzen und dadurch zu Fehlern zwingen. Schließlich hätten die Fürther nach zuvor drei Spielen ohne Sieg und dem Verlust der Tabellenführung ein wenig verunsichert sein müssen. Waren sie aber nicht, das wurde spätestens nach einer halben Stunde deutlich. „Wir haben uns von dem Rückstand nicht umwerfen lassen“, sagte Fürth-Coach Kramer hinterher.

Schon nach vier Minuten setzte Mattuschka mit einem Schlenzer aus 18 Metern, der sein Ziel knapp verfehlte, das erste Signal. Nach einer Viertelstunde ging ein Brandy-Kopfball aus fünf Metern über das Tor. Am Ende standen in der Statistik 22:8 Torschüsse – für Fürth.

Den Vorwurf, die Köpenicker hätten nicht alles versucht, kann man ihnen nicht machen. Neuhaus löste am Ende die Doppelsechs auf und brachte mit Simon Terodde für Parensen einen zweiten Stürmer. Außerdem sollte Baris Özbek (kam für Mattuschka/ 74.) für neuen Schwung sorgen. Die Rechnung schien aufzugehen, Terodde verkürzte auf 2:3 (86.). Doch die Fürther erwiesen sich als reifer, warteten auf eine letzte Chance, und nutzten diese durch Stiebers Lupfer über den aus seinem Tor herauseilenden Haas gnadenlos aus, 2:4. Dann flogen die Bierbecher aus dem Union-Block…

Es war Benjamin Köhler, der nur wenige Minuten nach der Partie den Blick nach vorn richtete. „Wir waren nur einen Spieltag die Gejagten“, sagte der Mittelfeldspieler: „Jetzt müssen wir wieder jagen.“ Die nächste Gelegenheit bietet sich nach dem DFB-Pokalspiel am Mittwoch in Osnabrück kommenden Sonnabend in Paderborn.