Uwe Neuhaus zählt zu den Menschen, die sich nicht übermäßig viel mit der Vergangenheit beschäftigen. Mit Blick auf die SpVgg Greuther Fürth kommt der Trainer des 1. FC Union jedoch nicht umhin, sich noch einmal zwei Begegnungen ins Gedächtnis zu rufen. „Wenn ich an das letzte gemeinsame Zweitliga-Jahr denke, wird mir immer noch übel“, sagte Neuhaus also. Mit 0:4 und 0:5 gingen die Berliner in der Saison 2011/12 gegen den damaligen Aufstiegskandidaten unter. Seitdem hat sich allerdings einiges getan.
Wenn heute Abend (18.30 Uhr) Union und Greuther Fürth im Stadion an der Alten Försterei aufeinandertreffen, erwartet Fußball-Deutschland ein Zweitliga-Spitzenspiel. Der Tabellenerste trifft auf den Ligazweiten. Im Falle der Fürther, die nach ihrem Abstieg aus der Bundesliga ohnehin als Mitfavorit gehandelt wurden, ist das keine große Überraschung.
Statt Union waren allerdings Kaiserslautern, Köln oder auch Absteiger Düsseldorf ganz vorn vermutet worden. Doch weil die Favoriten schwächeln, nutzten die Berliner aus dem Stadtteil Köpenick, im Vorfeld der Saison schon als Geheimfavorit tituliert, ihre Chance.
Zeit für den nächsten Schritt
Nun ist die Gelegenheit da, den nächsten Schritt zu machen. Nicht nur zu beweisen, dass Union zu Recht oben steht, sondern dass es in der Lage ist, schon in dieser Saison dauerhaft um den Aufstieg mitspielen zu können. Und dass Union dies nach Möglichkeit auch will, wird, bei aller Bescheidenheit im Umgang mit der Tabellenführung, immer wieder deutlich.
„In den vergangenen vier Jahren haben wir uns in der Zweiten Liga zu Hause einen Namen erspielt“, sagte Neuhaus. Dieser Ruf, dass Union vor allem dank der Unterstützung der Fans im Rücken den Gegner immer mit voller Wucht bespielt, soll unter allen Umständen verteidigt werden.
Mittelfeldspieler Michael Parensen ist zuversichtlich, dass die Mannschaft die Heimstärke abrufen kann, wegen der die Köpenicker von der Konkurrenz landauf und landab immer wieder Lob einheimsen. Parensen spricht von „brutaler Konsequenz“, mit der man den Mittelfranken begegnen wolle. Sechs Spiele in Folge ohne Niederlage haben die Brust breit gemacht.
„Der Rasen muss brennen“
Mit diesem Pfund will der Spitzenreiter auch heute Abend wuchern. Zumal der Gegner sportlich gerade eine kleine Auszeit genommen hat. Drei Spiele nicht gewonnen, zuletzt das 0:2 gegen den VfL Bochum - „die Fürther wissen, was die Stunde geschlagen hat“, erklärte Fabian Schönheim. Der Innenverteidiger sagt das, was auch sein Kapitän Torsten Mattuschka seit Tagen zum Besten gibt. Was alle im Kader des 1. FC Union seit Tagen zum Besten geben: „Der Rasen muss brennen.“
Wie das heute Abend umgesetzt werden soll, erklärte Parensen. „Wenn wir die Fürther mit absoluter Intensität empfangen, machen sie eventuell auch Fehler, und ihre Schwachstellen werden aufgedeckt. Wir wollen ihnen einfach zeigen, dass wir eine starke und gefestigte Mannschaft sind und uns nicht von oben verdrängen lassen wollen.“
Es ist der Trainer, der – wie so oft – dann sofort an einen kühlen Kopf appelliert. Im Vergleich zu den Fürther Aufstiegshelden von 2012 „treffen wir zwar auf eine veränderte Mannschaft“, sagte Neuhaus: „Die war aber sechs Tage lang Tabellenführer und hat sieben Punkte in den drei Auswärtsspielen geholt.“ Allerdings konnten die Fürther in den vergangenen drei Partien auch nur über ein Tor jubeln. „Ich weiß nicht, ob das bei denen noch in den Klamotten hängt“, so der Coach.
Entspannte personelle Situation
Die Voraussetzungen für ein erneutes Fußballfest im Ballhaus des Ostens, eines, bei dem nach 90 packenden Minuten die Unioner feiern werden, sind jedenfalls gegeben. Auch aufgrund der entspannten personellen Situation. Bis auf die Langzeitverletzten Björn Jopek (Kreuzbandriss) und Mario Eggimann (Bandscheibenvorfall) ist kein Verletzter hinzugekommen.
„Alle sind erholt und fit. Es besteht kein Anlass, etwas zu verändern“, sagte Neuhaus. Soll heißen: Doppelsechs mit Parensen und Damir Kreilach, Adam Nemec als einzige Spitze, dahinter das Trio Benjamin Köhler, Mattuschka und Sören Brandy. Die Fürther hingegen müssen auf Stürmer Ognjen Mudrinski (Operation der Weisheitszähne) verzichten, der Einsatz von Linksverteidiger Niko Gießelmann ist wegen einer Innenbanddehnung im Knie fraglich.
Geht es nach Neuhaus, sollen seine Spieler vor allem eines: sich auf das Spiel freuen. „Das wird ein toller Abend, an dem zwei Mannschaften auf Augenhöhe aufeinandertreffen, deren Sieger Tabellenführer sein wird“, sagte der Trainer. Von einer Reifeprüfung wollte er allerdings nichts wissen: „Die bekommt man erst zum Abschluss, nachdem man diverse Aufgaben erledigt hat.“
Beim 1. FC Union geht man mit Respekt, aber ohne Furcht in die Spitzenpartie. „Wir sind gerade dabei, einen Fluch nach dem anderen abzuhaken. Fürth war uns in den vergangenen Jahren in allen Belangen überlegen. Doch wir sind jetzt stärker geworden. Ich freue mich extrem auf das Spiel, das geht jedem bei uns in der Mannschaft so“, frohlockte Parensen, „ich weiß nicht, ob es den Fürthern genau so geht.“





