1. FC Union

Union ist lieber in der Rolle des Jägers als des Gejagten

Die Niederlage gegen Fürth hat den Unionern gezeigt, was ihnen noch fehlt, um dauerhaft ganz oben in der Zweiten Liga dabei sein zu können. Trainer Neuhaus setzt dabei auf ein ganz einfaches Vorbild.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Wenn es etwas gibt, das in diesen Wochen von allen Beteiligten an der Zweiten Liga immer wieder betont wird, sei es von Fußballprofis, Trainern oder Klubverantwortlichen, dann ist es der Umstand, wie eng es im Bundesliga-Unterhaus derzeit zugeht. Angesichts des Fehlens einer „Übermannschaft“ wie Hertha BSC oder Eintracht Frankfurt in den Jahren zuvor ist die Liga so ausgeglichen wie schon lange nicht mehr. Ein Ausrutscher hat da durchaus immense Auswirkungen.

Der 1. FC Union bekam das nun zu spüren. Eben strahlten die Köpenicker noch von der Tabellenspitze, und schwups – sind sie schon wieder aus den Aufstiegsrängen gerutscht. Das ist ebenso wenig ein Beinbruch wie es vor einer Woche, als Union Platz eins übernommen hatte, eine Vorentscheidung um den Aufstieg gewesen ist. Das 2:4 gegen Fürth am Freitagabend hat jedoch gezeigt, worauf es ankommen wird, um dauerhaft oben dabei zu bleiben. Und was den Berlinern folglich noch fehlt.

„Wir haben aus dem 1:0 keinen Nutzen ziehen können“, analysierte Trainer Uwe Neuhaus. Statt nach Benjamin Köhlers Treffer den Gegner weiter unter Druck zu setzen, zogen sich die Unioner zurück. „Wir wollten dann tiefer stehen, haben es aber nicht geschafft“, sagte Mittelfeldspieler Michael Parensen: „Wir haben es versäumt, Fürth den Zahn zu ziehen. Stattdessen haben wir sie am Leben gelassen.“

Eine Viertelstunde lang enorm viel investiert

Union gab damit die Kontrolle aus den Händen. Die Erklärung dafür ist durchaus einleuchtend. „Wir haben in den ersten 15 Minuten enorm viel investiert. Es ist doch klar, dass man das nicht über 90 Minuten schafft“, sagte Kapitän Torsten Mattuschka. Unions Verschnaufpause ließ die technisch starken Mittelfranken immer besser ins Spiel kommen.

Dann die Reaktion nach dem Ausgleich. Kaum etwas war zu sehen von der Ruhe, die Union sonst in Heimspielen auszeichnet. „Wir wollten unbedingt eine Reaktion zeigen und haben uns dabei übernommen“, legte Parensen den Finger in die Wunde. Sein Trainer sah es ähnlich. „Nach dem 1:1 haben wir die Nerven verloren, wir wollten zu viel“, sagte Neuhaus.

Später kam dann die Enttäuschung bei den Spielern hinzu, weil sie die Führung viel zu einfach aus der Hand gegeben haben. „Da hatten wir keinen klaren Kopf mehr“, so Neuhaus.

Es kommt auf sauberes Passspiel an

Abspielfehler waren die Folge, auch ungenaue Laufwege. „In Spitzenspielen kommt es auf sauberes Passspiel an, auf Laufbereitschaft und auch Ballbesitz“, erklärte Parensen. All das ließen die Unioner mit fortschreitender Spieldauer vermissen. Selbst in der Schlussphase, als der eingewechselte Simon Terodde mit seinem 2:3 noch einmal Hoffnung auf zumindest einen Zähler brachte, konnte Union den Schalter nicht mehr umlegen.

Anders die Fürther, denen der Rückstand nichts anzuhaben schien, selbst mit der Bürde, die Serie von drei Spielen ohne Sieg unbedingt beenden zu müssen, um der Favoritenrolle in Sachen Aufstieg weiter gerecht zu werden. Unspektakulär, dafür aber zielstrebig und vor dem Tor hocheffizient spielte sich die Elf von Trainer Frank Kramer wieder an die Zweitliga-Spitze.

Punkt Nummer drei: die Ausgangsposition. Die Tatsache, erstmals seit dem September 2009 wieder als Spitzenreiter in eine Zweitliga-Partie zu gehen, hemmte die Köpenicker mehr, als es sie beflügelte. „Physisch haben wir alles versucht“, sagte Neuhaus. Doch der Trainer wusste auch: „Wir haben uns zu sehr unter Druck gesetzt, wollten die drei Punkte unbedingt haben und Tabellenführer bleiben.“

„Wir kennen die Rolle des Gejagten noch nicht gut genug“

Die Lockerheit, die Union als Jäger ausgezeichnet hat, suchte man beim Gejagten am Freitag vergeblich. „Vielleicht kennen wir die Rolle des Gejagten noch nicht gut genug“, sagte Parensen.

Für Union gilt es nun, schnell den Kopf wieder frei zu bekommen und die Pleite im Spitzenspiel abzuhaken. Schon damit es am Mittwoch in der zweiten DFB-Pokalrunde beim Drittliga-Dritten VfL Osnabrück nicht das nächste böse Erwachen gibt.

Coach Neuhaus erklärte ausgerechnet den Gegner vom Freitag zum Vorbild: „Wir können uns ein klein wenig ein Beispiel an Fürth nehmen.“ Die Spielvereinigung hätte auf die kleine Durststrecke „als Mannschaft reagiert. Das erwarte ich von meiner auch“.

In der Liga kann Union diese Reaktion am Sonnabend zeigen, wenn es zum SC Paderborn geht. Kapitän Mattuschka ist optimistisch: „Der Weg, den wir in den vergangenen Wochen gegangen sind, war gut. Den müssen wir weitergehen.“